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Vogelgrippe: 16.000 Vögel werden gekeult

Alle Tiere des von dem gefährlichen Vogelgrippevirus befallenen Geflügelzuchtbetriebs werden getötet. Heute tritt der Krisenstab von Bund Ländern zusammen. Unterdessen greifen die Grünen das Krisenmanagement der Bundesregierung an.

Nach dem bundesweit ersten Befall eines Geflügelhofes mit dem auch für den Menschen gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 sind in der Nacht zum Donnerstag mehr als 10.000 Puten und Hühner getötet worden. Zur Stunde laufe der Abtransport der Kadaver von dem sächsischen Zuchtbetrieb in Wermsdorf in eine Tierkörper-Beseitigungsanlage, sagte Landratssprecherin Margit Gey. Am Mittag soll die Tötung der restlichen 6000 Tiere - vor allem Gänse - fortgesetzt werden.

"Lage ist ernst"

Am Vormittag tagt der Krisenstab von Bund und Ländern in Berlin. In Dresden kommt zudem der sächsische Krisenstab im Sozialministerium zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Am Nachmittag soll feststehen, ob es sich um die aggressive Virusvariante "Asia" handelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Lage als ernst. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) sagte, wichtig sei nun, durch eine konsequente Umsetzung der Schutzmaßnahmen eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Ursache für den Ausbruch müsse schnellstmöglich aufgeklärt werden. Die Proben aus dem Geflügelbetrieb waren im nationalen Referenzlabor des Friedrich- Loeffler-Institutes (FLI) auf der Insel Riems untersucht worden. Experten des FLI wollen nun analysieren, wie das Virus in den Bestand eingetragen worden ist. Außer Wildvögeln kommen auch Transporte, Stall-Streu oder Futter als Überträger in Frage.

EU sieht noch keinen Grund zum Eingreifen

Bis heute Abend sollen auf dem Gelände 8000 Puten, 4350 Gänse und 3350 Hühner getötet und entsorgt werden. Ein Großteil der Tiere wird in den Ställen selbst gekeult. Außerdem wird eine mobile Elektrotötungsanlage aus Thüringen eingesetzt. Bis zum frühen Morgen seien bereits 10.000 Tiere gekeult worden, darunter 5700 Puten und alle 3350 Hühner, sagte eine Sprecherin des zuständigen Landratsamtes.

Um das Unternehmen wurden Schutzzonen eingerichtet. Damit gilt drei Kilometer um den Geflügelhof eine Sperrzone. Im erweiterten Umkreis von zehn Kilometern werden Vögel beobachtet. Die EU- Kommission pochte am Mittwoch auf die Einhaltung der geltenden europäischen Vorschriften zu Schutz- und Pufferzonen sowie auf die Keulung der Bestände. Solange die Notfallpläne eingehalten würden, sehe die Kommission keinen Grund zum Eingreifen, hieß es in Brüssel. In dem Fall gebe es auch keine Exportbeschränkungen.

Toter Schwan mit H5-Virus in Großbritannien

Die Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), kritisierte unterdessen das Krisenmanagement der Bundesregierung. "Wir brauchen endlich eine umfassende Impfstrategie", sagte sie der "Berliner Zeitung" und forderte eine größere Rolle des Bundes bei der Tierseuchenbekämpfung. Man könne das deutsche Geflügel nicht jahrelang einsperren und damit die Freilandhaltung von Geflügel kaputt machen.

In Großbritannien wurde am Mittwoch bei einem toten Schwan ein Vogelgrippevirus vom Typ H5 nachgewiesen. Ob es sich um den gefährlichen Virus-Subtyp H5N1 handelt, wurde noch untersucht. Bisher war das H5N1-Virus in Großbritannien nur bei importierten Vögeln in einer Quarantäne-Station des Zolls festgestellt worden.

DPA / DPA

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