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Magersucht und Bulimie: Problem: Ess-Störung

Wie Sie Magersucht und Bulimie erkennen und Ihrem Kind helfen können.

Die Angst sitzt mit am Tisch. Wenn das Kind in der Pubertät sein Essverhalten ändert, vermuten viele Eltern schnell einen psychisch auffälligen Hintergrund. Monika Gerlinghoff, Leiterin des Therapie-Centrums für Ess-Störungen (TCE) in München, gibt Entwarnung: "Nicht jedes Mädchen, das ein paar Pfund abgenommen hat, ist magersüchtig, und nicht jeder Jugendliche, der sich gelegentlich über die Maßen vollstopft, leidet an einer Bulimie".

Es sind die kleinen Zeichen, auf die die Eltern achten müssen: Erscheint Ihr Kind nicht mehr zu den gemeinsamen Mahlzeiten? Isst es extrem langsam, oder löffelt es selbst Flüssigkeiten? Lernt es Kalorientabellen auswendig, und sind Lebensmittel auffällig oft ein Thema?

Es kommt auch vor, dass magersüchtige Jugendliche plötzlich für die ganze Familie kochen wollen und versuchen, sie mit deftigen Zusätzen wie Butter, Öl oder Sahne zu "mästen".

Die Folgen einer Ess-Störung wirken sich nicht nur unmittelbar auf die Nahrungsaufnahme aus: Die Jugendlichen, meist außergewöhnlich ehrgeizig, leiden unter Konzentrationsstörungen, Depressionen, zunehmender Gereiztheit; sie ziehen sich von Freunden und Familie zurück und treiben übermäßig hartnäckig Sport, um Kalorien zu verbrauchen. Essgestörte klagen über Frieren und Schwindel, Völlegefühl, Übelkeit; bei Mädchen bleibt die Menstruation aus oder setzt erst gar nicht ein.

Dass sich schon Elfjährige intensiv mit ihrem Gewicht und Aussehen beschäftigen, belegt eine Studie des TCE mit knapp 800 Schülern: Rund die Hälfte der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen in diesem Alter sind mit ihrer Figur unzufrieden. Sie haben den dringenden Wunsch, dünner zu sein. Jedes Dritte der Kinder hat sogar schon eine Diät hinter sich.

Dies bedeute natürlich noch lange nicht, dass ihnen dadurch ein ernsthafter Schaden drohe, betont Essforscherin Gerlinghoff. Aber es bestehe durchaus das Risiko, dass eine solche Verhaltensauffälligkeit in eine Ess-Störung übergehe. Wenn die Krankheit ausgebrochen ist, sollten Eltern unbedingt medizinische und therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, rät Gerlinghoff: "Keinesfalls sollte man versuchen, das Problem im familiären Rahmen zu lösen."

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