Fünf Jahre BSE "Rindfleisch war noch nie so sicher wie jetzt"


Fleischskandale, Vogelgrippe, Rinderwahn - immer neue Hiobsbotschaften über Nahrungsmittel verunsichern die Verbraucher. Doch zumindest im Fall BSE scheint die größte Gefahr gebannt.

Seit Jahren sinken die Zahlen der positiv auf BSE getesteten Rinder, und ein Experte des Verbraucherschutzministeriums meint: "Was BSE angeht, war Rindfleisch noch nie so sicher wie jetzt." Erstmals dokumentiert aufgetreten war die Rinderseuche 1986 in Großbritannien. Qualvoll verendeten reihenweise Kühe, die zuvor nur noch torkelnd hatten laufen können und andere wesentliche Veränderungen des Verhaltens aufgewiesen hatten.

Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung in Zusammenhang mit Rinderwahn

Mit einem Paukenschlag an die breitere Öffentlichkeit kam die Seuche erst 1996: Britische Wissenschaftler erklärten in einer Studie, der Zusammenhang zwischen Rinderwahn und einer neuen, erstmals 1995 aufgetretenen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) beim Menschen sei wahrscheinlich. Damit begann die so genannte BSE-Krise, in deren Folge in Deutschland sogar mehrere Minister ihren Hut nehmen mussten. Bilder von großen Haufen brennender Rinder liefen über die Fernseher, und der Konsum von Rindfleisch ging allein in Deutschland nach dem ersten Auftreten von BSE um fast die Hälfte zurück.

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen versuchen die Regierungen der einzelnen Staaten wie auch die EU-Kommission seitdem, die Epidemie in den Griff zu bekommen, an der sich bislang fast 190.000 Rinder in der Europäischen Union angesteckt haben, davon mit rund 184.000 die weitaus meisten in Großbritannien.

Bauernverband lobt strikte Tests

Hauptursache der seuchenartigen Verbreitung von BSE war nach dem Stand der Wissenschaft die Verfütterung von BSE-infiziertem Tiermehl an erwachsene Rinder und von Milchaustauschern in der Kälberaufzucht, die BSE-infizierte Tierfette enthielten. Auf Grundlage dieser Erkenntnis ist seit 1. Januar 2001 EU-weit die Verfütterung solcher Stoffe verboten. Außerdem darf das so genannte Risikomaterial von Rindern, also Gehirn, Augen oder Rückenmark, nicht verwertet werden, und Schlachttiere müssen ab einem bestimmten Alter auf BSE getestet werden.

Während EU-weit die Altersgrenze bei 30 Monaten liegt und unter Umständen sogar angehoben werden soll, liegt sie in Deutschland bei 24 Monaten, erfasst also wesentlich mehr Tiere als in anderen Ländern. Dennoch waren 2005 bislang nur 29 der insgesamt rund 1,7 Millionen getesteten Rinder positiv, wie das Verbraucherschutzministerium mitteilte. 2001 und 2002 waren es jeweils mehr als 100 gewesen. Trotz der hohen Kosten von durchschnittlich 16 Euro pro Test, die nur zum Teil von Ländern und EU getragen werden, wollen auch die Landwirte an dem Verfahren festhalten. Wichtig sei, dass "das Vertrauen in das Rindfleisch dadurch zurückgewonnen wurde", sagt der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse.

Über eine mögliche Anhebung des Alters der getesteten Rinder möchte der Leiter des nationalen BSE-Referenz-Labors am bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems in Mecklenburg-Vorpommern, Martin Groschup, frühestens 2006 entscheiden. Ausgehend von 2001, als das Verfütterungsverbot von Tiermehl eingeführt wurde, wäre nämlich erst dann die derzeit angenommene Inkubationszeit von fünf Jahren für BSE abgelaufen. Sollten die Maßnahmen Deutschlands und der EU wirksam gegriffen haben, dürften dann keine Infektionen von nach 2001 geborenen Tieren mehr festgestellt werden.

Experte verweist auf extrem lange Inkubationszeit von Kuru

Zu der Gefahr für den Menschen, an der neuen CJD-Variante zu erkranken, verweist der Experte auf die derzeit eher stagnierenden, bis zurückgehenden Zahlen aus Großbritannien. Immerhin rund 175 Menschen weltweit sind laut Groschup seit 1995 erwiesener Maßen an vCJD gestorben, wie bei BSE auch hier mit mehr als 150 die weitaus meisten in Großbritannien. In Deutschland gab es noch keinen Fall der Krankheit. Die Wissenschaft geht inzwischen davon aus, dass diese CJD-Variante vom BSE-Erreger ausgelöst wird. In der Regel haben die Betroffenen infiziertes Rindfleisch gegessen.

Neuerdings sind aber auch zwei Fälle in Großbritannien bekannt geworden, in denen die Kranken über Blutspenden anderer vCJD-Infizierter angesteckt wurden. Ob mit dem Abebben der Zahlen in Großbritannien die Krankheit insgesamt auf dem Rückzug ist, vermag nach den Worten von Groschup derzeit niemand zu sagen: "Es scheint so, dass der Höhepunkt überschritten ist, aber es könnte eine zwei Welle kommen."

Als Beispiel für eine extrem lange Inkubationszeit einer Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung nennt der Fachmann die Krankheit Kuru. Bei einem Stamm Eingeborener in Papua-Neuguinea, die zu rituellen Zwecken Gehirne und Körperteile ihrer Verstorbenen aßen, waren im vergangenen Jahrhundert insgesamt rund 2.500 Menschen an der Krankheit gestorben. Bei diesen Ritualen hatten sich Lebende immer wieder neu an Toten angesteckt. Obwohl der Brauch schon 1958 verboten worden war, war erst 2004 der letzte Patient an Kuru erkrankt.

Angelika Bruder/AP


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