HOME

Geschmack: Warum Sie "Billig-Kaffee" vergessen sollten

Der Verbraucher möchte, dass sein Lieblingskaffee idealerweise immer gleich schmeckt. Da dies nicht immer geht, die Industrie aber auf Biegen und Brechen genau das versucht, leidet vor allem eins – die Qualität des Kaffees.

Von Ann-Christin Baßin

Kaffee

Wer auf immer gleichen Kaffee-Geschmack besteht, könnte billiges Zeug konsumieren

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, daher möchten sich die meisten eine gewisse Routine beibehalten. Beispielsweise die tägliche Tasse Kaffee. Der Kaffee dafür kommt meist aus dem Supermarkt oder Discounter, produziert von Großröstereien, also Industriekaffees. Aber wehe, der Kaffee ändert sich im Geschmack, der muss immer gleich bleiben. Schließlich ist man nur den einen monotonen Geschmack gewöhnt. Darunter leidet aber vor allem eins – die Qualität.

Heutzutage verbinden die meisten Menschen Kaffee mit dem südamerikanischen Kontinent, denn das größte Anbauland ist Brasilien. Dort werden 30% der gesamten Welternte produziert. Danach folgen Vietnam, Kolumbien, Indonesien und unser Heimatland Äthiopien. Hauptabnehmerländer sind die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.

Verbraucher will, dass Kaffee immer gleich schmeckt

Die meisten Industriekaffees sind eine Mischung von verschiedenen Kaffeesorten, denn Verbraucher wollen, dass ihr Kaffee möglichst immer gleich schmeckt. Doch die Ernten fallen unterschiedlich aus, zudem sind manche Sorten aktuell günstiger als andere. Daraus "komponieren" Hersteller dann einen Kaffee – ähnlich wie eine Cuvée beim Wein – damit ein gleichförmiges Produkt entsteht.

Auch wenn ein großer Teil minderwertiger Kaffees in den Supermarktregalen liegt und durch unreife oder überreife Robusta- und Arabicabohnen nur eine durchschnittliche Qualität aufweist, gibt es immer noch Spitzenkaffees, die von Hand verlesen sind und anschließend langsam in der Sonne getrocknet werden.

Die Mehrheit der Deutschen genießt Filterkaffee (63,3%), Espresso bevorzugen lediglich 13,2%. Doch der kleine, starke und schwarze Muntermacher gewinnt immer mehr Freunde.

Kulinarisches Rätsel: Hätten Sie's gewusst? So entsteht die Crema auf dem Espresso
Mahlen  Viele Aromastoffe sind flüchtig – daher der sensationelle Duft beim Mahlen. Espresso wird, wenn immer möglich, aus frisch gemahlenen Bohnen zubereitet. Dafür muss das Kaffeemehl (7 bis 11 g pro Tasse) sehr fein sein. So entsteht im Siebträger ein feinporigeres "Labyrinth" (Kaffeekuchen), durch das anschließend Wasserdampf geleitet wird. In den kleinen Poren kommt der Dampf intensiv mit dem Kaffee in Kontakt und löst die meisten Aromen.

Mahlen

Viele Aromastoffe sind flüchtig – daher der sensationelle Duft beim Mahlen. Espresso wird, wenn immer möglich, aus frisch gemahlenen Bohnen zubereitet. Dafür muss das Kaffeemehl (7 bis 11 g pro Tasse) sehr fein sein. So entsteht im Siebträger ein feinporigeres "Labyrinth" (Kaffeekuchen), durch das anschließend Wasserdampf geleitet wird. In den kleinen Poren kommt der Dampf intensiv mit dem Kaffee in Kontakt und löst die meisten Aromen.

Weltmeister im Export

Deutschland ist übrigens Weltmeister im Export von veredeltem Kaffee – und der Hamburger Hafen ist größter Umschlagplatz für Rohkaffee. Kaffeebohnen gehören zu den wichtigsten globalen Handelsgütern. Viele Superlative, von denen die Anbauländer allerdings wenig spüren. Denn die Früchte wachsen nur entlang des Äquators, in den Tropen und Subtropen, den sogenannten Schwellenländern. Die Armen bauen also den Kaffee für die Reichen an. Aktuell werden in 76 Anbauländern über 143 Millionen Säcke á 60 kg produziert. Dabei setzt sich der Kaffeepreis wie folgt zusammen:

  • 44,9% entfallen auf Frachtkosten, Steuern und Zoll
  • 23,7% entfallen auf den Einzelhandel                       
  • 17,1% gehen an die Händler und Röster
  • 8,5% erhalten die Plantagenbesitzer
  • 5,1% entsprechen dem Lohn der Arbeiter

Es gibt aber einen Trend, das Verbraucher vermehrt qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Kaffee kaufen. Laut aktueller Umfrage möchten rund 56 Prozent der Deutschen mit gutem Gewissen genießen, darunter mehr Frauen als Männer. Da geht doch noch was!