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WHO zu Ebola: Was bedeutet der ausgerufene Notstand für Deutschland?

Die Lage in Westafrika spitzt sich zu, die WHO erklärt Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall. stern erklärt, was das bedeutet und welche Folgen es hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Ebola-Epidemie in Westafrika als internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Es sei der bis jetzt schlimmste Ausbruch weltweit, sagt WHO-Chefin Margaret Chan am Ende einer zweitägigen Krisensitzung von Experten. Was bedeutet die Einstufung? Und welche Auswirkungen hat sie für Deutschland? Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist ein internationaler Gesundheitsnotfall?

Im Fall von sehr ernsthaften Krankheiten, die sich grenzüberschreitend ausbreiten können und daher abgestimmte Gegenmaßnahmen nötig machen, kann die WHO einen internationalen Gesundheitsnotfall (Public Health Emergency of International Concern, kurz PHEIC) ausrufen. Festgehalten ist das im Regelwerk für internationale Gesundheitsvorschriften. Es legt Maßnahmen und Vorschriften zur Verbesserung der Weltgesundheit fest und ist 2007 in Kraft getreten.194 Staaten, darunter auch Deutschland, haben sich darauf geeinigt.

Über die Ausrufung eines PHEIC entscheidet ein Gremium aus WHO-Experten. Verbunden damit sind Empfehlungen an betroffene und nicht-betroffene Staaten zur Bekämpfung der fraglichen Krankheiten. Auch Empfehlungen für den Post-, Güter- und Personenverkehr können ausgesprochen werden.

Warum ruft die WHO diesen aus?

Die Ebola-Epidemie in Westafrika dauert schon lange an, das Virus breitet sich immer weiter aus. Rund 1000 Todesfälle sind mittlerweile zu beklagen. Indem sie den internationalen Gesundheitsnotfall ausruft, greift die WHO nun zu ihrem stärksten Instrument, um die Epidemie einzudämmen. Sie kann nun verbindliche Vorschriften erlassen.

Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisiert das bis jetzt viel zu zögerliche weltweite Vorgehen. "Es hat Leben gekostet, dass zu langsam gehandelt wurde", erklärt die Hilfsorganisation. Nötig sei jetzt, dass alle Staaten mit Möglichkeiten zur Eindämmung der Krankheit diese auch komplett einsetzen. Seuchenexperten müssten ebenso entsendet werden wie Material. Gesundheitsversorgung, Ausbildung des medizinischen Personals und Seuchenkontrolle seien einige der Dinge, die drastisch verbessert werden müssten.

Was genau ist nun möglich?

Möglich wären unter anderem Quarantäne-Maßnahmen, darunter die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. So weit wollen die Notfall-Experten aber zunächst noch nicht gehen. Bislang seien keine generellen Verbote im Reiseverkehr oder im internationalen Handel erforderlich, heißt es.

Reisende müssten aber obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen informiert werden. Alle Staaten sollten zudem vorbeugende Maßnahmen treffen, um Ebola-Fälle rasch erkennen und Infizierte isolieren und behandeln zu können. Dazu gehöre an Flughäfen und internationalen Bahnhöfen sowie Grenzübergängen die Untersuchung von Reisenden aus Regionen, die von Ebola betroffen sind.

Die Öffentlichkeit müsse ständig über die Entwicklung der Epidemie und geeignete Maßnahmen für den Selbstschutz informiert werden. "Regierungen sollten auch auf die Rückführung von Bürgern vorbereitet sein, die möglicherweise Ebola ausgesetzt waren, darunter zum Beispiel medizinisches Personal", heißt es weiter. Alle Staaten sind verpflichtet, jedweden Erkrankungsfall, bei dem auch nur ein Anfangsverdacht auf Ebola besteht, der WHO zu melden und umgehend entsprechende Tests durchzuführen.

Die Regierungen der direkt betroffenen Länder wurden von der WHO aufgerufen, wo noch nicht geschehen umgehend den nationalen Notstand zu erklären. Die gesamte Bevölkerung müsse alarmiert und in den Kampf gegen die Epidemie einbezogen werden. Zugleich wird die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die betroffenen Staaten umfangreich zu unterstützen - mit Geld, Medikamenten, medizinischen Einrichtungen und Fachkräften.

Was bedeutet das für Deutschland?

Die Ausrufung des internationalen Notstands hat keine konkreten Auswirkungen für Deutschland. Nicht von der Epidemie betroffene Staaten wie Deutschland werden von der WHO lediglich allgemein aufgefordert, sich auf mögliche Ebolafälle vorzubereiten und entsprechende Strukturen vorzuhalten. Das sei in Deutschland ohnehin der Fall, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Die EU-Kommission schätzt die Gefahr einer Ausbreitung der Epidemie in Europa als "extrem gering" ein.

Gab es solche Notfälle früher schon einmal?

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist der dritte Gesundheitsnotfall, den die WHO ausgerufen hat. 2009 verhängte sie einen PHEIC wegen der Schweinegrippe (H1N1), im Mai dieses Jahres einen wegen einer Polio-Epidemie, die sich in Afrika, dem Nahen Osten sowie Zentralasien ausbreitet.

lea/AFP/DPA / DPA

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