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Umtauschlawine: Jetzt kommen die Gutschein-Shopper

Kaum sind die Geschenke ausgepackt und die Kerzen heruntergebrannt, geht der Stress weiter: Entweder wollen ungeliebte Gaben umgetauscht - oder Gutscheine eingelöst werden. Und auch die höhere Mehrwertsteuer treibt die Menschen um.

Schnäppchen, Geldgutscheine und Geschenkeumtausch: An den letzten vier Einkaufstagen des Jahres hoffen die deutschen Einzelhändler noch einmal auf besonders klingelnde Kassen. Gleich nach dem Fest am 27. Dezember wird mit einem Ansturm auf die Geschäfte gerechnet, wenn die Verbraucher ihre Gutscheine einlösen oder nicht passende Geschenke umtauschen. Vielerorts setzen die Unternehmen auch schon massiv den Rotstift an. Vor allem Textilhändler locken mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Zudem werden letzte Anschaffungen mit alter Mehrwertsteuer noch kurz vor dem Jahreswechsel vorgenommen.

Jetzt rollte die Gutschein-Welle

"Die Leute haben zwischen den Feiertagen meistens frei, die Muße und das Geld, um einzukaufen", betont Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE. Allein die einzulösenden Geschenkegutscheine spülen dem Handel kurz vor Silvester noch einmal enorme Kundenzahlen in die Geschäfte. In diesem Jahr waren Schätzungen zufolge gut ein Viertel aller Geschenke zu Weihnachten Gutscheine. Und wer in die Läden komme, löse nicht nur die Gutscheine ein, sondern lasse sich auch zu weiteren Einkäufen verlocken, sagt Pellengahr.

Für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember hatte sich die lange Jahre kriselnde Branche ehrgeizige Ziele gesteckt. Der Umsatz sollte um zwei Prozent auf rund 75,7 Milliarden Euro zulegen, und das, obwohl in diesem Jahr kalendarisch zwei Einkaufstage fehlen. Nachdem die Geschäfte in den ersten Dezemberwochen sehr unterschiedlich verliefen - nicht zuletzt auch wegen des sehr milden Wetters, könnten die letzten vier Tage im Jahr das Ergebnis noch mit rausreißen. Wie in jedem Jahr werden zwischen den Feiertagen die Preise schon kräftig purzeln, doch "mit Rabattschlachten rechnen wir eher nicht", betont Pellengahr.

Noch locken die 16 Prozent

"Die Tage nach Weihnachten sind die Tage, wo der Enkel den Gutschein der Oma für die Playstation einlöst", heißt es beim Handelsriesen Metro, zu dem auch Kaufhof, Mediamarkt und Saturn gehören. Doch auch die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 16 Prozent auf dann 19 Prozent wirft ihre Schatten voraus.

So rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf allen Kunden, unerwünschte Weihnachtsgeschenke noch in diesem Jahr umtauschen. Nur dann könnten sie sich Ärger wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer ersparen: Ansonsten riskieren Umtauschwillige, dass der Händler nach dem 1. Januar 2007 einen Ausgleich für den neuen Mehrwertsteuersatz verlangt. Mit dem Jahreswechsel erhöht sich die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent.

Kein generelles Umtauschrecht

Laut Verbraucherschützer kann der Händler die drei Prozentpunkte mehr vom Nettopreis allerdings nur dann einfordern, wenn er die Kunden schon beim Kauf auf diese Spielregeln hingewiesen hat. War dies nicht der Fall, könnten Kunden einen kostenlosen Umtausch verlangen. Ein generelles Umtauschrecht gebe es jedoch nicht. Gefällt die Ware nicht, seien Verbraucher auf Kulanz des Händlers angewiesen.

Anders sehen die Verbraucherrechte beim Umtausch von Ware aus, die im Internet bestellt wurde. Nach Angaben des Branchenverbands BITKOM in Berlin gibt es in diesem Fall fast immer ein Widerrufs- oder Rückgaberecht. Meist blieben Online-Shoppern 14 Tage nach Erhalt der Ware zur Rückgabe, bei Ware aus dem EU-Ausland ist es mindestens eine Woche. Ein Grund für die Rückgabe müsse nicht angegeben werden.

Ungeliebtes landet bei Ebay

Doch nicht jeder Beschenkte tauscht eine misslungene Weihnachtsüberraschung tatsächlich um. Laut einer Umfrage im Auftrag des Online-Auktionshauses Ebay behalten zwei Drittel der Befragten ihre Geschenke, obwohl sie sich darüber nicht gefreut haben. Jeder Zehnte verkaufe unerwünschte Geschenke weiter, teilte Ebay in Berlin mit. Nicht zuletzt deshalb herrsche nach den Weihnachtstagen auf der Auktionsplattform regelmäßig Hochbetrieb.

Gleich nach dem Fest rechnen wir noch mal mit deutlichen Umsatzspitzen", betont Petra Fladenhofer vom zum KarstadtQuelle-Konzern gehörenden Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin. Auch in der Essener Konzernzentrale wird für die Zeit zwischen den Feiertagen ein besonders starker Andrang in den Kaufhäusern erwartet. Rabatte werde es aber nicht geben, sagt Sprecher Jörg Howe.

Saison für Schnäppchenjäger

Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels werden allerdings viele der rund 38.000 Unternehmen nach Weihnachten versuchen, durch Rabatte ihre Waren aus den Läden zu bekommen - sehr zur Freude der Schnäppchenjäger. Die Geschäfte wollen möglichst niedrige Bestände an Altwaren, kündigt der Branchenverband an. "Wir hoffen aber, dass die Reduzierungen nicht so ausarten wie schon einmal vor einigen Jahren", betont Verbandsgeschäftsführer Siegfried Jacobs. Dass in diesem Jahr deutlich früher der Rotstift angesetzt werde, hänge auch mit der Mehrwertsteuererhöhung zusammen. Der "freiwillige" Winterschlussverkauf beginne so auch schon am 22. Januar.

Abzuwarten bleibt, wie das Geschäft im neuen Jahr für die Einzelhändler dann tatsächlich anläuft. Zwar rechnet der Branchenverband im ersten Quartal mit einer Nachfragedelle, weil viele Verbraucher ihre geplanten Großanschaffungen auf 2006 vorgezogen haben. Die optimistische Grundstimmung - mehr als die Hälfte der Deutschen geht laut ZDF-Politbarometer vom Dezember davon aus, dass es mit der Wirtschaft weiter aufwärts geht - könnte sich aber auch auf den Konsum positiv auswirken.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) geht ohnehin davon aus, dass die Kunden im Januar nicht gleich mit einem Preisschock rechnen müssen. Im Zuge der höheren Mehrwertsteuer werden die Waren wohl zunächst im Schnitt nur um etwa ein Prozent teurer, hieß es in der Branche. Außerdem könnte es in den ersten Monaten noch kräftige Preisnachlässe geben.

mit DPA

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