Nigeria Vogelgrippe erstmals in Afrika ausgebrochen


Die Vogelgrippe hat Afrika erreicht. Betroffen sei eine Geflügelfarm in Nordnigeria, teilte die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE in Paris mit. Es wurde bereits Quarantäne eingerichtet.

Die nigerianischen Behörden hätten bereits eine Quarantäne verhängt und damit angefangen, infizierte Tiere zu vernichten. Der Zoologe Prof. Franz Bairlein hält eine Einschleppung der Seuche aus Afrika nach Westeuropa für möglich. Die Gefahr sei aber sehr gering, sagte der Leiter des Wilhelmshavener Instituts für Vogelforschung am Mittwoch der dpa. Unterdessen haben China und Hongkong neue Erkrankungen bei Vögeln gemeldet.

In Nigeria ist der Tiertransport innerhalb des Landes eingeschränkt worden. Zudem begannen Desinfektionen. Experten warnen davor, dass sich die Vogelgrippe in Afrika besonders schnell ausbreiten könnte, da Menschen und Tiere dort auf engem Raum miteinander leben. Viele Familien halten sich Hühner, die frei zwischen den Hütten umherlaufen.

Einschleppung durch Zugvögel möglich

Das OIE-Referenzlabor für Vogelgrippe in Padua (Italien) hatte den Erreger H5N1 auf der Geflügelfarm im nordnigerianischen Dorf Jaji im Bundesstaat Kaduna nachgewiesen. Seine genetische Verwandtschaft mit den bekannten H5N1-Stämmen werde untersucht. Die OIE will Experten nach Nigeria schicken, um die Behörden bei der Seuchenbekämpfung zu unterstützen.

Im Norden Nigerias waren in den vergangenen Wochen Zehntausende Hühner an einer zunächst unbekannten Epidemie gestorben. Die nigerianische Regierung versuchte, die Bevölkerung durch Radio- und Fernsehbotschaften zu beruhigen. Die Tiere seien wahrscheinlich einer Geflügel-Cholera oder der hoch ansteckenden Newcastle-Krankheit zum Opfer gefallen, hieß es zunächst. Es ist noch unklar, ob der Massentod dieser Tiere vom Vogelgrippe-Virus hervorgerufen wurde.

Der Zoologe Bairlein sagte zur Einschleppungsgefahr der Viren aus in Nigeria: "Theoretisch könnte es einen Transport von Viren auf der Südwestroute des Vogelzugs über Spanien und Frankreich geben." Die Gefahr sei deswegen eher gering, weil lediglich die Knäkente und die Spießente sowie ein Teil der Weißstörche als Viren-Transporteure in Betracht kämen. "Die Zahl der Tiere dieser drei Zugvogelarten ist zudem vergleichsweise klein", sagte Bairlein. "Voraussetzung für eine Kontaminierung von Enten und Störchen auf der Südwest-Vogelzugroute ist außerdem, dass das Virus in Afrika von Feuchtbiotop zu Feuchtbiotop bis nach Nordwestafrika verschleppt wird".

Stallpflicht in Deutschland ab März

Als erste der drei möglichen Virusträger-Arten starteten erfahrungsgemäß die Störche Ende Februar, sagte Bairlein. Der Hauptzug folge dann im März und im April.

In Deutschland gilt vom 1. März an eine vorsorgliche Stallpflicht für Geflügel. Mit diesem "Hausarrest" soll Zuchtgeflügel vor Kontakten mit infizierten durchreisenden Zugvögeln geschützt werden.

Die im Kampf gegen den möglichen Ausbruch der Vogelgrippe geplante Nationale Pandemiekommission wird nicht eingerichtet. Einen entsprechenden Bericht der "Zeit" bestätigte am Mittwoch das Bundesgesundheitsministerium. Es gebe aber eine starke Zusammenarbeit von Bund und Ländern in verschiedenen Gremien, sagte eine Sprecherin. Das Robert Koch-Institut (RKI) unterstütze den Kampf gegen Vogelgrippe mit zusätzlichen Experten. Forscher halten es für möglich, dass sich aus der Vogelgrippe mittelfristig eine Pandemie entwickeln kann, eine weltweiten Krankheitswelle unter Menschen.

China bestätigte einen neuen Ausbruch der Vogelgrippe. Die Angst vor der Geflügelseuche geht zudem in Hongkong um. Bei einem toten Huhn auf einer Straße in einem Vorort wurde das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 festgestellt. In Peking berichtete das Landwirtschaftsministerium, dass bei erkrankten Tieren auf Geflügelfarmen in der nordchinesischen Provinz Shanxi das H5N1-Virus festgestellt worden sei. Vorsorglich seien nahezu 190.000 Tiere getötet worden. In den vergangenen 15 Monaten sind in China von offizieller Seite mehr als 30 Ausbrüche der Vogelgrippe offiziell bestätigt worden. Sieben Menschen sind dort bislang daran gestorben. (Internet: OIE: www.oie.int)

UNO warnt vor weiterer Ausbreitung in Afrika

Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch davor gewarnt, dass nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Nigeria auch andere afrikanische Länder "einem hohen Risiko" ausgesetzt sind. "Der Ausbruch im Bundesstaat Kaduna zeigt, dass kein Land risikofrei ist und dass wir es mit einer ernsten internationalen Krise zu tun haben", teilte die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) in Rom mit.

"Wenn die Situation in Nigeria außer Kontrolle gerät, wird das zerstörerische Auswirkungen auf die Geflügel-Zahl in der Region haben, es wird ernsthaft den Lebensunterhalt von Millionen Menschen gefährden und die Möglichkeit einer Ansteckung der Menschen mit dem Virus erhöhen", sagte FAO-Experte Samuel Jutzi.

Er forderte andere Länder dazu auf, einen möglichen Vogelgrippe-Ausbruch genau zu beobachten und vermehrte Todesfälle bei Vögeln und Geflügel den zuständigen Behörden umgehend mitzuteilen. Zusammen mit der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE werde die FAO Tiermedizinern nach Nigeria entsenden, um die Situation einzuschätzen und festzustellen, wie der Virus in das Land gelangen konnte, hieß es.

DPA


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