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Falsch deklarierte Lasagne: Pferdefleisch gelangte nicht nach Deutschland

Briten, Franzosen und Schweden aßen in den vergangenen Wochen Pfedefleisch, ohne es zu ahnen. In Deutschland wurden die falsch deklarierten Fertiggerichte nach aktuellen Erkenntnissen nicht verkauft.

Der britische Tiefkühlproduzent Findus hat nach eigenen Angaben keine Burger oder Lasagne aus Pferdefleisch nach Deutschland geliefert. "Deutsche Verbraucher haben keine Findus-Produkte aus Pferdefleisch gegessen", sagte ein Unternehmenssprecher dem "Tagesspiegel".

Findus hatte in den vergangenen Tagen mehrere Tiefkühlgerichte in Großbritannien, Frankreich und Schweden vom Markt genommen. In Großbritannien hatten Tests ergeben, dass tiefgefrorene Lasagne Pferdefleisch und nicht wie auf der Verpackung angegeben Rindfleisch enthielt. Findus war vom französischen Produzenten Comigel beliefert worden. Nach Deutschland sei diese Ware aber nicht gekommen, sagte der Sprecher. Das Bundesverbraucherschutzministerium hatte am Montag mitgeteilt, es lägen "weder Erkenntnisse der deutschen Länderbehörden noch Hinweise aus anderen EU-Mitgliedstaaten" vor, dass als Rindfleisch ausgewiesene Tiefkühlprodukte mit Pferdefleisch auch in Deutschland auf den Markt gekommen seien.

Die Suche nach der Ursache der Affäre geht derweil weiter. Die EU soll sich am Mittwoch mit dem Thema beschäftigen. Zu einem entsprechenden informellen Treffen in Brüssel werde Irlands Landwirtschaftsminister Simon Coveney einladen, teilte die Regierung in Dublin mit. Irland hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Coveney wolle bei dem Treffen mit EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg und weiteren EU-Ministern die Auswirkungen der jüngsten Erkenntnisse über die Beimischungen von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten und mögliche Maßnahmen erörtern, hieß es.

Britischer Minister erwartet Kontrollen aller Produkte

Der britische Umweltminister Owen Paterson sagte am Montagabend vor dem Parlament in London, dass die "endgültige Ursache" des Problems noch nicht bekannt sei. Es gebe weitere Untersuchungen. Er bekräftigte erneut, dass möglicherweise kriminelle Machenschaften im Zentrum des Skandals stünden. Die Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA habe ihm versichert, dass die zurückgezogenen Produkte kein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung darstellten. Konsumenten allerdings, die das als Rindfleischlasagne deklarierte Produkt von Findus gekauft hätten, sollten es in das Geschäft zurückbringen, wo sie es gekauft hätten - als "Vorsichtsmaßnahme".

Paterson sagte, er habe Repräsentanten aller britischer Hersteller, Händler und Verteiler herbeigerufen und klar gemacht, dass er sofortige Tests erwarte. Er werde diese Woche weiteren Kontakt mit seinen europäischen Amtskollegen sowie mit der Lebensmittelindustrie suchen.

60 Prozent Pferdefleisch in der Lasagne

DNA-Tests der Supermarktkette Tesco zeigen, dass manche ihrer Spaghetti Bolognese bis zu 60 Prozent Pferdefleisch enthielten. Die Mahlzeit war vor einer Woche aus dem Verkauf genommen worden und kam aus derselben französischen Fabrik, aus der auch die Findus Rindfleisch-Lasagne stammte, die im Zentrum des Skandals steht.

Der Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch hatte vor rund einem Monat begonnen. Damals wurden Spuren von Pferdefleisch in Hamburgern gefunden, die in Großbritannien und Irland in Supermärkten verkauft wurden. Vergangene Woche zeigten Tests, dass auch Rindfleisch-Lasagne bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthielt. Erste Spuren führten zu französischen Produzenten, die Fleisch unter anderem aus Rumänien beziehen.

Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang der Betrug mit Pferdefleisch läuft. Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta sagte, Tests hätten ergeben, dass keine Firma auf rumänischem Gebiet Regeln der Europäischen Union gebrochen habe.

In Frankreich werden die Ergebnisse von Inspektionen bei Firmen dort bis Mitte der Woche erwartet. Die Lebensmittelverbände Ania und Interbev kündigten am Montag nach einem Treffen mit Kabinettsmitgliedern an, "Mittwoch oder Donnerstag" werde mehr Licht auf die Machenschaften fallen. In Paris war zuvor eine Ministerrunde der Regierung zusammengekommen.

anb/swd/AFP/DPA / DPA

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