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Gefahr aus der Tasse Kaffee in der Schwangerschaft: Wie viele Tassen sind fürs Baby unbedenklich?

Schwangere trinkt Kaffee
Kaffee in der Schwangerschaft – ein No-Go?
© Dejan_Dundjerski
Der Kaffee gehört für viele zum Leben wie das Zähneputzen. Er ist treuer Begleiter an müden Tagen, wärmender Energiebooster – aber ein No-Go in der Schwangerschaft, oder? Nicht unbedingt. So viel Koffein ist trotz Baby im Bauch in Ordnung.

Der Kaffee ist der Lebensgefährte, den viele in ihrem Alltag nicht missen wollen. Ohne ihn kämen sie am Morgen kaum aus dem Bett, er hilft beim Wachwerden, gibt Energie für die anstehenden Aufgaben, und am Nachmittag sorgt er als Booster über das Mittagstief hinweg. Doch was ist, wenn frau nicht mehr alleine trinkt, sondern ein Baby im Bauch wächst? Ist Kaffeekonsum in der Schwangerschaft in Ordnung oder schadet das Koffein darin dem Kind? 

Bekannt ist, dass Koffein, das die Mutter zu sich nimmt, über kurz oder lang auch beim Baby landet. Es wird über die Plazenta an das Kind in vergleichbarer Konzentration weitergeleitet – und wirkt auch ähnlich anregend. Das Koffein sorgt für Unruhe, es macht wach, lässt den Blutdruck steigen, beschleunigt den Herzschlag. Dazukommt, dass das Kaffeehoch bei den Babys länger anhält als bei der Mutter. Denn der Organismus des Kindes ist nicht dafür ausgebildet, mit Koffein umzugehen. Es fehlen Enzyme, die Koffein abbauen. Aber auch Schwangere verstoffwechseln Koffein langsamer. "Es kann bis zu 18 Stunden dauern, bis gerade mal die Hälfte davon abgebaut ist. Und das Baby im Bauch braucht noch mal länger, das Koffein kann sich also ansammeln", erklärte der Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Augsburg, Christian Dannecker, der "Apotheken Umschau".

Koffein im Blut vom Baby

Wie Koffein darüber hinaus im kindlichen Körper wirkt und wie es seine Entwicklung beeinflusst, so Oekotest, sei wissenschaftlich noch nicht ganz klar. Zwar sei die Datenlage dazu dünn und mitunter widersprüchlich, jedoch gebe es Hinweise aus Studien, dass ein höherer Kaffeekonsum mit einem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt einhergehen könnte, aber auch spätere Fettleibigkeit oder Hyperaktivität des Kindes können durch zu viel Koffein möglicherweise begünstigt werden. "Bei sehr hohen Mengen Koffein täglich, also 600 Milli­gramm und mehr, können wir klar sagen, dass das nicht gesund für das Baby ist", sagte auch Dannecker.

Das bedeutet aber nicht, dass werdende Mütter während der Schwangerschaft gänzlich auf den Kaffeegenuss verzichten müssen. Die Menge ist hier wie so oft der Schlüssel. Weniger ist zwar mehr, aber etwa drei Tassen Filterkaffee am Tag sind in Ordnung, meint die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Genauer: 200 Milligramm Koffein pro Tag gelten demnach als unbedenklich. An diesem Richtwert sollten sich Mütter auch in der Stillzeit orientieren. Denn auch über die Muttermilch wird Koffein weitergegeben. Mehr als drei Tage brauche ein Baby laut Berufsverband der Kinder und Jugendärzte, um das aufgenommene Koffein wieder abzubauen – "das kann zu Unruhe, Bauchschmerzen und Blähungen beim Säugling führen". Kaffee ist das eine, Energy-Drinks noch einmal eine ganz andere Nummer. In letzteren ist unter anderem der Koffeingehalt noch einmal höher, weshalb Schwangere auf diese verzichten sollten. Ein entsprechender Warnhinweis ist außerdem auf den Dosen zu finden.

Übrigens: Auch Erwachsene, die kein Kind in sich tragen, sollten laut EFSA Kaffee in Maßen genießen. Für sie gilt die Faustregel: Eine Dosis von rund 400 Milligramm Kaffee pro Tag ist für einen gesunden Erwachsenen unbedenklich, die Menge von 200 Milligramm Koffein sollte eine Einzeldosis nicht überschreiten, um Nebenwirkungen wie Nervosität und Herzrasen zu vermeiden. Dem widerspricht allerdings ein Forscherteam der "British Heart Foundation". Anhand einer Studie mit mehr als 8000 Teilnehmern hatten die Wissenschaftler:innen festgestellt, dass es überhaupt keinen Unterschied macht, ob man eine Tasse oder 25 Tassen Kaffee täglich trinkt. 

Quelle:  British Heart Foundation, EFSAOekotest, Apotheken Umschau

tpo

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