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PROMOTION: Doktortitel: Lohnt sich die Strapaze?

Ein Doktorhut kann die Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft entscheidend voranbringen - allerdings sollte nicht zuviel Zeit in die Promotion investiert werden.

Die Promotion liegt derzeit im Trend. Allein im Jahr 2000 wurden laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden an deutschen Universitäten 25.780 Doktortitel verliehen - Tendenz steigend. Im Durchschnitt beträgt das Alter der frisch Promovierten 32,7 Jahre. Das ist kein geringes Alter, um ins Berufsleben einzusteigen.

Häufig lautet daher die Frage, ob sich die Strapazen für den Titel auszahlen. »Ob eine Promotion sich lohnt, kann man pauschal nicht beantworten«, sagt Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Letztlich hänge dies auch davon ab, in welchem Fach jemand promoviere und welche Berufsziele er verfolge. »In den Naturwissenschaften und der Medizin ist ein Doktortitel üblich und für die spätere Karriere wichtig. Allerdings verzichten vor allem niedergelassene Ärzte ohne Karriereabsichten immer öfter auf die Promotion.« Auch für die Hochschullaufbahn sei der Doktortitel nach wie vor unabdingbar, während sich in anderen Fächern die Lage unterschiedlich gestalte.

»Auf jeden Fall haben Promovierte auch außerhalb der Hochschule häufig sehr gute Berufschancen«, sagt Jürgen Enders, Professor an der Universität Enschede in den Niederlanden. In einer Studie hat er den Berufsverlauf und -erfolg von Promovierten und Nicht-Promovierten verschiedener Fächer verglichen: »Eine Promotion lohnt sich eigentlich fast immer, allerdings nicht nach allen Maßstäben.« Als wichtigste positive Auswirkung sei ein geringeres Arbeitslosenrisiko von Promovierten zu verzeichnen.

Nicht zu viel Zeit mit der Promotion verlieren

Außerdem seien Promovierte meist zufriedener mit ihrer beruflichen Tätigkeit und hätten eine positivere Selbsteinschätzung. Selbst wenn sich die Promotion nicht in Heller und Pfennig auszahle, so führe sie zumindest in inhaltlich interessante Arbeitsbereiche. Ein höheres Gehalt ist nicht immer garantiert, berichtet Enders: »Mathematiker und Germanisten verdienen beispielsweise mit Doktor nicht wesentlich mehr Geld als ohne.«

Harald Völker von der Humboldt-Universität Berlin bestätigt Enders' Ergebnisse. Er ist Vorsitzender von Thesis e.V., einem interdisziplinären Netzwerk für Promovierende und Promovierte: »Die Promotion wirkt sich in jedem Fach unterschiedlich auf die Gehaltsaussichten aus. In der Soziologie lohnt es sich zum Beispiel in barer Münze, während eine Promotion in den Geisteswissenschaften in der Regel finanziell nicht viel ausmacht.« Auch in den Wirtschaftswissenschaften sei der Doktortitel meist nicht ausschlaggebend, ein schneller Berufsstart jedoch immer ratsam.

Für die Karriere dagegen bedeute der Doktortitel jedoch oftmals einen Vorteil, erzählt Lutz Thimm, Bereichsleiter bei der Abteilung High Potentials bei der Kienbaum Consultants International GmbH in Gummersbach: »In bestimmten Positionen schätzen Firmen den Doktorhut, da er ein besonderes Prestige genießt und der Außenwirkung der Firma zugute kommt.« Kein Wunder, dass die Dichte an Doktoren in Führungsetagen hoch ist. Allerdings warnt Thimm davor, zu viel Zeit mit einer Promotion zu verlieren: »Optimal ist es, nicht länger als drei Jahre für die Promotion zu brauchen. Ansonsten kann sich das hohe Alter beim Berufseinstieg negativ auf die Bewerbung auswirken.«

Königsweg: Kombination von Beruf und Promotion

Bevor die Entscheidung zur Doktorarbeit gefällt wird, sollte man jedoch sorgfältig die Voraussetzungen einer solchen Entscheidung abwägen, betont Völker: »Man investiert nicht nur viel Zeit und Lebensenergie während der Promotion. Für gewöhnlich lebt man auch für zwei bis fünf Jahre, ohne viel Geld zu verdienen.« Sowohl Stipendien als auch Mitarbeiterstellen an Universitäten seien nicht sehr hoch dotiert.

Einen Königsweg dagegen kann die Kombination von Beruf und Promotion darstellen, wenn man sich mit dem Arbeitgeber abspricht und dieser das Vorhaben durch geringere Arbeitszeiten fördert. »Von einer Doktorarbeit nebenbei, ohne Absprache mit dem Arbeitgeber, rate ich allerdings ab«, so Völker. »Die Doppelbelastung ist nur schwer zu bewältigen.«

Wie viel Durchhaltevermögen eine Promotion verlangt, zeigt die Abbruchquote deutlich: Rund ein Drittel aller Doktoranden macht keinen Abschluss. Neben Disziplin und Motivationsfähigkeit sind daher in der Promotionsphase auch die auf dem freien Markt viel gepriesenen, so genannten Soft-Skills von Nutzen, berichtet Völker: »Teamfähigkeit und Kommunikationsbereitschaft sind wichtig. Wer sich nicht mit anderen 'Leidensgenossen' austauscht und isoliert an seiner Arbeit sitzt, scheitert eher.«

Literatur

Jürgen Enders und Lutz Bornmann: Karriere mit Doktortitel? Ausbildung, Berufsverlauf und Berufserfolg von Promovierten, Campus Verlag, 29,90 Euro.

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