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Zu viel Nitrat: Gülle und Dünger verseuchen Grundwasser in Deutschland

Das deutsche Grundwasser ist vielerorts mit Nitrat belastet. Das geht aus einem Bericht der Regierung hervor. In hohen Konzentrationen kann es Schwangere und Kinder gefährden.

Düngemittel belasten das Grundwasser - vor allem Nitrat gilt als bedenklich.

Düngemittel belasten das Grundwasser - vor allem Nitrat gilt als bedenklich.

Die Nitratwerte im deutschen Grundwasser sind nach wie vor an vielen Orten zu hoch: An 28 Prozent der berücksichtigten Messstellen seien die Grenzwerte für den gesundheitsschädlichen Düngestoff überschritten worden, zitiert die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) aus dem aktuellen Nitratbericht, den die Bundesregierung an die EU-Kommission übermittelte.

In den vergangenen Jahren seien in Deutschland bei der Nitratbelastung "keine wesentlichen Veränderungen" erzielt worden, heißt es in dem . Problematisch ist den Befunden zufolge auch das hohe Vorkommen von Phosphor, das über landwirtschaftliche Flächen letztlich in Nord- und Ostsee gelange und dort das Algenwachstum begünstige. 65 Prozent der Messstellen an Seen und Flüssen wiesen zu hohe Werte auf.

Schadstoffe gelangen über Düngemittel ins Grundwasser

Verursacher ist aus Sicht des Bundesumweltministeriums die Landwirtschaft, die Nährstoffe in Form von Gülle oder Kunstdünger auf die Felder ausbringt. Der Regen kann den Stoff aus dem Boden auswaschen, und er gelangt ins Grundwasser. Rund 74 Prozent des Trinkwasseraufkommens werden in Deutschland aus dem Grundwasser gewonnen - erhöhte Nitratgehalte können daher auch Auswirkungen auf die Qualität des Trinkwassers haben.

"Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der "NOZ". Das Übermaß an Nährstoffen gefährde die Artenvielfalt. Zusätzliche Kosten für die Trinkwasserversorgung seien nicht ausgeschlossen, auch wenn hier bislang keine Beeinträchtigung festzustellen sei. Im November hatte die die Bundesrepublik wegen Verstößen gegen die EU-Nitratrichtlinie verklagt. Noch im Januar muss die Bundesregierung darauf eine Erwiderung übermitteln. Im Falle einer Verurteilung drohen Deutschland hohe Geldstrafen.

Nitrat als Gefahr für Schwangere und Kinder

hilft Pflanzen beim Wachsen und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Überhöhte Mengen von Nitrat führen allerdings zu starken Wasserverunreinigungen und verringern die biologische Vielfalt in den Gewässern. Eine Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter kann nach Angaben der EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben. Bedenklich ist sie insbesondere für schwangere Frauen und Kleinkinder. Nitrat gilt unter anderem als potenziell krebserregend.

Laut Trinkwasserverordnung darf Trinkwasser den Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter jedoch nicht überschreiten. Dazu wird das Wasser mithilfe spezieller Prozesse in Wasserwerken aufbereitet.

Es sei "im Sinne unseres Gemeinwohls, wenn wir hier stärker als bisher gegensteuern", sagte Bundesumweltministerin (SPD) der "NOZ". Das gehe nur mit "verschärften Düngeregeln", sagte die SPD-Politikerin. Sie verwies auf die 2016 fertiggestellte Novelle des Düngerechts, die bislang aber noch nicht in Kraft getreten ist.

ikr / AFP

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