Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) will mit den Spitzenkandidaten Claudia Wittig und Thomas Schulze bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt antreten. "Zusammen bilden wir sehr gut die unterschiedlichen Gruppen ab, die wir ansprechen möchten: das jüngere, urbane Akademiker-Milieu und Menschen, die neu in der Politik sind, aus dem ländlichen Raum stammen, keinen akademischen Hintergrund haben, aber die tägliche Arbeit im Land leisten", sagte Wittig. Der BSW-Landesverband war erst im September 2024 gegründet worden und hat eigene Angaben nach derzeit rund 500 Mitglieder.
In Sachsen-Anhalt soll am 6. September ein neuer Landtag gewählt werden. Laut Umfragen schafft es das BSW knapp über die Fünf-Prozent-Hürde. Sven Schulze ist Spitzenkandidat der CDU. Er hatte sich Ende Januar zum Ministerpräsidenten wählen lassen, nachdem Amtsinhaber Reiner Haseloff (CDU) zurückgetreten war.
Die AfD wird im Wahlkampf von Ulrich Siegmund angeführt. In zwei Umfragen aus dem September und dem Oktober kam sie heran bis an die 40-Prozent-Marke und wurde damit als deutlich stärkste Kraft vor der CDU ausgewiesen.
Schulze: BSW wird nicht anderen die Mehrheit verschaffen
"Wir sind hier ein gespaltenes politisches Land", beschrieb Thomas Schulze die aktuelle politische Lage. Seine Partei trete an, um ihre eigenen politischen Ziele zu verwirklichen. "Wir werden uns nicht anderen Parteien anschließen, um Mehrheiten zu beschaffen", stellte der Landesparteivorsitzende klar. Eine Koalition mit der AfD schloss er aus. Seine Partei wolle dafür sorgen, dass wieder mehr Gerechtigkeit herrsche, sagte Schulze und verwies auf herrschende Kinderarmut, gefährdete Arbeitsplätze in der Chemie-Branche und die Schließung von Krankenhäusern im Land.
Die derzeitige Regierung habe in den vielen vergangenen Jahren verpasst, ihre heutigen Forderungen umzusetzen, ergänzte Wittig. Das BSW in Sachsen-Anhalt zeichne ihrer Meinung nach auch aus, dass viele Mitglieder im Land verwurzelt seien und nicht woanders herstammten. Dadurch sei eine "neue Perspektive auf den Osten" möglich. "Wir haben andere Ansätze, als immer nur das ewig Gleiche zu machen", sagte die 42-Jährige.
Er der Newcomer, sie die Erfahrene
Gemeinsam wollen Wittig und Schulze die Vielfältigkeit der Partei repräsentieren, bewusst Menschen abbilden und ansprechen, betonte Wittig außerdem. Die 42-Jährige wurde in Wittenberg geboren und wuchs in Jessen (Landkreis Wittenberg) auf. Anschließend studierte sie eigenen Angaben nach in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), war dann im Ausland tätig und arbeitet seit 2021 als Historikerin an der Universität in Halle. Wie sie sagte, ist sie seit 2023 beim BSW und derzeit auch Mitglied des Bundesvorstands der Partei.
Schulze hat gemeinsam mit John Lucas Dittrich den Vorsitz des BSW in Sachsen-Anhalt inne. Der 61-Jährige wurde eigenen Angaben nach in Merseburg geboren und wuchs in Leuna (Saalekreis) auf. Seit 1996 ist er als Beamter tätig, unter anderem war er Leiter der Vollzugsgeschäftsstelle der Justizvollzugsanstalt Burg. Ehrenamtlich war er zudem eigenen Angaben nach auch immer wieder für den Fußballverband Sachsen-Anhalt und den Deutschen Fußball-Bund im Einsatz. Schulze ist seit 2024 beim BSW. Bei der Vorstellung der Spitzenkandidaten bezeichnete er sich selbst als "Newcomer" in der Politik.