Vogelgrippe 2865 Tiere vorsorglich getötet


Kurzfristige Entwarnung aus Mecklenburg-Vorpommern: Die zuletzt getesteten Vögel waren offenbar nicht mit dem gefährlichen H5N1-Erreger infiziert. Dennoch rechnen die Experten mit der Ausweitung des Virus'.

Auf eine Ausweitung der Vogelgrippe von Rügen auf das Festland gibt es derzeit keine neuen Hinweise. Bei neun am Dienstag untersuchten Vögeln bestätigte sich der Verdacht auf das gefährliche Virus H5N1 nicht, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut auf Riems am Abend mit. Unter den getesteten Vögeln waren mehrere Höckerschwäne, Greifvögel und ein Graureiher. Acht Tiere stammten aus Ostvorpommern und Greifswald, eines aus Rostock.

Damit bleibt es nach Institutsangaben bei bislang 103 bestätigten Fällen des Vogelgrippevirus H5N1 in Mecklenburg-Vorpommern. 101 der infizierten Vögel stammen von der Insel Rügen, je einer aus den Landkreisen Ost- und Nordvorpommern. Mit einer Ausweitung der Vogelgrippe auf das Festland wird gerechnet.

Im Laufe des Tages allerdings hatte das Riemser Institut für Tiergesundheit das tödliche Virus bei 18 Schwänen, drei Kanadagänsen sowie einem Mäusebussard festgestellt. Alle neuen Befunde stammen von der Insel Rügen, die meisten aus dem Bereich der Wittower Fähre, wo auch die beiden ersten infizierten Schwäne gefunden worden waren.

Unterdessen wurde das Virus H5N1 erstmals auch in Ungarn entdeckt. Damit ist die Tierseuche seit Anfang Februar in 14 Ländern neu ausgebrochen, allein sieben davon in der EU.

Die Bundeswehr stockte ihre Kräfte auf Rügen auf etwa 300 auf, in Nord- und Ostvorpommern ist sie derzeit nicht im Einsatz. Die mit Schutzanzügen ausgestatteten Soldaten sammelten auch am Dienstag tote Vögel ein. Auch in den Landkreisen und großen Städten an der Küste wird gezielt nach toten Vögeln gesucht. Um einen Übergriff der Seuche auf Nutztierbestände zu verhindern, wurden auf Rügen bis Dienstag 2865 Tiere vorsorglich getötet, vor allem Hühner und Enten bei einem großen Betrieb und mehreren Kleinsthaltern.

Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts ist Rügen zufällig zum Einfallstor für die Vogelgrippe in Deutschland geworden. "Wir favorisieren die Hypothese, dass das Virus von infizierten Singschwänen einer nordrussischen Population nach Westen getragen wurde. Es fehlen aber Befunde positiv getesteter Tiere aus dem Baltikum und aus Polen", sagte Institutspräsident Thomas Mettenleiter. Vermutlich seien die Schwäne wegen der extremen Kälte im Osten in Richtung Westen ausgewichen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hofft trotz der weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe an der Ostsee auf einen Erfolg im Kampf gegen die Tierseuche in Deutschland. "Wenn wir rigoros in der Tierseuchenbekämpfung vorgehen, werden wir es in absehbarer Zeit durchaus in den Griff bekommen können", sagte Seehofer.

Entscheidend sei der Schutz der Hausgeflügelbestände. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Südwestrundfunk, noch sei kein Hausgeflügel infiziert. "Unser ganzes Augenmerk sollte darauf gelenkt werden, diesen Zustand möglichst zu erhalten."

Die Austragung der Fußball-WM vom 9. Juni bis 9. Juli in Deutschland halten Politiker derzeit allerdings nicht für gefährdet. Agrarstaatssekretär Gerd Müller (CSU) sagte im Sender N24: "Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft ist aus heutiger Sicht nicht in Gefahr." Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, man dürfe jetzt "keine Panik erwecken, die sich gegebenenfalls auch auf die Fußball-WM negativ auswirken könnte". Die Weltöffentlichkeit beobachte Deutschland sehr stark.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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