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"Meine perfekte Ernährung": Warum sich diese Frau nicht nur vegan, sondern sogar roh-vegan ernährt

Sich vegan zu ernähren, ist schon eine große Herausforderung. Aber dann auch noch roh? Die meisten würden keinen Tag durchhalten. Für Kirstin Knufmann ist roh-vegan eine Lebenseinstellung. Teil drei unserer Reihe "Meine perfekte Ernährung".

Kirstin Knufmann isst nicht nur vegan, sondern sogar roh-vegan

Kirstin Knufmann isst nicht nur vegan, sondern sogar roh-vegan

Kirstin Knufmann ist Veganerin – eine spezielle. Denn sie ernährt sich roh-vegan. Dass bedeutet, in ihrer Küche werden nur Produkte verarbeitet, die nicht vom Tier stammen, also kein Fleisch oder Fisch, keine Milchprodukte, keine Eier und auch nur Lebensmittel, die nicht über 45 Grad Celsius erhitzt wurden. Das soll funktionieren? Und wie! Das beweist Kirstin – seit acht Jahren isst sie roh-vegan. Und nicht nur sie, sondern auch ihre zweijährige Tochter – zumindest zum Teil – und ihr Mann, der sich aber als "Allesesser" bezeichnet.

Warum sich Kirstin Knufmann roh-vegan ernährt

Als Kirstin 15 Jahre alt war, hat sie für sich beschlossen Vegetarierin zu werden. Zwar hatte ihr Großvater einen Bauernhof, auf dem auch geschlachtet wurde, aber genau aus diesem Grund wusste sie, wenn sie nicht mal das Fleisch seiner Tiere essen konnte, dann wollte sie das aus dem Supermarkt erst recht nicht konsumieren. In ihrer blieb sie also Vegetarierin. Anfang zwanzig bekam sie jedoch eine Unverträglichkeit gegenüber Milchprodukten und Eiern und musste aus gesundheitlichen Gründen Veganerin werden. Kirstin ist gelernte Fotografin und war viel in den USA unterwegs, dort entdeckte sie in Bio-Supermärkten vegane Rohkost-Abteilungen für sich. Nach einigen Wochen Rohkost-Verzehr bemerkte sie plötzlich eine Veränderung: "Ich habe mich leichter, besser, leistungsfähiger und erholter gefühlt. Mein eigenes Körperbewusstsein hat sich sensibilisiert und mir genaue Signale gegeben, was er eigentlich wirklich braucht und was nicht."

Ab diesem Zeitpunkt ernährte sich die Fotografin, Kochbuchautorin ("Raw!") und Unternehmerin ("PureRaw" - Online-Shop für Rohkostprodukte) nicht mehr nur vegan, sondern sogar roh-vegan. Es gibt zwar auch Rohköstler, die Fleisch und Rohmilchprodukte konsumieren, aber überwiegend ernähren sich Rohköstler vegan.

Was isst man als veganer Rohköstler?

Eigentlich alles, was der Garten hergibt: Obst, Gemüse, Sprossen, Salate, Pilze und Beeren. Aber eben auch Algen (Makro- und Mikroalgen) und natürlich Superfoods und Pseudogetreide wie beispielsweise Quinoa und Amaranth. Kirstin greift meistens auf Pseudogetreide zurück, sie versucht glutenhaltige Produkte wie Weizen zu vermeiden. Roh bedeutet jedoch auch, dass die Lebensmittel nicht erhitzt werden dürfen. Es gibt zwar Ausnahmen, wie Edelhefen, die Käse-Geschmack simulieren, oder Nori-(Algen) und Reisblätter, die nicht roh sind, aber rund 99 Prozent der Lebensmittel werden roh konsumiert.

Ein klassisches Frühstück bei Kirstin Knufmann besteht aus gemixten Obstsorten, Saaten, ungesüßtem Kakao und frischen Basilikumblättern. Mittags isst sie gern etwas Frisches, meistens einen Salat mit etwas Cracker. Abends gibt es oft Zucchini-, Mairübchen oder Süßkartoffelnudeln mit einer Sauce, Meeresalgenpasta, Blumenkohlreis oder vegane Sushiröllchen. Zu besonderen Anlässen gibt es selbstgemachte, rohköstliche Kuchen oder eine Art Biskuitrolle, aber mit Chlorella-Algen-Creme und frischen Beeren.

Und was ist mit trinken?

"In erster Linie trinke ich frisches Quellwasser. Aber auch frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte sind lecker (zum Beispiel: Apfel/Fenchel, Apfel/Gurke/Basilikum oder Orange/Möhre/Ingwer). Kräuterwasser mit Zitrone oder Gurkenscheiben und ungesüßte Tees sind ebenfalls eine gute Option." Auf Alkohol und Kaffee verzichtet Kirstin komplett.

Wie zeitaufwendig ist es, sich roh-vegan zu ernähren?

Es dauert eine gewisse Zeit, bis man sich mit der rohen Ernährung eingespielt hat. Es gibt Gerichte, die innerhalb von Minuten zubereitet sind. Aber auch welche, die eine gewisse Planung voraussetzen. Beispielsweise Pizzaboden (aus gekeimten Buchweizen, Sonnenblumenkernen und Gemüse), Cracker oder Fruchtleder brauchen Zeit. Der Dörr-, also Trockenvorgang, nimmt meist zehn Stunden oder länger in Anspruch. Man kann also nicht einfach mittags entscheiden, abends Pizza zu machen. Kirstin Knufmann hat aber einen Tipp: Sie produziert einmal im Monat in größeren Mengen Pizzaboden, Cracker oder Fruchtleder vor, dann kann sie bei Bedarf darauf zu greifen.

