Mit einer aufheulenden Waldarbeiter-Motorsäge und Trillerpfeifen haben demonstrierende Landesbeschäftigte vor dem Auftakt der Tarifrunde 2026 Druck gemacht. Die Gewerkschaften zeigten sich nach den Tarifgesprächen für die rund 58.000 Landesbeschäftigten in Hessen desillusioniert.
Mehrere hundert Arbeitnehmer etwa von Schulen, Polizei und Justiz hatten vor dem Innenministerium in Wiesbaden für höhere Entgelte demonstriert. Auf ihren Plakaten hieß es beispielsweise "Löhne rauf, sonst zahl' ich drauf" und "Schwarz kürzt Schulen kaputt. Nicht mit uns!"
Doch nach der ersten Gesprächsrunde hinter verschlossenen Türen im Innenministerium sprach der Deutsche Beamtenbund (dbb) in Hessen von einem "ernüchternden" Auftakt. dbb-Verhandlungsführer Andreas Hemsing mahnte: "Wir sollten davon wegkommen, Fortschritte und Entscheidungen vor allem in die Abschlussrunde zu packen."
"Heute noch kein konkretes Angebot"
Innenminister Roman Poseck (CDU) hatte als Verhandlungsführer des Landes schon vor dem Auftakt gesagt: "Es wird heute noch kein konkretes Angebot geben." Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte ihn nach der ersten Gesprächsrunde auf, "sich zu bewegen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen".
Christine Behle, Verhandlungsführerin der Dienstleistungsgesellschaft Verdi, bekräftigte die Forderungen der Arbeitnehmer: Sieben Prozent mehr Geld – mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Auszubildende sollen 200 Euro mehr im Monat bekommen. Weiter forderten die Gewerkschaften, das Weihnachtgeld auf ein Monatsgehalt zu erhöhen sowie nur ihren Mitgliedern einen Urlaubstag mehr zu gewähren. Die Gewerkschaften untermauerten ihre Forderungen mit dem Verweis auf Reallohnverluste früherer Jahre.
Behle betonte: "Im öffentlichen Dienst fehlen Tausende Stellen und ein großer Teil der Beschäftigten geht in den nächsten Jahren in Rente." Daher seien Investitionen in das Personal des Landes nötig. "Grade in einem Ballungsraumgebiet wie Hessen, wo es viele Firmen gibt, die deutlich mehr zahlen als der öffentliche Dienst, muss die Attraktivität gewahrt bleiben", mahnte die Verdi-Verhandlungsführerin. "Es geht um nichts Geringeres als die Handlungsfähigkeit des Staates."
Innenminister Poseck, der den Gewerkschaften vor mehreren Tagen schon einen "überzogenen Forderungskatalog" vorgehalten hatte, dankte zunächst den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes für ihre Arbeit. Sie seien "Stützpfeiler unseres Landes".
Das solle selbstverständlich auch in die Tarifvertragsverhandlungen einfließen, ergänzte Poseck. Zugleich betonte er Hessens Spardruck infolge der "schlechten wirtschaftlichen Entwicklung". Der Minister mahnte: "Wir können als Land das Geld auch nur einmal ausgeben."
Eine komplette Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen inklusive einer späteren Übertragung auf Beamte und Pensionäre würde das Land laut Poseck rund 1,6 Milliarden Euro im Haushalt 2026 kosten. Er sei gleichwohl zuversichtlich, dass "uns auch in diesem Jahr trotz der schwierigen Rahmenbedingungen am Ende ein tragbares Ergebnis gelingen wird".
Tarifabschluss Ende März?
Beide Seiten hoffen, dass die nun begonnenen Verhandlungen nach einer "Zwischenrunde auf Arbeitsebene" am 9. und 10. März bei weiteren Treffen am 26. und 27. März mit einem Tarifergebnis abgeschlossen werden können.
Hessen ist als einziges Bundesland nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und verhandelt daher eigenständig die Entgelte seiner Beschäftigten. Für den Bereich der TdL mit den 15 anderen Bundesländern wurde bereits ein Tarifabschluss erzielt. Insgesamt erhöhen sich die Entgelte dort um 5,8 Prozent in drei Schritten bis zum Jahresbeginn 2028.