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Hells Angel "Kevin" Warum Macaulay Culkin cooler ist als Hollywoods gebotoxter Rest

Macaulay Culkin sorgt gerade mit seinem Auftritt in einer Comedy-Webserie für Furore. In der ersten Episode von "DRYVRS“" schlüpft Culkin wieder in die Rolle des nun erwachsenen Kevin McCallister aus "Kevin Allein zu Haus". Die Ereignisse der ersten beiden Filmen haben den einst süßen Jungen schwer traumatisiert und zum Psychopathen gemacht. Das kommt gut an: Innerhalb von wenigen Tagen wurde das Video mehr als 18 Millionen mal angeschaut. Culkins Rolle strotzt dabei vor Selbstironie. Denn auch im echten Leben machte der Schauspieler nach den beiden "Kevin"-Filmen vor allem mit Problemen Schlagzeilen. So musste der Kinderstar 1994 den Scheidungskrieg seiner Eltern miterleben.1995 wurde Caulkin für seine letzte Hauptrolle in „Richie Rich“ die Goldene Himbeere verliehen. Eine Art Anti-Oscar, der seit 1981 die jeweils schlechtesten Schauspieler und Filme auszeichnet. Seine Ehe mit Schauspielkollegin und Jugendliebe Rachel Miner zerbrach 2000 nach zwei Jahren. Mit dem Tod seiner Schwester Dakota 2008 und seines Freundes Michael Jackson 2009 folgten weitere Schicksalsschläge. Als 2011 seine langjährige Beziehung mit Mila Kunis zerbrach, baute Macaulay Caulkin physisch deutlich ab. Es gab Gerüchte über eine Heroin- und Schmerzmittelabhängigkeit. Inzwischen scheint sich Culkin aber wieder gefangen zu haben. In dem Video zu seiner Comedy-Cover-Band "The Pizza Underground" sieht er schon wieder gesünder aus. Zudem ist er seit 2012 mit der Schauspielerin Jordan Lane Price liiert. Und wer weiß, vielleicht erlebt er mit Überraschungserfolg von "Dryvrs" ein Comeback.


Macaulay Culkins "Dryvrs"-Episode in voller Länge bei Youtube.
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In ihrer Kolumne "Hells Angel" knöpft sich Henriette Hell jede Woche einen Menschen vor, der in ihren Augen in puncto Liebe und Sex alles richtig macht. Oder alles falsch. Diesmal: Macaulay Culkin, einer der Coolsten in Hollywood.
Von Henriette Hell

"So erholt sah er seit seiner Kindheit nicht mehr aus!" oder "Neuer Look! Hat Macaulay Culkin endlich die Kurve gekriegt?" So lauteten die Überschriften zu neuen Fotos, die Macaulay Culkin in der vergangenen Woche am Set eines neuen Filmprojekts zeigten – mit kurzen Haaren, rosigem Teint und fröhlicher Miene. Großzügig wurde prophezeit, dass es mit dem "gefallenen Ex-Kinderstar" endlich wieder bergauf gehe. Eine Frechheit! Wer sagt denn, dass es dem 36-Jährigen überhaupt schlecht ging?!

Das, was die Klatschpresse seit vielen Jahren mit Macaulay Culkin treibt, ist Rufmord. Die reißerischen Mutmaßungen reichten von Magersucht über Knochenkrebs bis hin zu Heroinsucht – lediglich an optischen Eindrücken festgemacht. Wann immer Culkin irgendwo mit langen, ungekämmten Haaren auftauchte, unterstellte man ihm gleich, er sei "völlig verlottert" oder "abgestürzt". Dabei sah er für meinen Geschmack kaum anders aus als ein stinknormaler Hipster, wie man ihn in Neukölln an jeder Ecke trifft, und eben nicht – Gott sei Dank! – wie all die anderen solariumgebräunten, operierten Trottel in Hollywood.

Aber abgefledderter Nagellack ist für einige Klatschredakteur*innen offenbar gleichbedeutend mit "verwahrlost und drogensüchtig". Dabei kaufen dieselben Redakteur*innen vermutlich T-Shirts bei H&M, die das Konterfei von Kurt Cobain zeigen, weil das gerade "in" ist.

Verblendet von Instagramfiltern loben sie in ihren Hochglanzmagazinen die Plastic People dieser Welt in den Himmel, die im Grunde nichts anderes können als geil aussehen auf retouchierten Bikini-Selfies mit Flamingoschwimmreifen in Infinitypools.

Macaulay Culkin hat sich in seinen Dreißigern mit anderen Dingen beschäftigt. Er spielt in der Comedy-Rockband The Pizza Underground, ist Teil des Künstlerkollektivs 3MB, das aus ihm und den rattencoolen New Yorker Musikern Adam Green und Toby Goodshank besteht, und wirkt in experimentellen Indie-Filmen mit. 

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass Macaulay Culkin nie mit Drogen zu tun hatte. Aber vielleicht gab es ja auch andere Gründe, weshalb "Kevin" mitunter etwas mitgenommen aussah. Etwa, als sich seine große Liebe Mila Kunis nach acht Jahren von ihm getrennt hat. Sie war für ihn da, als 2008 zuerst seine Schwester und kurz darauf sein geliebter Freund Michael Jackson verstarb. Das alles muss man erstmal verkraften.

Für jemanden, der bereits mit vier (!) Jahren von seinen Eltern auf irgendwelche Theaterbühnen gezerrt wurde und später deren schmutzige Scheidungsschlacht und den Kampf um SEINE Millionen miterleben musste, hat sich Macaulay Culkin jedenfalls echt gut gehalten.

Heute macht er nur noch das, was ihn berührt. Kunst, die nicht jeder versteht. Aber ist das nicht der Sinn von Kunst – Provokation? Verwirrung stiften? Gönnen wir ihm doch diesen Spaß.

Macaulay Culkin ist ein cooler Typ

Culkin ist keiner dieser verzweifelten C-Promis, die jeden Sch*** mitmachen, bloß um im Gespräch zu bleiben. Niemals würde er in Realityformaten wie dem Dschungelcamp oder "Promi Big Brother" mitmachen, um an Geld zu kommen. Er ist ein cooler Typ, der die Welt all die Jahre damit irritierte, dass er weder ins Fitnesstudio noch ins Solarium oder zum nächsten Blockbuster-Casting rannte, um die Hauptrolle in irgendeinem Actionfilm zu ergattern.

Ich habe Macaulay Culkin immer geliebt. Und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich sämtliche Dialoge beider "Kevin allein zu Haus"-Filme mitsprechen kann.

Culkin ist kein ehemaliges Drogenwrack, dass nun ein Comeback versucht. Vielmehr ist er ein Feingeist, der es nicht immer leicht gehabt hat im Leben. Sein lässiger Stil, sein stets leicht amüsierter Gesichtsausdruck, seine provokanten Kunstprojekte, sein Mut, unkonventionelle Wege zu gehen – all das macht ihn zu einem sehr attraktiven Mann. Das sagt auch seine Ex, Mila Kunis: "Es gab immer diese seltsame Anziehung, die von ihm ausging. Fans haben zum Beispiel geschrien, wenn sie ihn gesehen haben. Sie wussten einfach nicht, wie sie auf ihn reagieren sollten. Das war keine normale Reaktion auf einen Promi."

Macaulay Culkin ist der Benjamin von Stuckrad-Barre von Hollywood. Oft belächelt, unterschätzt, bemitleidet, abgeschrieben – aber am Ende eben doch der lachende Gewinner.


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