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Preissteigerung: Was in Deutschland teurer wird

Erst waren es die Preise für Strom, dann die für Butter und Milch und nun verlangen auch die Fluggesellschaften sowie die Bahn mehr Geld für Ihre Tickets. Und Ausgaben fürs tägliche Leben steigen weiter.

Von Annette Berger

Im Sommer war es die Preisrunde bei Stromversorgern, dann machten Butter, Milch und Käse Schlagzeilen. "Viele Grundbedürfnisse werden derzeit teurer", sagt Bernhard Burdick, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.

Fast alles wird teurer

So müssen sich etwa Reisende darauf einstellen, künftig mehr Geld für Flugtickets zu zahlen. Grund ist der hohe Ölpreis, der derzeit knapp unter der 80-Dollar-Marke liegt. Führende europäische Fluggesellschaften kündigten in dieser Woche an, dass sie die höheren Treibstoffpreise an ihre Kunden weitergeben würden. Ab dem 1. Oktober werden bei der Lufthansa Treibstoffzuschläge auf Interkontinentalflügen von 67 Euro pro Streckenabschnitt fällig - das sind fünf Euro mehr als bisher. Auf Routen innerhalb Europas und Deutschlands beträgt der Zuschlag dann 14 Euro - und damit zwei Euro mehr als vorher. Im Frachtgeschäft verlangt Lufthansa Cargo ab dem 8. Oktober an 65 Cent je Kilogramm, der alte Preis liegt bei 60 Cent. Für Interkontinentalflüge hatte die Lufthansa ihre Aufschläge bereits im Juli erhöht.

Auch die Lufthansa-Tochter Swiss verlangt mehr, und zwar bereits ab kommendem Montag. Dann werden die Zuschläge auf Langstreckenflügen mit 134 Franken pro Flugstrecke zwölf Franken teurer. Für Europaflüge wird die Kerosingebühr um zwei auf 34 Franken erhöht. Unverändert bleiben die Regelungen für Inlandsflüge. Auch hier war bereits im Juli der Zuschlag für Langstreckenflüge erhöht worden, damals um 16 Franken.

Ab kommender Woche höhere Kerosinzuschläge

Doch der Lufthansa-Konzern ist nicht der einzige, der seine Passagiere stärker zur Kasse bittet. So verlangt Europas Marktführer Air France-KLM künftig einen Kerosinzuschlag innerhalb Europas von 25 Euro, einen Euro mehr als zuvor. Für Interkontinentalflüge müssen die Passagiere der französisch-niederländischen Gesellschaft mit 70 Euro fünf Euro mehr zahlen als bislang. Air Berlin bestätigt zwar auf Anfrage, keine Preiserhöhungen in naher Zukunft zu beabsichtigen. Wie die Situation im kommenden Jahr aussieht, mochte eine Sprecherin jedoch ebenfalls nicht vorhersagen.

Auch Bahnfahren wird noch in diesem Herbst teurer. So will der staatseigene Konzern zum 9. Dezember die Preise für Einzelfahrscheine und Zeitkarten der 2. Klasse um durchschnittlich 2,9 Prozent anheben. Grund sei der bereits vereinbarte Tarifabschluss mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA. Dieser koste die Bahn pro Jahr 100 Millionen Euro mehr, rechnete die Konzernleitung ihren Kunden in dieser Woche vor. Und zusätzliche Lasten drohen bereits, denn noch ist der Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL nicht beendet. Im Oktober drohen neue Streiks.

Teurer: Bahncard, Tickets und Reservierungen

Die Bahncard wird im Schnitt ab Dezember um 3,8 Prozent teurer. Dann kosten Karten mit 50-Prozent-Rabatt 220 statt 212 Euro, für die Bahncard 25 werden anstatt 53 Euro 55 Euro fällig. Für Platzreservierungen zahlt man 50 Cent mehr. Am Automaten oder im Internet kostet eine Reservierung dann zwei Euro, am Schalter vier Euro. Das "Schöne-Wochenende"-Ticket kostet 35 statt 33 Euro.

Diese neue Preisrunde, durch die sich Bahnchef Hartmut Mehdorn Mehreinnahmen von 60 Millionen Euro erhofft, ist bereits die zweite in diesem Jahr. Die erste hatte die Bahn zum 1. Januar 2007 durchgesetzt, damals stiegen die Preise im Fernverkehr um durchschnittlich 5,6 Prozent, worin allerdings auch die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent enthalten war. Im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden kosten Tickets seitdem durchschnittlich 3,9 Prozent mehr.

