Pflege
Viele Sachsen sorgen sich um Pflege im Alter

Viele Menschen in Sachsen machen sich Sorgen um eine sichere Pflege im Alter (Symbolbild). Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Viele Menschen in Sachsen machen sich Sorgen um eine sichere Pflege im Alter (Symbolbild). Foto
© Sebastian Kahnert/dpa
Die Pflegeversicherung ist für viele Menschen selbst ein Pflegefall. Eine Befragung zeigt eine zunehmende Verunsicherung in der Bevölkerung. Deshalb fordern Krankenkassen ein Gegensteuern.

Viele Menschen in Sachsen sorgen sich um die Pflege im Alter. Nach einer Befragung der DAK-Gesundheit gibt es in der Bevölkerung einen großen Vertrauensverlust in die Pflegeversorgung. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten bewerten die Situation derzeit als nicht oder gar nicht gut, teilte die Krankenkasse mit. 43 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung in den nächsten zehn Jahren. 90 Prozent fordern, dass die Pflege in Deutschland für alle bezahlbar werden müsse. Hohe Kosten für die Pflege im Heim werden als ein zentrales Problem benannt. 

Kasse sieht große Verunsicherung in der Bevölkerung

"Unser DAK-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung in Sachsen", betonte DAK-Landeschef Stefan Wandel. Die Ergebnisse der Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach seien "ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern". "Das Vertrauen der Menschen in die Pflege muss gestärkt und die bekannten Probleme in der Finanzierung und Versorgung müssen gelöst werden. Wir brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturellen Neuausrichtung der Pflegeversicherung, die die Menschen in Sachsen ausreichend, verlässlich und bezahlbar absichert."

Wie im Bund sehen die Befragten auch in Sachsen die größten Probleme bei der Finanzierung: 73 Prozent nennen an erster Stelle die hohen Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege. Dahinter rangieren Personalmangel und fehlende Pflegekräfte (67 Prozent). Für 80 Prozent ist die Deckelung der Kosten für einen Platz im Pflegeheim wichtig, während sich 74 Prozent eine Vereinfachung des Leistungssystems wünschen. Die große Mehrheit (88 Prozent) der Befragten in Sachsen erlebt es als ungerecht, nach langjähriger Einzahlung in die Pflegeversicherung  nicht ausreichend abgesichert zu sein. 

Mehrheit fordert staatliche Zuschüsse zur finanziellen Absicherung

Um die Finanzierung der Pflegeversicherung zukunftssicher zu machen, sieht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen den Staat in der Pflicht: Mehr als die Hälfte der Befragten (60 Prozent) finden, es sei ausschließlich Sache des Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung, den Bedarf abzusichern. 58 Prozent vertreten die Meinung, dass Pflege mit staatlichen Zuschüssen oder Steuermitteln abzusichern ist. 47 Prozent halten eine Beitragserhöhung für vermögende oder gutverdienende Menschen für den richtigen Weg. Fast ebenso viele (43 Prozent) sind dafür, dass Vermögende im Pflegefall stärker an den Pflegekosten beteiligt werden. 

Zahl der Pflegebedürftigen hat stark zugenommen

Auch die Barmer stellte am Mittwoch Zahlen zur Pflege vor. Demnach nahm die Zahl Pflegebedürftiger seit 2017 von 183.300 Betroffenen auf 341.500 im vergangenen Jahr zu. Nach Darstellung der Krankenkasse ist aber nur ein geringer Teil mit der Demografie erklärbar. Haupttreiber sei die Ausweitung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit, die vor allem Menschen mit Demenz erstmals gleichberechtigt berücksichtige. Die Barmer fordert, Pflegeberufe attraktiver zu machen, um den wachsenden Personalbedarf zu decken. Pflege sollte für junge Leute ein Traumberuf sein, erklärte Barmer-Landeschefin Claudia Beutmann.

dpa