stern-Ratgeber So funktioniert die wilde Ehe


Partnerschaften ohne Trauschein sind inzwischen so normal wie eine Kanzlerin ohne Kinder. Doch die "wilden Ehe" bergen Probleme: Wer unterschreibt eigentlich den Mietvertrag? Und: Wem gehört der Hausstand nach der Trennung? Die Autoren des neuen stern-Ratgebers klären auf.

Adam und Eva waren nicht verheiratet - der Bibel zufolge wurde die Frau ja aus des Mannes Rippe geformt. Zunächst lebten die Stammeltern des Menschengeschlechts glücklich und unbeschwert im Paradies. So steht es geschrieben und genau so fühlen sich vermutlich auch viele Paare, die ohne offizielles "Ja"-Wort ihr Leben genießen.

Der Haken an der biblischen Geschichte und den heutigen Beziehungskisten ist, dass es auch die Vertreibung aus dem Paradies gibt. Adam und Eva naschten vom Baum der Erkenntnis und schon war der Ofen aus. Heute endet die große Liebe nicht selten in Streit, Frust, Stress und Trennung.

Auch im neuen stern-Ratgeber "Partnerschaft ohne Trauschein" tauchen Adam und Eva auf - als fiktives, modernes Pärchen, das ohne staatlichen Segen zusammenlebt. Die Schilderung ihres Alltags zeigt die Probleme, die in solchen Konstellationen auftreten können - und die Lösungen.

Für stern.de haben die Autoren, vier Rechtsanwälte, die besten Tipps und Tricks für ein sonniges Beziehungsleben zusammengestellt.

Wer soll den Mietvertrag unterschreiben?

Wenn die Partner wollen, dass beide gleichberechtigt sind und nach dem Mietrecht ein hohes Maß an Sicherheit haben, sollten beide unterschreiben. Keiner von beiden kann nun den anderen innerhalb relativ kurzer Frist vor die Tür setzen.

Es gibt an dieser Lösung jedoch einen Haken: Auch nach dem Auszug eines Partners bleibt der Mietvertrag bestehen und beide sind jeweils für sich verantwortlich für die gesamte Mietzahlung. Der Vermieter kann sich also an den einen oder anderen Mieter wenden und von einem der beiden Mieter die volle Miete fordern, wenn der andere nicht zahlt. Ein Mieter, der längst ausgezogen ist, kann plötzlich, wenn der oder die "Ex" zahlungsunfähig ist, mit aufgelaufenen Mietforderungen konfrontiert werden. Aus diesem Schlamassel herauszukommen, ist nicht ganz einfach.

Nur beide Partner können den Mietvertrag kündigen. Weigert sich ein Partner, der weiterhin in dieser Wohnung leben möchte, einer Kündigung des Mietvertrags zuzustimmen, muss der Partner, der aus dem Vertrag aussteigen will, vor Gericht auf Zustimmung zur Kündigung klagen. Bis zum Erfolg der Klage zahlt er jeden Monat die komplette Miete!

Angenommen ein Partner ist richtig solvent und der andere mittelloser Student, sollte nur die besserverdienende Hälfte der Beziehung den Mietvertrag unterzeichnen. In diesem Fall kann sich der Student nach der Trennung zwar nicht lange gegen den Rauswurf wehren, aber er muss auch nicht damit rechnen, dass der Vermieter von ihm rückständige Mietzahlungen fordert. Denn zwischen ihm und dem Vermieter besteht gar keine Geschäftsbeziehung.

(Tipp vom Münchner Rechtsanwalt Bernhard F. Klinger)

Was ist zu beachten, wenn ein Partner in die gemietete Wohnung des anderen einzieht?

Der Mieter muss dem Vermieter einen Brief schreiben und ihm ermöglichen, zu prüfen, ob ein "berechtigtes Interesse" am Einzug des Partners vorliegt. Er muss ihn daher über folgende Punkte informieren:

• Personalien des einziehenden Partners (Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Beruf)
•die Motivation für den Einzug, sprich die entstandene Partnerschaft
•Tag des beabsichtigten Einzugs

Für den Fall, dass die Beziehung schon vor der Anmietung der Wohnung bestand, sollten die veränderten Umstände, die zum beabsichtigten Zusammenzug geführt haben, dargelegt werden, zum Beispiel "Intensivierung der Beziehung" oder "Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse".

