OECD-Bildungsreport Schlechte Noten für deutsches Bildungssystem


Nach dem schlechten Abschneiden bei der PISA-Studie stellt auch der neue OECD-Bildungsreport dem deutschen Bildungssystem ein mangelhaftes Zeugnis aus. Kritik an den Ergebnissen des Reports gab es dagegen von den Kultusministern.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legt heute zeitgleich in mehreren Hauptstädten der Welt ihren neuen Bildungsreport vor. Erneut wird dabei heftige Kritik am deutschen Bildungssystem erwartet. Beim weltweiten PISA-Schultest vor drei Jahren hatten die deutschen Schulen besonders schlecht abgeschnitten.

Zu wenig Betreuer und Lehrer

Die Zeitung "Die Welt" berichtet unter Hinweis auf die Studie, die OECD bemängele unter anderem die Situation in den Grundschulen und Kindergärten in Deutschland. Hier bedürfe das Betreuer-Kinder-Verhältnis der Verbesserung. Besonders gravierend sei die Situation im Elementarbereich, in dem rund 24 Kinder auf eine Betreuungsperson kommen, die nach dem Vereinigten Königreich ungünstigste Relation innerhalb der OECD. Der Durchschnittswert unter den 30 Ländern der OECD liege im Kindergartenbereich bei etwa 15 Kindern pro Betreuungsperson. Günstige Werte erreichten Island, Dänemark und Neuseeland mit einer Quote von fünf bis sieben. Im Grundschulbereich kommen der Studie zufolge in Deutschland rund 19 Kinder auf eine Betreuungsperson der OECD-Mittelwert liegt hier bei 17 Kindern.

Als positiv bewertet die OECD laut "Welt" den Aufbau einer regelmäßigen nationalen Bildungsberichterstattung, wie sie durch Bund und Länder derzeit erfolgt. 2005 soll sie in einen ersten umfassenden Bericht münden. Außerdem würdige die Studie die Anstrengungen beim Ausbau von Ganztagsschulen und der Weiterentwicklung des Bafögs sowie der Umstellung auf Master- Bachelor-Abschlüsse an den deutschen Hochschulen.

Kein Geld für Bildung

Nach Informationen der "Tageszeitung" kommt die Studie zu dem Schluss, dass Deutschland weniger Geld für Bildung ausgibt als viele Staaten der OECD. Viele Staaten arbeiteten kontinuierlich daran, das Bildungs- und Qualifikationsniveau ihrer Menschen anzuheben - insbesondere durch die Ausbildung von mehr Akademikern. Die deutschen Ausgabenzuwächse seit 1995 aber lägen schon bei den Schulen am unteren Ende der Skala, bei den Hochschulen nur im Mittelfeld.

Die Studie wird in Berlin an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und den Vize-Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) übergeben. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Tauss, sagte, der Bund habe mit dem Vier-Milliarden-Euro-Programm zum Ausbau der Ganztagsschule "seine Hausaufgaben gemacht" und den Ländern geholfen, die Schulprobleme zu lösen. Nun seien die Kultusminister gefordert, nach dem PISA-Schock die Schulen zu reformieren. Das deutsche Bildungssystem bringe zu wenig Abiturienten hervor. In keinem Industriestaat hänge der Bildungserfolg so sehr von der sozialen Stellung der Eltern ab wie in Deutschland.

Kultusminister kritisieren OECD-Bildungsexperten

Kritik gab es derweil von der Kultusministerkonferenz (KMK) für den OECD-Bildungsexperten Andreas Schleicher wegen dessen Äußerungen über das deutsche Schulsystem. Man sei nicht nur über die Äußerungen, sondern auch über deren Zeitpunkt "außerordentlich befremdet", sagte KMK-Generalsekretär Erich Thies dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). Schleicher habe mit seiner "Presseaktion versucht, deutsche Innenpolitik zu machen". Damit habe er "seine Rolle erheblich überdehnt".

Schleichers Äußerungen am Wochenende in mehreren Medien seien nicht hinnehmbar, schon gar nicht unmittelbar vor der weltweiten Veröffentlichung der OECD-Bildungsstudie, die den deutschen Kultusministern noch nicht vorliege, sagte Thies. Schleicher hatte die deutschen Schulreformen als zu langsam kritisiert und den Schulpolitikern vorgeworfen, es mangele ihnen an einer "strategischen Vision". Die deutsche Schule werde deswegen weiter im internationalen Vergleich zurückfallen.

DPA/AP AP DPA

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