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Strom + Gas: Preiserhöhungen - und kein Ende

Eine Öffnung des Energiemarktes ist noch in weiter Ferne - Energiekonzerne können weiter die Verbraucherpreise diktieren: Nach einer neuen Untersuchung ist allein der Gaspreis seit Jahresanfang um 27 Prozent gestiegen. 

Die Macht großer Strom- und Gasanbieter wird nach Experteneinschätzung vorerst weiter zu anziehenden Verbraucherpreisen führen. Offenbar kann sich die Bundesnetzagentur nicht gegen den Widerstand der Gaswirtschaft durchsetzen, sagte der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Holger Krawinkel, im ARD-Mittagsmagazin vom Montag. Zwar seien keine Engpässe beim Gasangebot zu erwarten, notfalls könne man aber die Gasnetze wie in anderen europäischen Ländern verstaatlichen. Das wäre auch bei wachsendem Einfluss des russischen Gasversorgers Gazprom wichtig.

417 Anbieter machten Gas teurer

Trotz massiver Kritik an ständigen Teuerungsrunden auf dem Gasmarkt hat sich die Preisspirale nach Untersuchungen des Verbraucher-Portals Verivox auch zum 1. Oktober kräftig nach oben gedreht, wie die FAZ (Montag) berichtete. Danach haben 417 der rund 700 Anbieter ihre Gaspreise angehoben. Mit dem abermaligen Aufschlag seien diese Preise für die privaten Haushalte seit Jahresanfang um 27 Prozent gestiegen. Beim Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr habe sich die Haushalts-Gasrechnung auf 1313 Euro im Jahresschnitt erhöht. Für die Entwicklung innerhalb der ersten drei Quartale wird über deutliche Schwankungen in den Erhöhungen berichtet: zwischen plus 12,7 Prozent in Hannover und plus 38,6 Prozent in Dortmund.

Allein im Oktober hätten die Verbraucherpreise im Vergleich zum 3. Quartal um 3,7 Prozent höher gelegen. Dabei sollte Anfang dieses Monats mit dem freien Anbieterwechsel eine neue Ära am Gasmarkt eingeleitet werden. Für eine echte Öffnung des Marktes fehlt es Expertenangaben zufolge jedoch an frischem Wettbewerbs-Wind mangels ausreichend neuer Anbieter.

Verständnis für Kundenproteste

Die Absicht des russischen Konzerns Gazprom, in deutsche Versorgungsunternehmen einzusteigen, sei ein Problem, so Krawinkel. Wichtig sei, dass die Netz-Infrastruktur gesichert bleibe. "Die Netze könnten dann durchaus in staatliche Hand kommen", der Lieferwettbewerb müsse aber privat laufen. Zur Zahlungsverweigerung vieler Kunden wegen der hohen Gaspreis-Aufschläge sagte Krawinkel, hier seien die Unternehmen selbst Schuld: "Hätten sie rechtzeigig den Markt geöffnet und die Preise freigegeben, müssten die Kunden nicht auf diese Weise protestieren."

Im Streit um hohe Strompreise erneuerte Vattenfall-Chef Klaus Rauscher seine Drohung, bei zuviel Dirigismus durch den Staat werde nicht in Deutschland, sondern "eben anderswo investiert". Im Interview mit der "Frankfurter Rundschau" räumte er zugleich ein, dass die Versorger angesichts der sie treffenden Kürzungen bei den Netzgebühren hier und dort in den Renditeerwartungen herunter gehen müssten. Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) warnte die Stromkonzerne. Sie seien "dabei, eine neue Angstkampagne zu starten".

Vattenfall: "Kein Investitionsstopp"

Eine Sprecherin von Vattenfall erklärte später, die geplanten Investitionen zur Modernisierung von Kraftwerken und Stromnetzen stünden nicht in Frage. "Von einem Investitionsstopp kann keine Rede sein." Das Unternehmen habe für die nächsten 6 Jahre ein Investitionsvolumen für Deutschland von 6 Milliarden Euro geplant. Davon sei die Hälfte von den Aufsichtsratsgremien bereits gebilligt. "Das kann man nicht mal eben einfach zurücknehmen."

DPA / DPA

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