Rekordpreis beim Diesel

Tiefer in die Tasche greifen müssen derzeit auch Autofahrer. So war Diesel am Dienstag nach einer neuen Preisrunde in Deutschland so teuer wie noch nie. Ein Liter kostete im bundesweiten Durchschnitt mehr als 1,22 Euro, hieß es beim Verband der Mineralölindustrie in Hamburg. Superbenzin kostete den Verbraucher etwa 1,38 Euro je Liter. "Die Autokosten steigen stärker als die Kosten für den allgemeinen Lebensstandard", sagt ADAC-Verkehrsexperte Maximilian Maurer. Eine Preisrunde bei Neuwagen könnte drohen, wenn die Hersteller neue Umwelttechniken in ihre Fahrzeuge einbauten, schätzt Maurer. Auch Heizöl rangiert mit Preisen von 66 bis 68 Cent je Liter - bei einer Abnahme von 3000 Litern - nahe der bisherigen Höchstpreise.

Auch der Discounter verlangt mehr

Auch der tägliche Einkauf im Supermarkt geht deutlich mehr ins Geld, obwohl die Lebensmittelpreise im Schnitt derzeit noch weit unter denen vieler europäischer Nachbarländer liegen, wie es bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen heißt.

Dennoch spüren die Verbraucher den Preisruck allemal - zumal auch die Discounter die Preise deutlich erhöhten. Allein im August stiegen die Verbraucherpreise für Butter nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Agrarwirtschaft (ZMP) um 50 Prozent - was aber nicht bedeute, dass gleichzeitig alle Molkereiprodukte deutlich teurer geworden sind. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) schätzt, dass Lebensmittelpreise im Gesamtjahr 2007 rund zwei Prozent teurer sein werden als 2006. Auch 2008 könnte der Anstieg anhalten - da die Rohstoffkosten derzeit stark anzögen, sagt Robert Weitz, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik beim HDE.

Adieu, günstiges Brathuhn

Laut ZMP bewegen sich derzeit die Getreidepreise auf langjährigen Höchstständen, was auf Brot und Kuchen durchschlagen dürfte. Für Geflügel müssen die Deutschen schon jetzt 12,3 Prozent mehr zahlen als im September 2006 - Hühner picken schließlich Körner. Eier und Obst sind ebenfalls teurer als 2006, der Preis für Milchprodukte stieg um 18,8 Prozent, Fleisch dürfte laut Branchenschätzungen folgen. Gleichzeitig kommt offenbar in Mode, die Kunden um Verständnis für die Preiserhöhungen zu bitten. Der Discounter Aldi - Trendsetter im Lebensmitteleinzelhandel - kündigte seine jüngsten Preiserhöhungen für Milch und Molkereiprodukte in großflächigen Zeitungsannoncen an. Da zieht auch schon mal der Bäcker um die Ecke nach, hängt erst ein Schild auf - und bietet wenig später sein Brot zu einem teureren Preis an.

Auch auf Kleidung könnten künftig Preisschilder mit höheren Summen stehen. Zwar herrsche in der Branche nach wie vor ein harter Konkurrenzkampf, sagt HDE-Chefvolkswirt Weitz. Jedoch gebe es leichte Anzeichen für künftige Preissteigerungen in den Erzeugerländern Ostasiens. Zudem rechnet der Einzelhandelsverband für 2008 mit einer wachsenden Konsumlust der Deutschen, sagt Weitz. "Das spricht für höhere Preise."

Verlässliche Pauschalreisen

Wer nun frustriert eine Pauschalreise buchen und Deutschland verlassen will, den mag beruhigt sein: Denn die Reisebranche derzeit keine Anzeichen für spürbare Preiserhöhungen. Vor allem bei Fernreisen gibt der Verband Entwarnung. Grund sei der niedrige Dollar-Kurs, sagt eine Sprecherin des Deutschen Reise-Verbandes (DRV). Sollte der Ölpreis allerdings weiter steigen, könnten auch die Reiseveranstalter an der Preisschraube drehen.

Zudem sollten Kunden genau vergleichen, denn der Verband stellte jüngst in einer Untersuchung fest, dass die Preise für ein und denselben Flug in unterschiedlichen Vertriebskanälen der Fluggesellschaften sehr stark varriieren, in einigen Fällen "bis zu 4000 Euro", teilte der DRV jüngst mit. "Zum Teil sind die Preise günstiger im Web zu bekommen, zum Teil günstiger im Reisebüro."

FTD

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