VG-Wort Pixel

Ebola-Ausbruch in Afrika Kann das gefährliche Virus auch zu uns gelangen?


Der Ebola-Verdachtsfall in Kanada hat sich nicht bestätigt. Doch in Afrika breitet sich das hoch ansteckende Virus weiter aus. Wie groß ist die Gefahr, dass der Erreger nach Deutschland gelangt?
Von Lea Wolz

Entwarnung aus Kanada: Der Mann, der mit Verdacht auf eine Ebola-Infektion in einem Krankenhaus behandelt wurde, hat sich nicht mit dem gefährlichen Virus infiziert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge waren die Labortests negativ. Auch ein Sprecher des kanadischen Gesundheitsministeriums bestätigte dies.

In Afrika breitet sich das Virus, das zu den gefährlichsten Erregern weltweit gehört, unterdessen weiter aus: Im westafrikanischen Guinea sind bei einem Ausbruch etwa 60 Menschen gestorben. Auch in den Nachbarländern Liberia und in Sierra Leone sind bereits erste Verdachtsfälle aufgetaucht.

Könnte das Ebola-Virus auch nach Europa und Deutschland gelangen? Und wie groß ist das Risiko, dass sich der Erreger rasant verbreitet? Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Kann das Virus auch nach Deutschland gelangen?

"Möglich ist das. Das Risiko halte ich aber für äußerst gering", sagt Jakob Cramer, Leiter der Abteilung Klinische Forschung am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Das Institut hat ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe, dort darf an den gefährlichen Viren geforscht werden, zudem werden Verdachtsfälle dort untersucht.

"In den vergangenen Jahrzehnten sind nur wenige Ebola-Ausbrüche in Afrika aufgetreten", sagt Cramer. Nach Deutschland ist der gefährliche Erreger noch nicht gelangt. Um sich anzustecken, muss man engen Kontakt mit infizierten Tieren oder Menschen haben. "Den normalen Afrika-Reisenden, der nicht in Fledermaushöhlen vordringt oder in einer Ausbruchsregion an Tieren forscht, wird das nicht betreffen", sagt Cramer. Fledermäuse, Gorillas und Antilopen gelten alsTräger von Ebola-Viren.

Die gefährliche Erkrankung ist meldepflichtig, bis jetzt gibt es dem Robert-Koch-Institut zufolge keine Ebola-Fälle in Deutschland. In Europa ist dem Institut zufolge lediglich ein Fall des mit Ebola vergleichbaren Marburg-Virus aufgetreten: 2008 in den Niederlanden. Eine Touristin hatte sich in einer Fledermaushöhle in Afrika angesteckt. Fälle mit anderen Viren, die ähnliche Erkrankungen - das sogenannte hämorrhagische Fieber - hervorrufen, sind Cramer zufolge etwa im Jahr 2000 in Würzburg und in den achtziger Jahren in Berlin aufgetreten. Das Ebola-Virus kam bis jetzt ausschließlich in Afrika vor.

Warum ist das Ebola-Virus so gefährlich?

Das Virus verbreitet sich rasch im Körper und richtet in sehr kurzer Zeit große Schäden an. Es führt zu hohem Fieber, Organe wie Niere, Leber, Lunge und Herz werden schnell angegriffen. Dazu kommen innere und äußere Blutungen. Die Erkrankten leiden unter Durchfall, Erbrechen und Austrocknung Je nach Erreger verläuft die Krankheit laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich.

Der Erreger wurde zum ersten Mal 1976 nachgewiesen. Damals trat er in zwei Ausbrüchen im Sudan und im damaligen Zaire, dem heutigen Kongo gleichzeitig auf. Im Kongo fand der Ausbruch in der Nähe eines Dorfes am Ebola-Fluss statt. Daher hat der Erreger seinen Namen.

Wie steckt man sich an?

Menschen stecken sich oft bei infizierten Tieren an, etwa Affen oder Fledermäusen. Letztere bilden wohl auch das Reservoir der Erreger. Das Ebola-Virus verbreitet sich durch engen Kontakt mit erkrankten Menschen: Es wird über Blut und andere Körperflüssigkeiten weitergegeben. "Bei früheren Ausbrüchen in Afrika haben sich Menschen zum Beispiel bei Beerdigungsritualen infiziert, wenn sie etwa die Leichen von verstorbenen Angehörigen wuschen", sagt Cramer. Gefährdet sind auch Ärzte oder Krankenschwestern, die die Erkrankten behandeln. "Für Reisende besteht nur ein sehr geringes Infektionsrisiko", schreibt das Robert-Koch-Institut.

Warum gibt es keine Impfung oder Therapie?

"Ausbrüche mit dem Virus sind relativ selten, die Patienten versterben schnell", sagt Cramer. "Über die Entstehung der Krankheit weiß man daher noch wenig." Bis jetzt gibt es keine Impfung oder Therapie. Neue Therapieansätze haben zwar in Studien vielversprechende Ansätze gezeigt und Impfstoffe wurden bereits im Tierversuch getestet, doch bis sie erhältlich sind, kann es noch Jahre dauern, schreibt die WHO.

Die Gründe sieht Cramer zum einen darin, dass Ebola-Viren hochgefährlich sind. "Nur wenige Forschungsgruppen sind so ausgerüstet, dass sie daran arbeiten dürfen." Zum anderen ist es für die Pharmaindustrie wenig interessant, einen Impfstoff zu entwickeln. "Der Markt ist relativ klein", sagt Cramer.

Bei den Erkrankten werden die Symptome behandelt. Sie erhalten Flüssigkeit, Sauerstoff und Transfusionen.

Wie groß ist die Gefahr einer Epidemie?

"Ich bin über den Ausbruch natürlich erschrocken. Allerdings habe ich keine großen Sorgen, dass sich das Virus rasant weiter verbreitet", sagt Cramer. Der Grund: Die Viren sind zwar hoch gefährlich, sind aber wenig geeignet, eine Epidemie auszulösen. "Anders als etwa HI-Viren, die Infizierte jahrelang unbemerkt in sich tragen und weitergeben können, töten Ebola-Viren ihre Wirte schnell", erklärt der Mediziner. Aus Sicht des Virus ist das unklug, denn so beraubt es sich seiner Lebensgrundlage." Werden die Kranken rechtzeitig erkannt und isoliert behandelt, lasse sich ein Ausbruch innerhalb weniger Tage bis Wochen eindämmen, sagt Cramer.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker