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Schweinegrippe: H1N1 fordert neuntes Todesopfer

Die Zahl der H1N1-Todesopfer in Deutschland steigt: Eine 52-jährige Frau starb heute in Stuttgart, zwei weitere Fälle wurde bekannt. Experten werben unterdessen weiter für die Impfung.

Die zweite Welle der Schweinegrippe hat Deutschland erreicht, auch hierzulande nehmen die Todesfälle zu: Neun sind mittlerweile bundesweit bestätigt. Am Klinikum Stuttgart starb am Mittwoch eine Patientin, die mit dem H1N1-Virus infiziert war. Die 52-jährige Frau litt der Klinik zufolge unter einer chronischen Vorerkrankung. Sie war am vergangenen Freitag in das Krankenhaus gebracht worden. Auch das Heidelberger Universitätsklinikum teilte heute einen Todesfall mit: Am vergangenen Sonntag starb dort ein 28-Jähriger, der an der Schweinegrippe erkrankt war. Der Klinik zufolge litt der Patient aus Rheinland-Pfalz unter schwersten Erkrankungen an Leber und Niere und war auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Auch Berlin vermeldet den ersten Todesfall im Zusammenhang mit der Schweinegrippe. Die Gesundheitsverwaltung teilte heute mit, dass am Montag ein 40-jähriger Mann gestorben ist, bei dem ein Test auf eine H1N1-Infektion positiv war. In Frankfurt am Main ringt derweil eine 39 Jahre alte Patientin mit dem Tod. Die Frau leide nach wie vor unter schwerem Lungenversagen und werde deshalb weiterhin mit einem speziellen Beatmungsverfahren behandelt, teilte die Frankfurter Uniklinik mit.

Unterdessen rief der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) dazu auf, umgehend auch alle Kleinkinder gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Ab einem Alter von sechs Monaten sollten alle Kleinkinder immunisiert werden, riet der Verband in Köln - entgegen seiner bisherigen Empfehlung, erst Kinder ab drei Jahren zu impfen.

In allen Altersgruppen hätten die Erkrankungen zugenommen, begründete der BVKJ seine geänderte Haltung. Zuverlässige Studiendaten aus anderen europäischen Ländern zeigten inzwischen, dass auch sehr kleine Kinder die Impfung ohne schwerwiegende Probleme vertragen könnten. Nur Kinder, die eine Hühnereiweiß-Allergie haben, sollten nicht geimpft werden, da der Impfstoff Pandemrix in Hühnereiern hergestellt wird. Vorrangig geimpft werden sollten Kinder, die ein chronisches Leiden wie Asthma, Stoffwechselerkrankungen oder Herzfehler haben, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Zugleich forderte sein Verband aber erneut einen Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker.

Lassen Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen?

Unbehagen über die Impfmüdigkeit

Nach Überzeugung des Rostocker Tropenmediziners Emil Reisinger wird die negative Haltung der Deutschen gegenüber der Schweinegrippe- Impfung schnell nachlassen. "Es wird kälter, und es werden vermehrt Erkrankungsfälle auftreten", erläuterte Reisinger. Dann werde es leider auch vermehrt zu Todesfällen kommen, doch dadurch würden sich auch mehr Menschen impfen lassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf hatte am Dienstag ihr Unbehagen über die Impfmüdigkeit in vielen Ländern geäußert. Es bereite Sorge, wenn Menschen, die Zugang zu Impfstoffen haben, dieses Angebot nicht nutzten.

Internationale Gesundheitsexperten sorgen sich derweil um den Erfolg der Impfkampagne, weil schwere Erkrankungen fälschlich als Nebenwirkungen der Schweinegrippe-Impfung angesehen werden könnten. Die Präsidentin des Schweizerischen Impfkomitees, Claire-Anne Siegrist, sagte der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit", sie sei nicht im Mindesten besorgt wegen der tatsächlichen Nebenwirkungen der Impfstoffe. Jedoch sei sie geradezu "in Panik wegen allem, was den neuen wirkverstärkten Impfstoffen angehängt werden wird".

Siegrist mahnt gemeinsam mit Kollegen aus der ganzen Welt im Fachjournal "The Lancet", unerklärliche schwere Erkrankungen kämen in einer großen Bevölkerungsgruppe immer wieder vor. Das gelte auch für Geimpfte, ohne dass der Impfstoff damit irgendetwas zu tun haben müsse. Dies müsse bei der Beurteilung potenzieller Nebenwirkungen eines Impfstoffs bedacht werden.

In Deutschland hat die Impfaktion in der vergangenen Woche begonnen. In vielen Ländern werden allerdings zuerst chronisch Kranke und das sogenannte Schlüsselpersonal - Krankenhausmitarbeiter, Feuerwehr und Polizei - geimpft.

DPA/AP / AP / DPA

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