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Covid-19: Gesundheitsminister Spahn sieht Deutschland "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie"

Jens Spahn (CDU) erwartet eine deutlich stärkere Verbreitung des neuartigen Coronavirus in Deutschland. "Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland", sagte der Bundesgesundheitsminister.

Bundesgesundheitsminister: Spahn zu Coronavirus: Reisebeschränkungen nicht angemessen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie". Mit dem Bekanntwerden neuer Infektionsfälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg habe sich die Gesamtlage "leider" verändert, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. "Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht ergeben." Spahn rief die Bürger zu Wachsamkeit auf, warnte aber zugleich vor Panikmache.    

Am Abend wurde ein neuer Infektionsfall in Baden-Württemberg bekannt, damit stieg die Zahl der Infizierten dort auf vier. In Nordrhein-Westfalen waren am Mittwoch zwei Infektionsfälle bekannt. Die "neue Qualität" der Corona-Ausbreitung besteht nach Spahns Worten nun darin, dass die Infektionsketten zum Teil nicht mehr nachvollziehbar seien.    

"Wir empfehlen der Bevölkerung, nicht hinter jedem Husten eine Coronainfektion zu vermuten", sagte Spahn. Er fordere die Bürger aber ausdrücklich auf, "dass Sie Ihren Hausarzt anrufen und die Behandlung abklären, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Reisen in Gebiete, in denen Infektionen vorgekommen sind, Fieber, Husten oder Atemnot sich entwickeln - oder wenn Sie Kontakt hatten mit Personen, die in diesen Gebieten gewesen sind".    

Diesen Aufruf habe er am Mittwoch bei einem Krisentreffen mit Vertretern der Ärzteschaft, der Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken und Pflegeverbänden so abgesprochen, sagte Spahn. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass bei vorhandener Symptomatik oder bei Verdacht jetzt besser einmal mehr auf das Virus getestet wird als einmal zu wenig."     

Coronavirus: Infizierte in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen

In Baden-Württemberg wurde am Abend ein vierter Infektionsfall bekannt. Es handelt sich nach Ministeriumsangaben um einen 32-jährigen Mann aus dem Landkreis Rottweil, der im Risikogebiet in Italien war. Der Patient werde im Krankenhaus isoliert von anderen Patienten behandelt. Seine Ehefrau und sein Kind, die ebenfalls nach Italien gereist waren, würden zuhause isoliert. Am Dienstagabend war der erste Coronafall in Baden-Württemberg bekannt geworden.    

Besonders komplex war die Lage in Nordrhein-Westfalen. Dort führten die beiden Infektionen zu umfangreichen Maßnahmen, weil das Ehepaar "zwei Wochen am gesellschaftlichen Leben teilgenommen" habe, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Düsseldorf. Zahlreiche Kontaktpersonen müssten daher in häusliche Quarantäne. Hauptziel sei, die Infektionsketten zu unterbrechen, betonte Laumann.     

Die Frau sei Kindergärtnerin, weswegen alle Kinder aus dem Kindergarten sowie deren Eltern zu Hause bleiben müssen. Zudem habe das Ehepaar zwei eigene schulpflichtige Kinder, sagte Laumann weiter. Bislang zeigten diese noch keine Symptome.     

Spahn: Reisebeschränkungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig

Spahn forderte die Gesundheitsminister der Länder am Mittwoch auf, ihre Pandemiepläne "zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten". Es sei fraglich, ob die bisherige Strategie im Umgang mit dem Virus ausreiche. Am Donnerstag will Spahn gemeinsam mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) über die Einberufung eines Krisenstabs zum Coronavirus informieren.    

Reisebeschränkungen oder ein generelles Verbot von Großveranstaltungen halte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für verhältnismäßig, sagte Spahn. Mit den Ländern und den Gesundheitsverbänden sei er im Gespräch über Notfallmaßnahmen; so sei es "offenkundig absehbar", dass es in Europa und der Welt zu einer "Knappheit" an medizinischen Schutzanzügen kommen könnte. Denkbar sei, in Krankenhäusern "möglicherweise planbare Eingriffe zurückzustellen, um die Akutversorgung sicherzustellen".    

Italien ist aktuell mit zehn Todes- und mehr als 300 Ansteckungsfällen der größte europäische Infektionsherd mit dem neuartigen Coronavirus. In Deutschland wurden mehr als 20 Ansteckungsfälle nachgewiesen.

fs / AFP

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