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Drei Euro extra Nach Preisexplosion: Ein Gastronom zieht die Reißleine und verlangt ab jetzt Eintritt für sein Restaurant

Gastronom verlangt eine Art Eintritt für sein Restaurant
Wer im Restaurant von Horst Ingendorn speisen möchte, muss erst einmal eine Pauschale von drei Euro bezahlen – eine Art Eintrittspreis. (Symbolbild)
© StockRocket / Getty Images
Wer derzeit ein Restaurant betreibt, muss gut rechnen können. Die Betriebskosten gehen durch die Decke. Um die Mehrkosten aufzufangen, knüpft ein Gastronom seinen Kunden nun ein Eintrittsgeld ab. 

Das Leben ist teuer geworden und wird immer teurer. Im März kletterte die Inflationsrate auf 7,3 Prozent. So hoch wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr. Jeder Lebensmitteleinkauf ist ein Schlag ins Kontor. Tomaten werden inzwischen für horrende Preise feilgeboten, manches Speiseöl ist gar Mangelware geworden. Dazu kommen die steigenden Energiekosten. Das spüren auch die Gastronomen, die ihr Angebot verteuern müssten, um die Mehrkosten auszugleichen. Doch anstelle die Preise für die einzelnen Gerichte nach oben zu schrauben, setzt ein Restaurantbesitzer aus Nordrhein-Westfalen jetzt auf eine eher ungewöhnliche Strategie: Wer in seinem Lokal essen möchte, muss Eintritt bezahlen. 

Er hätte, sagt er, gerne vermieden, die Preise anzuheben, doch es sei ihm kein anderer Weg geblieben. "Weil ich ständig einkaufe und bestelle, bin ich nah dran an den Preisen und merke, wie das jetzt täglich ansteigt", erzählte Horst Ingendorn dem "WDR". Er rechnet vor, dass die Preise für Gemüse um 30 Prozent, Fleisch um bis zu 50 Prozent und Frittierfett um über 100 Prozent gestiegen sei. Von den Energiepreisen ganz zu Schweigen – plus 2000 Prozent. "Und dann habe ich irgendwann die Reißleine gezogen und gesagt, wir müssen jetzt irgendwas machen", so der Gastronom. Weil er aber die Karte nicht ändern wollte, habe er sich für das Modell Pauschalaufschlag entschieden. Seit knapp vier Wochen müssen bei ihm alle Gäste, die dort essen möchten, pauschal drei Euro extra zahlen, Kinder ausgenommen.

Eintrittspreise für Restaurant: Gäste zeigen Verständnis

Eine ungewöhnliche Entscheidung. "Das Phänomen, dass jemand ein Eintrittsgeld nimmt, das höre ich jetzt tatsächlich zum ersten Mal", sagte Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), dem Sender. In Clubs und Diskotheken kenne man das, aus dem Ausland möglicherweise auch, aber hierzulande habe er so etwas noch nicht gehört. Hellwig geht auch nicht davon aus, dass der Versuch des Ratinger Gastronomen weitere Kreise ziehen wird, andere Gastronomen flächendeckend mitziehen. 

Ob Ingendorn mit seiner Idee den richtigen Riecher hatte oder er doch auch noch an den Preisen auf der Karte drehen muss, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Gewinn mache er laut eigener Aussage mit der Pauschale jedenfalls nicht. Er bezeichnet die zusätzlichen drei Euro eher als Schadensbegrenzung, verweist auf die harten Corona-Monate und Personal, das teuer zurückgeholt werden musste. Er versuche die Preise so moderat wie möglich zu halten, um den Leuten nicht die Freude am Ausgehen zu nehmen. Bisher, sagt er, hätten die Gäste Verständnis für die Maßnahme gezeigt: "Ich denke, dass diese Offenheit oder Ehrlichkeit, das so rüberzubringen, eigentlich ganz gut ankommt."

tpo

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