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Gefahren des Rauchens: "Rauchen aus dritter Hand": Kleidung von Rauchern ist ähnlich schädlich wie Passivrauchen

Nicht nur Passivrauch birgt Risiken, sondern auch die Kleidung von Rauchern. Eine Studie von Mainzer Forschern zeigt: Wer im Kino neben Rauchern sitzt, qualmt passiv bis zu zehn Zigaretten mit - obwohl keine einzige Kippe brennt. 

Risiko Tabakrauch: eine qualmende Zigarette

Über 4800 verschiedene Substanzen stecken in Tabakrauch - viele davon sind giftig und erzeugen Krebs

Getty Images

Ob in der Raucherkneipe oder als Beifahrer im Auto: Wer sich neben Rauchern aufhält, qualmt unfreiwillig mit. Die Gefahren des Passivrauchens werden oft unterschätzt, sind aber hinlänglich bekannt. Menschen, die sich regelmäßig in verqualmten Räumen aufhalten, können ebenso wie Raucher an Lungenkrebs erkranken und haben ein erhöhtes Risiko für viele weitere Leiden - obwohl sie nie selbst an einer Zigarette gezogen haben. Tabakrauch enthält tausende verschiedene Substanzen. Mindestens 90 davon gelten als krebserregend.

Aus dem Raum gehen oder bestimmte Orte meiden: Passivrauch lässt sich oft vermeiden, im Gegensatz zu einem Phänomen, das sich 'Rauchen aus dritter Hand' nennt. Es entsteht, wenn Raucher im Freien qualmen und den Dunst im Anschluss in Innenräume schleppen, weil er an Haaren, Händen und an der Kleidung haftet. Forscher haben die Konzentration dieser "eingeschleppten" Giftstoffe nun in einem Kino untersucht - mit besorgniserregendem Ergebnis. Sitzen nichtrauchende Kinobesucher neben Rauchern, die vor Kinobeginn schnell noch eine geraucht haben, qualmen sie demnach bis zu zehn Zigaretten mit. 

Passivrauch: Nach Filmstart wabern Giftstoffe durch die Kinoluft

Das Versuchslabor der Studie war ein 1300 Quadratmeter großer Kinosaal in Mainz, in dem Rauchen seit 15 Jahren streng verboten ist. An vier aufeinanderfolgenden Tagen maßen die Forscher die Konzentration von Giftstoffen wie 2,5-Dimethylfuran in der Raumluft. Pünktlich zu Beginn des Kinofilms stieg der Gehalt an. Dies spricht dafür, dass die Giftstoffe von den Menschen in den Saal eingetragen wurden - und sie nicht etwa schon vor Filmbeginn in der Luft waberten. Nach den Filmen sank die Konzentration wieder. An der Studie waren Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie beteiligt. Die Ergebnisse erschienen im Fachblatt "Science Advances". 

Die Studie zeigt: Selbst an ungeahnten Orten lauern Gefahren für Nichtraucher. Für die Wirkung von Passivrauch gibt es nämlich keinen Schwellenwert, unterhalb dessen keine Gesundheitsgefährdung besteht. Mit anderen Worten: Jede Art von Exposition sollte vermieden werden.

Kinder reagieren besonders empfindlich auf die Giftstoffe im Tabakrauch. Rauchen die Eltern, leidet der Nachwuchs häufiger unter Bronchitis oder Asthma. Leben Raucher im selben Haushalt mit Kindern sollte unbedingt vermieden werden, in Innenräumen zu rauchen. Wird draußen oder auf dem Balkon geraucht, verhindern eine Mütze oder eine Überzieh-Jacke, dass sich Giftstoffe in der Kleidung und den Haaren verfangen und im Anschluss in die Wohnung eingebracht werden.

ikr

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