Bei Fruchtleder handelt es sich um püriertes, getrocknetes Obst, das für Süßspeisen und Snacks verwendet werden kann. Und das Beste daran ist, Pizzaboden, Cracker und Fruchtleder halten sich einige Monate. Wer nicht so viel Zeit investieren möchte, der kann sich eine schnelle Pasta aus Zucchini machen und darüber eine pürierte Tomatensauce geben. Selbstverständlich alles unter 45 Grad Celsius.

Welche Küchengeräte braucht man für diese Art der Ernährung?

"Eigentlich braucht man gar keine Geräte. Aber ich würde nicht mehr auf meinen Mixer verzichten wollen", sagt Kirstin."Der läuft mittlerweile täglich bei uns. Morgens für den Smoothie, abends für eine Sauce oder Blumenkohlreis." Sehr nützlich soll außerdem ein V-Hobel sein, damit kann man sich sehr viel Zeit sparen. Überlegen sollte man sich jedoch genau, ob man einen Dörrautomaten braucht oder nicht. Man kann zu Beginn auch im Backofen dörren.

Wie hoch sind die Ausgaben bei einer roh-veganen Ernährung?

kann sehr teuer werden, vor allem in der Erstanschaffung. Beispielsweise Geräte wie ein Hochleistungsmixer. Auch exotische Produkte sind erst einmal teurer als regionale, saisonale Produkte. Nach einer gewissen Zeit pendelt sich das ein, denn wer sich bewusst ernährt, setzt hochwertige Lebensmittel in geringeren Mengen ein und liegt somit deutlich günstiger, als bei einer herkömmlichen Ernährung. Wer auf eine regionale und saisonale Ernährung setzt und selbst anbaut oder erntet, kommt auch mit einem kleinen Budget aus. Allerdings sollte auch hier immer auf die Qualität der Lebensmittel Wert gelegt werden.

Gab es Rückfälle?

Kirstin Knufmann ernährt sich mittlerweile seit acht Jahren roh-vegan. Wirkliche Rückfälle gab es bei ihr nie, aber Ausnahmen. "Wenn ich immer mal wieder an ein bestimmtes Gericht denke, dann gönne ich es mir auch und probiere es aus. Dabei achte ich darauf, dass es trotz allem vegan bleibt." Auch in der Schwangerschaft mit ihrer Tochter machte Kirstin Ausnahmen. In den ersten Monaten konnte sie nichts Grünes und kaum rohes Gemüse essen und musste es dünsten. Auch jetzt isst sie immer mal wieder etwas Gekochtes. Zu gut 90 Prozent ernährt sich Kirstin roh-vegan.

Wie isst die zweijährige Tochter?

"Ich habe meine Tochter fast 15 Monate gestillt. Jetzt geht sie in die Kita und wir haben ihr natürlich unsere Ernährung mitgegeben. Aber sie ernährt sich nicht zu 100 Prozent roh-vegan", sagt Kirstin,"Sie geht in einen regulären Kindergarten. Ich bin da auch in der Zwickmühle, weil ich nicht allzu dogmatisch sein möchte. Sie soll die Basis von zu Hause mitbekommen, aber sie darf natürlich auch bei einem Kindergeburtstag Kuchen mit Milchprodukten essen. Die soziale Komponente ist ungemein wichtig. Fleischprodukte schließe ich jedoch auch hier aus. Das Mittagessen in der Kita ist vegan."

Was sagt das soziale Umfeld?

"Zu Beginn - als Veganerin - hat mich meine Familie sehr unterstützt. Da ich schließlich eine Unverträglichkeit auf Milchprodukte und Eier entwickelt hatte. Mein Veganismus wurde akzeptiert. Als ich auf roh-vegan umstellte, erntete ich schräge Blicke. Aber mittlerweile gibt es keine Probleme mehr."

Was sagen die Ärzte?

"Ich habe einige Male bereits ein großes Blutbild machen lassen. Es war immer alles in Ordnung", sagt Kirstin. Als Kirstin schwanger war, war sie ständig unter Beobachtung. Auch weil sich die Ärzte zu Beginn Sorgen machten. Vor allem Veganer leiden oft unter Vitamin-B12-Mangel und führen dieses als Nahrungsergänzungsmittel zu. Kirstin tut das nicht. Sie zieht das von ihr benötigte Vitamin-B12 nur aus der Chlorella-Alge, die ein guter Spender sein soll. Mangelerscheinungen hat sie nicht. Auch die Ärzte waren nach der Schwangerschaft erstaunt, wie gut die Blutwerte von Kirstin tatsächlich waren.

Fazit

"Für mich persönlich ist roh-vegan die perfekte Ernährung. Aber 100 Prozent roh-vegan ist nicht für jeden etwas. Man sollte immer auf seinen Körper hören, was für einen persönlich gut ist. Ein hoher Rohkost-Anteil ist jedoch für jeden gut. Man entdeckt schnell ein unglaublich gutes Körpergefühl und neue Genusswelten."

Lesen Sie hier auch die anderen Teile der Reihe "Meine perfekte Ernährung":

Teil 1: Warum diese Frau auf Zucker verzichtet

Teil 2: Darum ist vegan die perfekte Ernährung

Teil 3: Warum sich diese Frau nicht nur vegan, sondern sogar roh-vegan ernährt

Teil 4: Warum Paleo der Start in eine optimale Ernährung ist

Teil 5: Clean Eating ist der coole Weg, gesund zu leben

Teil 6: Intuitiv essen – warum diese Frau keine Diäten mehr macht

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