Die Vertreter der Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele gehen mit großer Zuversicht in die letzte Etappe der nationalen Entscheidung. „Unser Konzept beruft sich auf Nachhaltigkeit, über Nutzung vorhandener Bauten“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei der Vorstellung des Konzeptes „Berlin +“ im Lichthof im Haus des Deutschen Sports im Olympiapark. „Es werden Spiele der kurzen Anfahrtswege. Morgens segeln in Rostock, abends Medaillenvergabe am Brandenburger Tor. Deshalb ist unser Konzept einzigartig und unterscheidet sich von NRW und Bayern.“
Berlin bewirbt sich mit Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg um die nationale Zustimmung. Daneben liegen noch München und die Rhein-Ruhr-Region mit der Metropole Köln im Rennen um die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044. Hamburg war am Sonntag nach dem negativen Bürgerentscheid aus der Bewerbung ausgestiegen.
Am Donnerstag muss das Konzept digital beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht werden. Auf der Mitgliederversammlung des DOSB am 26. September wird über den nationalen Vertreter entschieden.
4,8 Milliarden Euro für das Durchführungsbudget
Berlin baut mit seinem Konzept auf 97 Prozent der vorhandenen Sportstätten auf. Drei Budgets stehen dabei zur Verfügung. 4,8 Milliarden Euro sind im reinen Durchführungsbudget vorgesehen. Mit Einnahmen über 5,2 Milliarden Euro wird gerechnet. 1,6 Milliarden werden für das Infrastrukturbudget eingerechnet, ein offener Posten bleibt das Sicherheitsbudget.
„Die finanziellen Rahmenbedingungen sind transparent und solide“, sagte der Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand, „wir haben Puffer eingebaut in die Zahlen, damit wir sie entsprechend anpassen können.“
Kreuzfahrtschiff in Rostock als Teil des Olympischen Dorfes
Neben Berlin werden Wettbewerbe in den Partner-Bundesländern ausgetragen. In Brandenburg stehen unter anderem die Regattastrecke auf dem Beetzsee ebenso zur Verfügung wie die Golfanlage in Bad Saarow. In Cottbus wird Fußball gespielt, in Hoppegarten wird geschossen. In Sachsen wird auf der Messe Leipzig geritten, dazu entsteht ein neuer Kanupark.
Rostock-Warnemünde stellt das Segelrevier und lockt mit guten Sichtverhältnissen der Wettbewerbe vom Strand aus. „Warnemünde ist die Copacabana Deutschlands“, sagt Stefanie Drese (SPD), Sportministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Athleten sind laut Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) komfortabel untergebracht: „Ein Kreuzfahrtschiff im Hafen wird als Teil des Olympischen Dorfes fungieren.“
Olympia soll das „andere Deutschland“ zeigen
Angesichts der Zusammenarbeit der vier Bundesländer sehen die Vertreter das Konzept auch als Chance, den Zusammenhalt in Zeiten der Spaltungen vorzuleben. „Wir vollenden die Wiedervereinigung mit einem Gigaprojekt“, sagte Sachsens Sportminister Armin Schuster (CDU), „hier gab es ein Sommermärchen. Das war nur eine Etappe für das Märchen, das kommen wird.“ Und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) will mit „Berlin ins Rennen gehen, um das andere Deutschland zu zeigen.“
NOlympia mit Rückenwind nach Hamburgs Scheitern
Dagegen haben die Olympiagegner nach dem Scheitern der Hamburger Bewerbung neue Argumente für einen Rückzug der Hauptstadt. „Das klare Votum aus Hamburg zeigt, warum der Berliner Senat einen Volksentscheid fürchtet wie der Teufel das Weihwasser“, sagte Klara Schedlich, sportpolitische Sprecherin Bündnis90/Grüne, „Berlin sollte die Bewerbung jetzt zurückziehen und die Millionen in marode Sportanlagen stecken.“
Während in Bayern und NRW klare Voten für eine Olympiabewerbung durch die Bevölkerung erfolgten, sieht Schedlich Bürgermeister Wegner auf dem falschen Weg. „Es ist völlig abwegig zu glauben, Berlin hätte als einzige Bewerberin ohne unterstützenden Volksentscheid auch nur den Hauch einer Chance. Kai Wegner und die SPD haben sich verrannt.“
Die Politikerin, die auch der NOlympia-Bewegung angehört, fordert die Förderung des Schulsports und der Infrastruktur: „Weiteres Geldverbrennen muss nun ein Ende haben. In Berlin entfällt der Schulsport, weil Sporthallen marode sind, und Kinder können nicht schwimmen lernen, weil Schwimmbäder nicht genutzt werden können. Wir müssen jetzt umsteuern.“