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Profi ohne Corona-Impfung "Würden alle so handeln, kämen wir nie aus der Pandemie": So kommentieren Medien den Fall Kimmich

Ein junger weißer Mann mit blondem Seitenscheitel trägt das rot gemusterte Trikot des FC Bayern München
Joshau Kimmich hat am Wochenende gesagt, dass er noch nicht gegen Corona geimpft sei – und erntet dafür viel Kritik
© Adam Pretty / Getty Images
Bayern-Profi Joshua Kimmich sagt ins Mikro des TV-Senders "Sky", dass er nicht gegen Corona geimpft ist und Langzeitstudien abwarten will. Deutsche Medien kommentieren dieses Eingeständnis durchweg kritisch – aber aus unterschiedlichen Gründen.

Bayern-Profi Joshua Kimmich hat mit seiner Aussage, noch nicht gegen Corona geimpft zu sein, für einiges Aufsehen gesorgt. Denn immerhin hat er vor gut anderthalb Jahren die Kampagne "We kick Corona" mitbegründet. Dass seine Corona-Tests vom FC Bayern bezahlt werden kommt auch nicht gut an – immerhin verdient er angeblich bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr. Deutsche Medien kommentieren Joshua Kimmichs Impf-Eingeständnis aus unterschiedlichen Gründen kritisch:

"Badische Neueste Nachrichten" (Karlsruhe)

"Im März 2020 startete er die Aktion 'We Kick Corona', um Spenden für soziale Einrichtungen zu sammeln. Im Lichte von heute leistete sich Kimmich ein Eigentor. Er ist vereinnahmt. Die sogenannten Impfskeptiker werden fortan auf ihn als Promi-Anwalt ihrer Bedenken verweisen. Der Rest der Welt, soweit er Anteil nimmt und sich auf die Immunisierung als Akt der Vernunft und Pflicht gegenüber der Gesellschaft festgelegt hat, erregt sich über seine ignorante Ansicht zur wissenschaftlichen Lehrmeinung. Und die lautet, dass es keine Langzeitfolgen der Impfstoffe gibt."

"Nordbayerischer Kurier" (Bayreuth)

"Es besteht in Deutschland keine Impfpflicht. Es gibt jedoch eindeutige Empfehlungen der Wissenschaft und der Ständigen Impfkommission. Diese ignoriert Joshua Kimmich. Das ist in seinem Fall besonders fatal, denn Stars seiner Güteklasse sind Vorbilder für viele Menschen, sie setzen mit ihrer Impfung oder Nichtimpfung Zeichen. Kimmich täte gut daran zu zeigen, dass er nicht nur auf dem Platz einer ist, der nach einem Fehler alles daransetzt, diesen schnell wettzumachen. Auch das hätte Symbolwirkung: besser spät als nie."

"Rhein-Zeitung" (Koblenz)

"Kimmich gilt als reflektierter Fußballprofi, was ihn zusätzlich zu seinen großen sportlichen Qualitäten von so manchen Berufskollegen unterscheidet. Gleichwohl ist seine Argumentation, warum er sich bisher nicht hat impfen lassen, dünn. Seine Rolle als Vorbild hat zweifellos Risse bekommen. Kimmich will kein Impfgegner oder Corona-Leugner sein. Und er darf nicht automatisch mit dieser Bevölkerungsgruppe gleichgesetzt werden. Aber durch seine momentane Einstellung liefert er genau diesen Menschen Argumente. Ausgerechnet Joshua Kimmich."

"Spiegel Online"

"Warum darf man als Ungeimpfter zwar unten Fußball spielen, aber nicht oben auf der Tribüne sitzen? Weil man seiner Arbeit nachgeht? Es ist nahe liegend, dass wieder eine Diskussion darüber beginnen könnte, welche Sonderrechte und Privilegien Fußballer haben."

"Sportschau"

"Joshua Kimmich steht es selbstverständlich frei, sich in der Impffrage zu entscheiden, wie er will. Nur Schluss bitte mit Unsinn vor Mikrofonen zum Thema Langzeitstudien bei Impfstoffen. Vielleicht weiß es Kimmich auch einfach nicht besser. Nur dann stellt sich wieder die Eingangsfrage: Wer sagt es ihm?"

"Süddeutsche Zeitung"

"Vor allem aber nimmt Kimmich für sich etwas in Anspruch, was in den Sozialwissenschaften 'Trittbrettfahrerproblem' genannt wird. Er profitiert von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. Oder einfacher ausgedrückt: Würden alle so denken und handeln wie Kimmich, käme man als Gesellschaft nie aus der Pandemie heraus."

Volksstimme (Magdeburg)

"Bayern-Profi Joshua Kimmich hat mit seinem Eingeständnis, nicht gegen Corona geimpft zu sein, eine hitzige Debatte ausgelöst. Fest steht: Mit seiner Haltung wird der 26-Jährige, der enorm gereift ist, offen seine Meinung vertritt und schon als kommender Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gilt, seiner Vorbildfunktion nicht gerecht. Fakt ist aber auch, dass Kimmich kein klassischer Corona-Leugner oder Impf-Gegner ist. Seine Begründung, erst Langzeitstudien abwarten zu wollen, ist dennoch nur schwer nachvollziehbar. Denn Experten weisen wiederholt darauf hin, dass Nebenwirkungen, wenn überhaupt, innerhalb weniger Wochen nach einer Impfung auftreten, nicht erst nach Jahren. Daher gilt: Kimmich, der nicht zuletzt das Projekt 'WeKickCorona' ins Leben rief, sollte - wie vier weitere ungeimpfte Bayern-Profis auch - seine Meinung überdenken und sich impfen lassen. Es hätte zudem enorme Signalwirkung."

Karl-Heinz Rummenigge

"Welt"

"Ein kleiner Eiertanz war es schon, den der Bayernstar da im Interview vor dem Sky-Mikrophon hingelegt hat am Samstag. 'Es ist nicht so, dass ich ein Coronaleugner oder Impfgegner bin', sagte Kimmich, und alle Coronaleugner und Impfgegner könnten ihm dafür jetzt eigentlich gram sein - aber stattdessen applaudieren sie ihm in sozialen Kanälen wie einem Freiheitskämpfer.

Es ist für die Bundesliga eine heikle Debatte, und vor allem kommt sie zur Unzeit. Eigentlich war im Fußball die Rückkehr zur Normalität eingeplant, mit der Heimkehr der Fans und der Wiedergeburt der fröhlichen Folklore in den Stadien. Stattdessen nun das. Kimmich outet sich als Impfzweifler, und auf den Isolierstationen der Klubs stapeln sich die Infizierten."

Weitere Quellen: "Spiegel Online", "sportschau.de", "sueddeutsche.de", "Welt.de".

tkr DPA

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