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US-Bierbrauer: Amerikaner boykottieren "Samuel Adams" - der Grund ist absurd

Viele Amerikaner rufen auf Twitter zum Boykott von "Samuel Adams" auf. Das hängt mit einem Treffen von Brauerei-Chef Jan Koch und US-Präsident Donald Trump zusammen.

Bier der Bostoner Brauerei Samuel Adams

Bier der Bostoner Brauerei Samuel Adams

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Das Schöne am Alkohol ist ja: Man kann eine Meinungsverschiedenheit haben, sich heftig fetzen und politische Differenzen austragen – doch bei einem Glas ist alles vergessen. Schwierig wird es, wenn man an die Biersorte nicht nur geschmackliche, sondern auch politisch-moralische Ansprüche stellt. Dann kann es absurd werden - wie ein aktuelles Beispiel aus den USA zeigt. 

In der zersplitterten politischen Landschaft der Vereinigten Staaten muss man dazu gar nicht unbedingt die "falsche" Partei unterstützen. Es reicht schon, wenn man ein falsches Lob ausspricht - selbst wenn man die politische Maßnahme für richtig hält.

Jim Koch, Chef der Boston Beer Company

Das ist Jim Koch passiert, dem Mitgründer und Chef der Boston Beer Company, die das beliebte "Samuel Adams" brauen. Der hatte es gewagt, Donald Trump für seine Steuerreform zu loben. Bei einem Treffen im Trump National Golf Club in Bedminster, New Jersey, sagte Koch dem US-Präsidenten, dass die 2017 beschlossenen Steuersenkungen die Wettbewerbsfähigkeit der Boston Beer Company festige und die Produkte damit gegen ausländische Mitbewerber stärke. Wie sich den vom Weißen Haus veröffentlichten Protokollen entnehmen lässt, übertrieb Koch dabei massiv. Bevor er begonnen habe zu brauen, sei amerikanisches Bier "ein Witz" gewesen, heute sei es das beste der Welt. Er kündigte auch an, er werde die ausländische Konkurrenz "in den Hintern treten". 

Doch er hat gute Gründe für sein Lob von Trumps Maßnahme: 85 Prozent des in den USA hergestellten Biers stammt noch immer von Brauereien, die in Besitz ausländischer Konzerne sind. Während etwa die Marktführer "Budweiser" und "Miller" beide zu dem internationalen Konglomerat Anheuer Busch Inbev gehören, hat "Samuel Adams" als eine der bekanntesten Marken von einer amerikanischen Brauerei einen Marktanteil von nur zwei Prozent. 

Craft Beer bleibt ein Nischenprodukt

Während viele Europäer glauben, die viel beschriebene Craft Beer Revolution in den USA habe dazu geführt, die Gewichte im Markt dauerhaft zu verschieben, so sieht die Realität wohl anders aus: Laut "Statista" kam das Craft-Beer-Segment im Jahr auf einen Absatzanteil von gerade mal 12,3 Prozent in den USA.

Jim Koch verspricht sich von der Trump'schen Steuerreform, dass sich die einheimischen Brauereien künftig besser im Markt behaupten können. Denn bisher mussten Brauer wie Koch einen Steuersatz von 38 Prozent zahlen - während ausländische Konzerne mit 20 Prozent deutlich günstiger wegkamen. 

Eigentlich hat Jim Koch bei dem Treffen am 7. August nur seine Interessen als einheimischer Brauer formuliert. Dass es mehr nicht war, lässt sich in dem oben erwähnten Protokoll des Weißen Hauses nachlesen. Doch das reichte jedoch schon aus, um einen Shitstorm zu produzieren. 

Wäre ein Boykott auch in Deutschland möglich?

Unter dem Hashtag "#boycottSamAdamsBeer" rufen empörte Trump-Gegner dazu auf, das Bier der Boston Beer Company zu boykottieren. Zu den Unterstützern des Boykotts zählt auch der demokratische Politiker Joseph Curtatone, der sich in einem Tweet direkt an Jim Koch wandte: "Während Sie Trump für ihre Steuererleicherung gedankt haben, haben Sie vielleicht auch irgendwelche Sorgen um Familien zum Ausdruck gebracht, die unter seiner grausamen und unmenschlichen Einwanderungspolitik getrennt werden?"

Viele Twitter-User weisen auch darauf hin, dass der Namenspatron der Biermarke, Samuel Adams, ein Revolutionär war und im Unabhängigkeitskrieg für die Freiheit Amerikas gekämpft hat - er würde doch niemals Trumps Politik gut heißen.

Von einer solchen politischen Aufladung des Biergenusses sind wir in Deutschland glücklicherweise noch weit entfernt. Grund zur Sorge gibt es aber auch hier: Boykottaufrufe gegen Astra wegen einer nach Ansicht mancher rassistischen Werbung gibt es auch hier. 

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