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SARS: Taiwan macht die Grenzen zu

Taiwan will wegen der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS keine Reisenden mehr aus China, Hongkong, Singapur und Kanada ins Land lassen

Taiwan will wegen der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS keine Reisenden mehr aus China, Hongkong, Singapur und Kanada ins Land lassen. An Bürger aus diesen Regionen, in denen die Krankheit am stärksten verbreitet ist, würden keine Visa mehr vergeben, sagte Ministerpräsident Yu Shyi Kun am Sonntag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will derweil ihre Reisewarnung für die kanadische Stadt Toronto überprüfen. Diese war bei den kanadischen Behörden auf massive Kritik gestoßen. Nach Einschätzung eines führenden Experten führt SARS zwar häufiger zum Tode, ist zugleich aber weniger ansteckend als bislang angenommen.

Zehntägige Quarantäne

Taiwaner, die aus den genannten Regionen heimreisten, müssten sich einer zehntägigen Quarantäne unterziehen, sagte Yu vor Journalisten in Taipeh. "Der Kampf gegen die Epidemie ist wie ein Krieg. Wir haben es mit einem unsichtbaren Feind zu tun." Auf Taiwan sind nach offiziellen Angaben 55 Menschen an SARS erkrankt und am Sonntag ein erster Patient gestorben.

Reisekontrollen in weiteren Staaten

Auch andere asiatische Staaten wollen mit Reisekontrollen gegen die Ausbreitung von SARS vorgehen. Die Gesundheitsminister mehrerer asiatischer Staaten einigten sich am Wochenende darauf, dass Passagiere an Flug- und Seehäfen auf Symptome der Krankheit untersucht werden sollen. Für Peking, Hongkong, die südchinesische Provinz Guangdong und für Toronto hat die WHO Reisewarnungen ausgesprochen. Im Fall Torontos könnte diese am Dienstag verändert werden, sagte ein WHO-Sprecher im kanadischen Fernsehen. Kanadas Ministerpräsident Jean Chretien hatte am Freitag erklärt, die Ausbreitung der Krankheit in Toronto sei "ziemlich eingedämmt".

China schließt Theater und Discos

In China haben die Behörden wegen der Ansteckungsgefahr mit SARS Berichten der Staatsmedien zufolge die Schließung von Theatern, Discos und anderen Vergnügungsstätten angeordnet. In Singapur, wo am Sonntag der 19. Todesfall gemeldet wurde, sollen 80 Lebensmittelmärkte geschlossen und desinfiziert werden.

Zehn Prozent der Erkrankten werden sterben

Professor Roy Anderson, Spezialist für Infektionskrankheiten am Londoner Imperial College, geht davon aus, dass zehn Prozent der Erkrankten an SARS sterben. Dies gehe aus Daten der WHO hervor, sagte Anderson dem BBC-Radio. Die WHO selbst beziffert die Sterblichkeitsrate beim Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) auf sechs Prozent. Nach den Worten Andersons zeigten WHO- Untersuchungen außerdem, dass die Krankheit weniger ansteckend sei als befürchtet. Weltweit haben sich offiziellen Angaben zufolge mehr als 5000 Menschen mit dem Virus infiziert. Rund 290 Menschen sind an der Krankheit gestorben.

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