Wer sich korrekt an diese Vorgabe hält, kann in aller Regel den Einzug des Partners durchsetzen. Vermieter können nur ganz wenige Gründe für die Unzumutbarkeit des Einzugs geltend machen, zum Beispiel eine mögliche Überbelegung der Wohnung.

(Tipp von Rechtsanwalt Thomas Maulbetsch, Fürth im Odenwald)

Wem gehört bei einer Trennung was?

Jedem Partner gehört das, was er eingebracht hat, und die Hälfte von gemeinschaftlich beschafften Gegenständen. Wenn ein Partner mit dem Geld des anderen eine Bratpfanne gekauft hat, gehört sie dem kaufenden, nicht dem zahlenden Partner, weil er das Kochgerät erworben hat.

In einer zerrütteten Beziehung kann man über alles und jedes streiten, auch über Teller, Tasse, Gabel und Fingerhut. Auch wenn es kleinlich und knickrig erscheint: Es ist - zur Streitvermeidung - nicht verkehrt, beim Zusammenziehen und später festzuhalten, wer was eingebracht hat und wer der Eigentümer oder die Eigentümerin von Gegenständen ist, die während der Partnerschaft beschafft wurden.

(Tipp des Reutlinger Rechtsanwalts Armin Abele)

Was sollte der bürgende oder geldgebende Partner tun?

Weder eine Partnerin noch ein Partner ist ein Geldinstitut. Wer privat einem anderen Menschen helfen will, sollte sich sehr genau überlegen, unter welchen Bedingungen er dies tut und in welcher Höhe er Verpflichtungen übernehmen will. Klare schriftliche Vereinbarungen sind allemal besser als blankes Vertrauen. Vorsicht ist angesagt.

Auch die notorische Frage von Banken und Geldgebern nach den "Sicherheiten" sollte man klären und hierzu "Paragraphen" formulieren. Mann oder Frau sollten sich überlegen, ob eine Bürgschaft oder ein Kredit für die Partnerin oder den Partner sinnvoll ist. Manchmal hilft schon ein Blick auf den Anlass: Die Beendigung der Ausbildung, der Start eines Geschäfts oder die Hilfe in unverschuldeter Not mögen vertretbar sein. Sicherlich nicht die Finanzierung von Spielschulden, teuren Hobbies oder eines ausschweifenden Lebensstils trotz Insolvenz.

(Tipp von Rechtsanwalt Joachim Müller, Neuwied)

Ist es verkehrt, wenn ein Partner auf dem Grundstück des anderen mit dem eigenen Geld ein Haus baut?

Es kommt darauf an, was die beiden vereinbaren. Wird nichts vereinbart, gehört das Haus, in dem viel Eigenleistung und Geld des einen Partners steckt, automatisch dem anderen Partner, der Eigentümer des Grundstücks ist. Erst eine klare Vereinbarung schützt den finanziell und mit "Muskelhypothek" engagierten Partner davor, beim Auseinandergehen leer auszugehen. Nur in wenigen Fällen können Partner, die das ursprünglich als Paradies geplante Haus finanziert und gebaut haben, auch dann auf einen Ausgleich für ihre Leistungen hoffen, wenn sie keine Vereinbarung mit dem Partner getroffen haben.

(Tipp vom Münchner Rechtsanwalt Bernhard F. Klinger)

Wie sieht die Sache für den Vater nach dem Bruch der Beziehung aus?

Der Vater hat kein Sorgerecht. Hätte er nach der Geburt der Kinder gemeinsam mit der Mutter das gemeinschaftliche Sorgerecht beantragt, stünde er nach der Trennung viel besser da.

(Tipp des Reutlinger Rechtsanwalts Armin Abele)


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