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Vogelgrippe-Virus H5N8 Was Sie über den Geflügelpest-Erreger wissen sollten


Bisher war H5N8 nur in Asien verbreitet. Nun ist der Erreger auch auf Geflügelfarmen in den Niederlanden, Deutschland und England aufgetaucht. Wie kam das Virus nach Europa? Und wie gefährlich ist es?

Ein neuer Vogelgrippe-Erreger hat Europa erreicht: Das Virus mit dem Namen H5N8 kursierte bislang nur in Südkorea. Anfang November erkrankten rund 31.000 Puten auf einer Geflügelfarm in Mecklenburg-Vorpommern an der Vogelgrippeinfektion. Jetzt sind auch Bauernhöfe in den Niederlanden und Großbritannien betroffen. Wir erklären, was Sie über den Erreger wissen sollten.

Was bedeutet H5N8?

Auf der Welt kursieren viele verschiedene Grippeerreger - im Fachjargon "Influenza"-Viren. Bekannte Beispiele sind etwa die Schweinegrippe H1N1 sowie die Vogelgrippe-Typen H5N1 und H7N9. Unterscheiden lassen sich die Viren anhand der Eiweiße, die sie wie eine Art Stempel auf ihrer Hülle tragen: das sogenannte Hämaglutinin und die Neuraminidase. Von beiden existieren im Tierreich unterschiedliche Formen, die Fachleute "durchnummeriert" haben. Der neue Vogelgrippe-Erreger trägt das Hämaglutinin 5 und die Neuraminidase 8. Deshalb heißt er H5N8.

Wie gelangte der Erreger nach Europa?

Das ist derzeit noch völlig unklar. Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI) und anderer Einrichtungen haben aber bereits mit der Ursachenforschung begonnen. Sie vergleichen derzeit das Erbgut der in Deutschland aufgetretenen Erregern den mit den Viren des gleichen Typs aus Südkorea und den Niederlanden. "Je enger verwandt die Viren sind, desto wahrscheinlicher ist eine gemeinsame Eintragungsquelle", erklärt die Biologin und FLI-Sprecherin Elke Reinking. Genetische Verwandtschaft deutet also daraufhin, dass die Erreger aus dem gleichen Land kommen. Bisherige genetische Analysen haben gezeigt, dass das zumindest die H5N8-Viren aus Mecklenburg-Vorpommern große Ähnlichkeit zu denen in Südkorea haben.

Welches Tier die Erreger nach Europa eingeschleppt hat und über welchen Weg, weiß man allerdings trotzdem nicht. Im Verdacht haben die Fachleute Wildvögel. Denn bei den Ausbrüchen in Südkorea erkrankten nicht nur Nutzgeflügel, sondern auch Enten und Gänse. "Vorstellbar ist etwa eine staffelartige Weitergabe des Virus von einer Wildvogelpopulation zu einer anderen - zum Beispiel an großen gemeinsamen Rastplätzen in Asien und Russland", sagt Reinking.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Bis jetzt hat sich noch kein Mensch mit diesem Virustyp infiziert, jedenfalls ist kein Fall bekannt. Virologen können eine Übertragung auf den Menschen nicht ausschließen, da auch andere Vogelgrippe-Erreger wie etwa H7N9 und H5N1 bereits Menschen angesteckt haben. Wahrscheinlich ist das jedoch nicht: Ein Experiment mit Frettchen - deren Immunsystem dem des Menschen ähnelt - ergab, dass H5N8 für Säugetiere deutlich weniger ansteckend und gefährlich ist als für Vögel. Die Forscher hatten den Frettchen die Viren über die Nase verabreicht und dabei festgestellt, dass die Viren sich nur in geringem Maß in den Tieren vermehrten. Außerdem ging es Frettchen trotz der Infektion recht gut: Sie nahmen zwar leicht ab, litten aber nicht unter typischen Grippesymptomen.

"Die Datenlage ist noch recht dünn", sagt der Grippeforscher Thorsten Wolff vom Berliner Robert-Koch-Institut. "Aber nach aktuellem Kenntnisstand ist die Übertragbarkeit des H5N8-Virus auf Säugetiere nicht sehr ausgeprägt." Eine Gefahr bestehe aber ohnehin nur bei sehr engem Kontakt mit erkrankten oder toten Vögeln oder mit deren Ausscheidungen.

Wie lässt sich seine Ausbreitung verhindern?

In der Regel lassen betroffene Zuchtbetriebe ihren Tierbestand schlachten. Auf dem Masthof in Mecklenburg-Vorpommern wurden insgesamt rund 31.000 Tiere getötet, der Geflügelbetrieb in den Niederlanden keulte 150.000 Legehühner. Die Niederlande verhängten außerdem eine 72-stündige Stallpflicht für alle Geflügel im Land sowie ein Verbot aller Transporte von Geflügel, Eiern, Dung und gebrauchtem Streu.

Darf man jetzt noch Hähnchen und Pute essen?

Die betroffenen Bestände in Deutschland und den Niederländen wurden gekeult und entsorgt. Dass im Vorfeld infiziertes Fleisch von dem betroffenen Hof in Deutschland auf den Markt gelangt sein könnte, ist laut FLI-Sprecherin Reinking auszuschließen. Hühnerfleisch sollte aber ohnehin nur gut durchgegart gegessen werden. Wer diese Hygienemaßnahme einhält, muss sich keine Sorgen machen. Normale Kochtemperaturen von etwa 70 Grad töten das Virus ab.

Lydia Klöckner

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