HOME

Beauty Food: Richtig schön essen

"Beauty Food" heißt der neueste Trend auf dem Kosmetikmarkt - stern-Redakteur Kester Schlenz hat Lebensmittel probiert, die hübsch machen sollen.

Von Kester Schlenz

Neulich beim Frühstück hatte ich mich etwas mit Marmelade bekleckert. Während ich den Brotaufstrich mit einer Serviette von meinem Hemd wischte, murmelte ich: "Mann, ich sehe heute wieder aus wie Sau." Meine Frau blickte von ihrer Zeitung hoch, nickte und sagte: "Und bekleckert hast du dich auch."

Da kam ich doch ins Grübeln. Musste ich etwas für mein Äußeres tun? Die vermeintliche Rettung kam von den Kolleginnen des stern-Ressorts "Style". Die erzählten mir von einem neuen Trend namens "Beauty Food". Die Methode klingt verblüffend einfach: Man isst und trinkt irgendwelche Sachen und soll dann praktisch wie neu aussehen. Cool! Ich erklärte mich sofort bereit, Produkte dieses Beauty-Food-Trends einmal am eigenen Leibe auszuprobieren.

Von Beauty-Bären bis Wellness-Pralinen

Aber kann man sich wirklich schöner fressen? Genauer gesagt: Konnte ich das? Nun, angesichts der in den Beipackzetteln erwähnten Zeitspannen (oft mehrere Monate) wurde mir klar, dass dies eine seriöse Langzeitstudie klären müsste. Die Zeit haben wir nicht. Aber ich aß und trank wochenlang reichlich Beauty Food und kann ja mal erzählen, was es alles so an Schönheitssnacks gibt und wie das Zeug schmeckt: Gleich ins Auge fielen mir die "Beauty Bären" von "Weko Pharma". Die werden mit dem Slogan "Denn wahre Schönheit kommt vom Naschen" beworben. Eine verlockende, aber gewagte These. Denn die gelblichen Bären enthalten kariesfreundlichen Zucker - aber auch den Saft der mördergesunden Aloe-vera-Pflanze sowie fünf Prozent reinen Yukatan-Honig, was immer an dem so toll sein mag. Und der Geschmack? Nun ja: einen Hauch zu langweilig. Mein Tipp: setzt Zitronensaft zu, Leute. Dann hat das Zeug noch mehr Soul.

Auch die Hamburger Firma "Andersen" bietet gesundes Naschen, nämlich "Vital- und Wellness-Pralinen" mit "Anti-Aging- Effekt". Sie heißen wohlklingend "Caleo" und "Felice" und sehen wirklich lecker aus. Und wie unterscheiden die sich nun vom herkömmlichen Hüftgold aus der Confiserie? Der Werbeprospekt erwähnt einen besonders hohen Kakaoanteil, Sojamilch, reines Fruchtpüree sowie den bewussten Verzicht auf "tierische Fette, Konservierungsstoffe und Zucker". Doof nur, dass auf der Packung von "Felice" unter Zutaten auch Zucker genannt wird. Herrschaften, euer Zeugs schmeckt echt klasse - aber verarschen kann ich mich alleine.

Man kann Beauty Food auch trinken

Darauf erst einmal einen heben! Denn man kann "Beauty Food" auch trinken. Madame Daniele de Winter aus Monaco etwa bietet gleißend gesunde Säfte an. Sie heißen etwas martialisch "Shotbeauté 1 und 2". Beide Drinks enthalten jede Menge natürlicher Zutaten aus Früchten und Pflanzen und außerdem Enzyme, Proteine und allerlei exotisch klingende Dinge wie "Alpha- Lipon-Säure". Man soll sich die - wirklich wohlschmeckenden - Säfte jeden Morgen und Abend reinpfeifen; nach sechs Wochen sei man dann auf der Hautoberfläche beträchtlich spannkräftiger - das möglicherweise vorher prall gefüllte Portemonnaie dürfte allerdings bei einem Flaschenpreis von 6,40 Euro (250ml) deutlich erschlafft sein.

Auch die Firma "Parmalux" wirbt für Flüssiges, mit dem man sich schöntrinken soll, und zwar für das Produkt "Collalift". Ich kannte das nur umgekehrt - also dass man sich auf einer Feier jemand anderen schönsäuft. Aber so rum ist ja auch nett. Bei "Collalift" handelt es sich um trinkbares Collagen zum Aufpolstern von Falten. Das Collagen, verpackt in kleinen Tütchen, wird in Wasser, Milch oder Fruchtsaft aufgelöst und soll nach 42 Tagen einen "sichtbaren Verjüngungseffekt" zeigen. Das ist mal eine klare, mutige Ansage. Etwas bescheidener kommt da das "Beauty Water" der Firma "Henniez" daher. Deren "reinstes Schweizer Quellwasser", angereichert mit "CoEnzym Q 10 und Vitamin E", soll vor vorzeitiger Haut- und Organalterung schützen, freie Radikale bekämpfen und das Wohlbefinden steigern. Es schmeckt okay, hat aber einen leichten Hautgout nach Medizin im Abgang. Dass man nach 42 Tagen wieder wie ein Konfirmand aussieht, wird nicht behauptet.

Beauty Food zum Frühstück

"Pimp my Joghurt". Dies könnte der Werbeslogan der Firma Danone für ihr Beauty-Food- Produkt "Essensis" sein. Es handelt sich hier um eine aufgemotzte Milchspeise, die "Borretschöl, Grünteeextrakt, Vitamin E sowie Anti-Oxidantien" enthält und in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich ist. Auch "Essensis" soll von innen heraus fit und ansehnlich machen. Ich löffelte den Joghurt mehrfach zum Frühstück und hatte geschmacklich keine Einwände.

Fürs morgendliche Mahl gibt es nun außerdem auch eine Beauty-Konfitüre. Die kommt aus Frankreich, heißt "Norélift", schmeckt recht ordentlich und fungiert als "Hautstraffungs-Marmelade". Enthalten sind wieder unsere guten alten Anti-Oxidantien, Fruchtmark und feuchtigkeitsspendende Stoffe. Beworben wird der Aufstrich als "wahrhafte Revolution auf einem kleinen Löffel". Der wird in der Werbung von einer schmollmündigen Blondine wollüstig angestarrt. Da kommt das Baguette in Stimmung.

Fazit

Ich fasse zusammen: Beauty Food kommt zumeist sehr ambitioniert, oft im Medikamenten-Look daher, ist meist ganz "schön" teuer, geschmacklich fast immer in Ordnung und verspricht viel. Klar, gesunde, natürliche Zutaten können nicht schaden und sind sicher besser als Konservierungs- und Farbstoffe. Aber ob sie wirklich schöner machen, ist noch die Frage. Als ich Kollegen nach ein paar Wochen Beauty Food fragte, ob ich äußerlich nicht irgendwie besser als sonst rüberkäme, antwortete einer: "Jetzt, wo du's sagst: Du siehst weniger beschissen aus." Ist das ein Beweis? Ich meine nein. Vielleicht war es auch nur die gnädige Bürobeleuchtung.

print