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Kommentar

Angemessene Arbeitskleidung: Zu sexy für den Schuldienst - Lehrerin muss nun Sack und Asche tragen

Gut ausgebildet, schwarz und strahlend zeigte sich Lehrerin Patrice Brown im Internet. Jetzt schlug die Zensur zu: Die Schulaufsicht verdonnerte Brown zu "angemessenen" Auftreten.

Das war einmal: Die Schulaufsicht verordnete "angemessene" Kleidung.

Das war einmal: Die Schulaufsicht verordnete "angemessene" Kleidung.

Die USA sind ein Land der Double Standards. Auf der einen Seite kommt die Debatte über Body Shaming aus den USA, ebenso wie die Auseinandersetzung darüber, wer Frauen eigentlich vorschreiben darf, wie sie sich anzuziehen haben.

Korrekte Kleidung, aber figurbetont

Anderseits gibt es solche Geschichten: Patrice Brown ist schwarz, gebildet und sichtlich stolz auf ihren kurvigen Körper. Eigentlich der ideale Fall einer modernen Frau. Doch die Absolventin der Alabama State University unterrichtet an einer Grundschule. Auch dort machte sie Selfies beziehungsweise ließ sich ablichten. Etwas Schlimmes lässt sich nicht entdecken: Ihre geschmackvollen Kleider enden knapp über dem Knie, der Ausschnitt fällt ebenfalls zurückhaltend aus und die Jeans in Stretch gibt es in jedem Laden. Auf keinem der Bilder zeigte Patrice Brown in sexy Posen. Sie wirkt einfach selbstbewusst, stolz und richtig glücklich. Allerdings sieht sie auch verdammt gut aus.

Shirt und Jeans eigentlich kein Problem. Bei Browns Figur allerdings schon.

Shirt und Jeans eigentlich kein Problem. Bei Browns Figur allerdings schon.


Unscheinbarkeit ist die Rollenvorgabe 

Ihr Instagram-Account wurde berühmt und Brown inoffiziell zum "sexiest teacher alive" gekürt. Dieser Ruhm wurde ihr nun zum Verhängnis. Eltern beschwerten sich, Browns Outfits seien zu heiß, um sie in der Schule zu tragen. Die Vorgesetzten wiesen die junge Lehrerin nun nachdrücklich auf den Dresscode für Angestellte, die Benutzung von Social Media und die Ethikrichtlinien des Bundesstaates hin. Um den Job zu behalten, musste Frau Brown Besserung bei der Kleidung in der Schule geloben. Außerdem stellte sie ihre Internetpräsenz auf den Privat-Modus um.

Der alte Account wurde inzwischen unsichtbar für Fremde.

Der alte Account wurde inzwischen unsichtbar für Fremde.

Diktat der Gummiformel

So weit, so schlecht. Denn alle Vorschriften bemühen die Gummiformel "angemessen", beziehungsweise "nicht angemessen". Was das ist, legen die Vorgesetzten fest. Am Beispiel von Patrice Brown zeigt sich, dass für Frauen das Rollenmodell "unscheinbar" zum Gesetz erklärt wird. Sie sah einfach zu gut aus für den Schulbetrieb. Schwer vorstellbar, dass ein Mann gerügt worden wäre, wenn seine attraktiven Muskeln unter dem Shirt sichtbar wären. Bei den Kurven von Brown ist es offenbar kein Problem, verhüllende Kleidung zu verlangen.

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