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Verbraucher wird in die Irre geführt: Bertolli, ein italienisches Olivenöl - wie viel Italien steckt da eigentlich noch drin?

Bertolli klingt so schön italienisch und schließlich steht auch auf den Olivenölflaschen "Dal 1865". Also Italienisch für: seit 1865. Damals verkaufte Francesco Bertolli zum ersten Mal Olivenöl in der Toskana. Ist das heute auch noch so?

Bertolli

Wie viel Italien steckt eigentlich noch in Bertolli?

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Man kann sich nicht sicher sein, ob Francesco Bertolli sich im Grabe umdrehen oder den Geschäftssinn seiner Nachfahren feiern würde. Er war es, der 1865 einen kleinen Lebensmittelladen in der Stadt Lucca, im Herzen der toskanischen Olivenbauregion, eröffnete.

Dort verkaufte er unverpackte Waren in Säcken, Fässern und Kisten. Es gab für die Region typisches Getreide, Wein, Käse, Oliven und eben auch Öl. Keine zehn Jahre später wanderte eine wachsende Zahl an Italienern in die USA. Dort angekommen, fanden sie die gewohnten Lebensmittel aus der Heimat nicht. Sie waren es, die Bertolli baten, Kisten mit Olivenöl zu schicken. Bertolli war einer der ersten Exporteure von Olivenölen. Es tat sich ein ganz neuer Markt für ihn auf. Und es blieb nicht nur beim US-Markt, er schickte seine Lebensmittel auch nach Kanada und Australien.

Heute exportiert Bertolli sein Olivenöl in mehr als 40 Länder und ist sogar Marktführer in einigen davon. Mittlerweile gibt es neben dem Öl auch Pastasaucen, Nudeln und Brotaufstriche im Sortiment. Aber wie viel Italien steckt da eigentlich noch drin?

Ein Stück Bertolli für jeden

Um eines vorwegzunehmen: Das Olivenölgeschäft ist heute spanisch, auch wenn etwas anderes auf der Flasche steht. Es wird nämlich nach wie vor suggeriert, dass Bertolli zu 100 Prozent aus Italien stammt. Fakt ist, dass Van den Bergh, eine Unilever-Tochter in Italien bereits 1994 den Betrieb übernommen hat und 2008 sein Olivenöl- und Essiggeschäft für 630 Millionen Euro an den spanischen Konzern Grupo SOS (2011 umbenannt in DeOleo) verkauft hat.

Andere Bertolli-Produkte wie Margarine und Pastasaucen waren von dem Deal erstmal nicht berührt. 2012 ging es dann weiter: Unilever verkaufte die Tiefkühlkost-Sparte von Bertolli an den US-Konzern ConAgra Foods und 2014 die nordamerikanischen Sauce- und Pastaaktivitäten für 2,15 Milliarden Dollar an das japanische Unternehmen Mizkan.

Auf Nachfrage des stern wie viel Italien in den Bertolli-Produkten eigentlich noch steckt, antwortet Unilever ausweichend: Die Produkte werden "an verschiedenen Standorten hergestellt" wegen der "optimalen Auslastung" ihrer Werke. Unilever kann aber über die Informationen auf der Verpackung hinausgehend, "keine weiteren Informationen geben, wo zum Beispiel einzelne Produkte gefertigt werden oder aus welcher Herkunft bestimmte Rohstoffe bezogen werden". 

Bertolli ist mittlerweile eine Dachmarke geworden für die verschiedensten Produkte - und wie es scheint auch aus den verschiedensten Ländern. Italienisch ist vor allem noch der Name - und die Geschichte.

Nachtrag: DeOleo hat sich nach Veröffentlichung des Artikels bei der stern-Redaktion gemeldet, um zu betonen, dass das Bertolli-Olivenöl in Tavernelle (Italien) gemischt und abgefüllt wird. Dafür wird Olivenöl aus Italien, Spanien, Griechenland und Portugal  getestet und nur das Öl bezogen, dass den Qualitätsstandards entspricht.

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