Die als "Saftbahn" bekannte Bahnstrecke zwischen Bitterfeld, Zörbig und Stumsdorf könnte laut einer Machbarkeitsstudie reaktiviert werden. Eine vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie schätzt die Kosten der Reaktivierung und Elektrifizierung auf rund 130 Millionen Euro. Ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis habe sich für die Reaktivierung in Verbindung mit der stündlichen Verlängerung der S2 von Leipzig nach Köthen ergeben, teilte die Nahverkehrsgesellschaft Nasa mit. Nach Angaben des Fahrgastverbands Pro Bahn wäre es die erste Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke in Sachsen-Anhalt.
Die Strecke wird "Saftbahn" genannt, weil über sie landwirtschaftliche Produkte wie Zuckerrübensirup transportiert wurden.
Die Reaktivierung von Bahnstrecken sei eine Möglichkeit, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, sagte Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) bei der Vorstellung der Studie. Man setze auf das bestehende, bereits sehr dichte Streckennetz in Sachsen-Anhalt. Reaktivierungen könnten aber, sofern noch Infrastruktur vorhanden sei, wirtschaftlich sinnvoll sein. Dies ersetze aber nicht den Neubau, so Hüskens.
Projekt brächte 31.000 Menschen ans S-Bahn-Netz
Laut Nasa könnten bei der Umsetzung des Projekts rund 31.000 Menschen neu an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden. Sandersdorf, Zörbig und Köthen erhielten eine direkte Verbindung in die Metropolregion Leipzig und damit einen besseren Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungs- und Versorgungsangeboten. Die verbesserte Erreichbarkeit stärke zudem die Verflechtung mit dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum und steigere die Attraktivität der Kommunen als Wohn- und Unternehmensstandorte.
Gleichzeitig verbessere die direkte Schienenanbindung die Erreichbarkeit wichtiger Gewerbe- und Industriestandorte, so die Nahverkehrsgesellschaft. Darunter der Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen, das Industriegebiet Brehna sowie der Technologiepark Mitteldeutschland. Aber auch touristisch könnte die Region um den Großen Goitzschesee profitieren.
Fahrgastverband Pro Bahn: Sanierung und Neubau nicht vergessen
Der Personenverkehr auf der Strecke Bitterfeld Stumsdorf ist seit September 2002 ausgesetzt. Auf Betreiben der Stadt Zörbig wurde im August 2005 der Streckenabschnitt zwischen Bitterfeld und Zörbig zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen. Die Entwicklung der Region habe zunehmend aber auch mögliche Perspektiven für den Personenverkehr erkennen lassen, so die Nasa. Mit der Reaktivierung würden neue Verkehrsstationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig entstehen.
Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn sei eine Reaktivierung natürlich begrüßenswert. Darüber dürfe aber nicht der Neubau und die Sanierung von bestehenden Strecken vergessen werden.
Infrastrukturministerin Hüskens bezeichnete die Machbarkeitsstudie jetzt als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Reaktivierung. Nun müsse sich im Detail zeigen, ob das Vorhaben finanziert werden könne. Die Strecke wurde 1897 eröffnet und war vor allem für Berufspendler in das Kohle- und Chemierevier von Bitterfeld und Wolfen wichtig.