VG-Wort Pixel

Winterhalbjahr 2021 Von 3G bis 1G: So planen österreichische Universitäten das bevorstehende Semester

Medizinstudium
Lehre in Präsenz: An den medizinischen Universitäten in Wien und Innsbruck gilt im kommenden Wintersemester die 1G-Regel
© Jan Woitas / DPA
Zurück auf den Campus: Das ist auch die Devise der österreichischen Hochschulen. Die Bedingungen für die Studierenden sind jedoch strenger als in Deutschland. Während einige Unis auf 3G setzen, gilt an anderen bereits 1G – das hat eine bundesweite Debatte ausgelöst.

Drei Semester haben Studierende in Österreich die Räumlichkeiten auf dem Campus nicht mehr von innen gesehen. Das soll sich zum kommenden Wintersemester ändern. Voraussetzung dafür ist jedoch ein umfassendes Schutzkonzept. Österreichs Wissenschaftsminister Heinz Faßmann appellierte daher bereits vor einer Woche an das Verantwortungsbewusstsein der Studierenden. "Ihr persönlicher Beitrag dazu ist, sich rechtzeitig vor Semesterbeginn impfen zu lassen", lautete der Appell auch von Spitzenvertretern der Hochschulen und der Österreichischen HochschülerInnenschaft in einem gemeinsamen Brief.

"Die Impfung ist und bleibt das derzeit beste Mittel gegen die Corona-Pandemie. Deshalb bedarf es einer hohen Impfquote und zwar auf Seite der Lehrenden, Studierenden und Forschenden", teilte das Bildungsministerium auf Anfrage des stern mit. Laut Gesundheitsministerium sind derzeit 54 Prozent der 15- bis 24-Jährigen geimpft. Die Impfquote unter den Studierenden in ganz Österreich lässt sich jedoch nicht ermitteln.

Ohne Impfung kein Praktikum

Wie die Universitäten mit Geimpften und Ungeimpften umgehen und welche Corona-Schutzmaßnahmen gelten, kann jede Uni selbst entscheiden. Wie das Bildungsministerium mitteilte, haben sich die meisten Universitäten nach den jüngsten Änderungen des 2. Covid-19-Hochschulgesetztes für die 3G-Regel entschieden. Wer am Präsenzunterricht oder an Prüfungen teilnehmen möchte, muss entweder einen negativen Corona-Test nachweisen oder geimpft oder genesen sein. Als geimpft gilt in Österreich allerdings nur, wer bereits beide Impftermine hinter sich gebracht hat. "Teilgeimpfte Studierende müssten in diesem Fall folglich einen gültigen negativen Corona-Test vorweisen können, wenn die jeweilige Universität bzw. Hochschule 3G verfügt hat", heißt es aus dem Bildungsministerium.

Strenger sind die Regeln an den medizinischen Hochschulen im Land. So hat die Medizinische Universität in Graz die 2G-Regel eingeführt, in Wien und Innsbruck gilt sogar die 1G-Regel. Entscheidend für diese "Impfpflicht durch die Hintertür", wie sie der Vizepräsident der Medizinischen Universität Innsbruck, Professor Peter Loid, nennt, seien aber nicht die Entscheidungen der Hochschulen. Bereits zu Beginn des Medizinstudiums müssten die Studierenden Praktika in Krankenhäusern absolvieren. In mehreren Bundesländern wurde in den vergangenen Wochen eine Impfpflicht für medizinisches Personal eingeführt.

"Für unsere Studierenden bedeutet das: Sie müssen geimpft sein, ansonsten können sie die obligatorischen Praktika in den Krankenanstalten nicht absolvieren", sagt Loidl. Ausnahmen gebe es lediglich für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Für sie gelte die Testpflicht.

Zwischen 80 und 95 Prozent der Erstsemester geimpft

Dass die Zahl der Studierenden wegen der strikten Regelung zurückgehen könnte, fürchtet er allerdings nicht. "Die Plätze im Medizinstudium sind immer hart umkämpft. Jeder, der das Aufnahmeverfahren durchlaufen hat und einen Platz angeboten bekommt, wird diesen auch annehmen."

Auch hinsichtlich der Impfquote zeigt sich Loidl optimistisch. Wer den Studienplatz annimmt, muss online einen Impfnachweis hochladen. Bisher seien 80 Prozent der Erstsemester geimpft. In Wien sogar knapp 95 Prozent. Ungeimpfte plant die Uni Innsbruck in einer "hausinternen Impfaktion" zu immunisieren. In Wien erhalten Betroffene Gutscheine für die Impfstraße.

Dasselbe gilt für Studierende aus dem Ausland, die mit einem Vakzin geimpft sind, das in Österreich nicht zugelassen ist. Laut Gesundheitsministerium werden aktuell die Impfstoffe von Moderna, Astrazeneca und Biontech/Pfizer anerkannt. Wer etwa mit Sputnik V geimpft ist, aber in Österreich Medizin studieren möchte, wird mit einem der zugelassenen Impfstoffe nachträglich noch einmal immunisiert. Allerdings handele es sich hierbei um Einzelfälle.

Für den Unterricht an den Hochschulen ohne Patientenkontakt gilt weiterhin die 3G-Regel. Sollte sich die Pandemie-Lage verschärfen, könne auch der Hochschulbetrieb sofort auf 1G umgestellt werden, teilte die medizinische Universität Wien mit.

Debatte um 1G an österreichischen Hochschulen

Im August hatten sich Direktoren verschiedener Hochschulen, darunter aus Klagenfurt und Salzburg, für eine Verschärfung der Corona-Regelungen auf dem Campus ausgesprochen und mit dem Gedanken gespielt, nur geimpfte Studierende für Präsenzveranstaltungen zuzulassen. Die 1G-Regel sei leichter zu kontrollieren, so das Argument. Bildungsminister Faßmann hält diesen Vorschlag angesichts des Wunsches nach mehr Präsenzlehre für verständlich. Rechtlich gebe es keine Bedenken, allerdings sieht Faßmann die Umsetzung kritisch und plädiert stattdessen weiterhin für eine systematische 3G-Regel.

Gegenwind gab es von Hochschulvertretern und aus der Politik. Der Rektor der Universität in Linz sagte dem österreichischen Fernsehsender ORF: "Ich glaube, dass es einen riesen Unterschied macht, ob man den Zugang zur Nachtgastronomie von 1G oder 2G abhängig macht, oder ob man ein Bildungsangebot, auf das junge Menschen angewiesen sind, davon abhängig macht, dass sie geimpft sind. Das sind zwei ganz grundlegend unterschiedliche Dinge, und die sollte man auch auseinanderhalten."

Auch die liberale Partei Neos lehnt eine 1G-Regelung an Hochschulen ab. Genesene dürften nicht ausgeschlossen werden. Wichtiger sei es dagegen, Nachweise streng zu kontrollieren.

Quellen: ORF, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Kurier

Mehr zum Thema

Newsticker