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Uni: Bund, Länder und Wirtschaft sollen Elite-Uni bezahlen

Die SPD will ihre Pläne zum Aufbau von Elite-Universitäten mit Hilfe von Bund, Ländern und Wirtschaft vorantreiben. Für die "Allianz für Innovationen" soll zwei Drittel von der Wirtschaft kommen.

Die SPD will ihre Pläne zum Aufbau von Elite-Universitäten mit Hilfe von Bund, Ländern und Wirtschaft vorantreiben. "Wir brauchen mehrere Quellen", sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Rande der SPD-Vorstandsklausur in Weimar. Für die "Allianz für Innovationen" sollten zwei Drittel von der Wirtschaft kommen und ein Drittel von Bund und Ländern, um die Ausgaben für Bildung bis 2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Bulmahn fordert für Deutschland etwa zehn Spitzen-Universitäten.

Die Länder müssen nach Ansicht der Ministerin wie der Bund mehr Mittel bereitstellen. "Ich halte eine Zweckbindung der Erbschaftsteuer für eine gute Sache", sagte Bulmahn. Für den Bund hießen die Pläne, dass "pro Jahr von Seiten der Bundesregierung nicht nur eine einprozentige Steigerung des Haushalts" gebraucht werde. Die finanzielle Förderung von Elite-Hochschulen solle schwerpunktmäßig beim Bund liegen, sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin". Die Spitzen- Universitäten müssten sich im Wettbewerb durchsetzen. Neue Hochschulen auf der grünen Wiese soll es dafür nicht geben.

Alle Universitäten sollen profitieren

Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles, verlangte: "Wir müssen nicht nur Spitzenuniversitäten weiterentwickeln." Dafür gebe es aber breite Zustimmung in der SPD-Spitze, sagte sie. So solle über Trimester und Qualität der Lehre gesprochen werden. Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) forderte, alle Universitäten müssten im Wettbewerb nach vorne kommen. Der 45-köpfige SPD-Vorstand beriet über "Weimarer Leitlinien". Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) betonte die Notwendigkeit, die Ausgaben für Bildung zu erhöhen.

Grüne wollen "flächendeckende Innovation"

Die Grünen begrüßten die Bildungsoffensive grundsätzlich, warnten aber vor einer einseitigen Elitenförderung. "Es geht nicht nur um die Verbesserung von Chancen für ein paar wenige Glückliche, sondern um eine flächendeckende Innovation", sagte Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer im Inforadio Berlin-Brandenburg.

Kritik vom Deutschen Hochschulverband

Die SPD-Pläne stießen bei Verbänden teils auf Kritik. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair, sprach sich gegen die Idee einer Elite-Universität aus. "Ich halte nichts von einer Spitzenuniversität, die dann andere degradiert", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Den Universitäten fehlten jährlich sechs Milliarden Euro durch Mittelkürzungen. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) reagierte zurückhaltend. Es dürfe nicht schon vorher eine Zahl der geförderten Universitäten festgelegt werden, sagte HRK-Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel in Bonn.

Mehrere Elite-Unis gefordert

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, forderte im DeutschlandRadio Berlin fünf bis sechs Elite-Universitäten für Deutschland. Sie sollten sich mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln im Wettbewerb der besten zehn bis 15 deutschen Universitäten herausbilden. Um einen Teil deutscher Hochschulen auf internationales Spitzenniveau zu bringen, wären 60 bis 100 Millionen Euro pro Jahr notwendig, sagte er der Zeitung "Financial Times Deutschland".

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) befürwortete Elite-Universitäten. Der Deutsche Hochschulverband forderte Spitzenleistungen von allen Universitäten. Eine Spitzen-Uni oder auch zehn machten den Kohl nicht fett, sagte Verbandspräsident Hartmut Schiedermair im Deutschlandfunk. Wichtiger seien flächendeckende Innovationen. Die finanzielle Ausstattung müsse verbessert und die Bürokratisierung abgeschafft werden. Elite-Universitäten wie Harvard in den USA sind nach Ansicht Schiedermairs das Ergebnis jahrzehntelanger Wissenschaftspflege.

DPA

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