HOME

Ebola-Epidemie in Westafrika: EU-Kommission schätzt Risiko für Europa als gering ein

Die Weltgesundheitsorganisation hat Ebola zum internationalen Gesundheitsfall erklärt. Es sei die "schlimmste Epidemie dieser Art seit vier Jahrzehnten". Die USA rufen Diplomaten aus Liberia zurück.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist von den Seuchen-Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als internationaler Gesundheitsnotfall eingestuft worden. Damit kann die Organisation jetzt weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen. Möglich sind unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. Eine koordinierte internationale Antwort sei nötig, um eine weltweite Ausbreitung des Virus zu stoppen, so die WHO nach einer zweitägigen Krisensitzung in Genf. Es handele sich um die schlimmste Epidemie dieser Art seit vier Jahrzehnten.

Die EU-Kommission schätzt das Risiko einer Ausbreitung der Ebola-Seuche in Europa aber als niedrig ein. Eine solche Gefahr sei "extrem gering", erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag in Brüssel. Borg begründete seine Einschätzung damit, dass zum einen relativ wenige Menschen in die EU einreisten, die mit dem Virus infiziert sein könnten. Zum anderen könne man sich nur über den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten anstecken. Borg wies zudem auf die sehr hohen Standards des Gesundheitssystems und der Vorsorge in der EU hin. "Die EU hat die Situation in Westafrika seit vielen Monaten verfolgt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ebola die EU erreicht, sind wir darauf vorbereitet, dem Virus entgegenzutreten."

Derzeit hält das Notfall-Komitee noch keine weltweiten Verbote im Reiseverkehr für nötig. Reisende müssten aber obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung informiert werden, heißt es in den Empfehlungen. Ebola-Patienten sollen demnach nur in Ausnahmefällen reisen dürfen, wenn eine medizinische Behandlung vor Ort nicht hinreichend möglich ist. Die Regierungen der betroffenen Länder werden aufgerufen, umgehend den nationalen Notstand auszurufen.

Neues Mittel weckt Hoffnungen

Unterdessen geht die Suche nach einem wirksamen Medikament weiter. Nachdem US-Präsident Obama den Einsatz des Serums "ZMapp" in Westafrika als voreilig abgelehnt hat, ruhen die Hoffnungen nun auf einem anderen, ebenfalls noch nicht zugelassenen Mittel. Die US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA hat die Beschränkungen für das Medikament "TKM-Ebola" gelockert. Wie die Firma Tekmira mitteilte, könnte das Mittel damit an infizierten Patienten in Westafrika getestet werden. Zuvor war es nur für klinische Tests zugelassen.

Nach Angaben von Tekmira zeigten Versuche mit Affen, dass das Mittel "hundertprozentig" gegen das Virus wirke. Es wurde gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium entwickelt. Bislang gibt es kein wirksames Medikament oder einen Impfschutz gegen die Krankheit.

USA rufen Diplomaten aus Liberia zurück

Das Virus hatte sich seit Anfang des Jahres von Guinea aus nach Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Nach Angaben der WHO starben bislang in Westafrika 932 Menschen an dem aggressiven Erreger. Mehr als 1700 Menschen infizierten sich. WHO-Experten wollen am Freitag in Genf mitteilen, ob Ebola zur internationalen Krise ausgerufen werden soll.

Die USA haben die Familien ihrer Diplomaten in Liberia aufgefordert, wegen der Epidemie das Land in den kommenden Tagen zu verlassen. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, teilte das US-Außenministerium mit. Zugleich gab es bekannt, dass die USA zwölf Spezialisten nach Monrovia schicken, um den liberischen Behörden bei ihren Bemühungen um die Eindämmung der Seuche zu helfen. Zudem werde ein 13-köpfiges Katastrophenhilfeteam der US-Hilfsorganisation USAID nach Liberia entsandt. US-Bürgern riet das Außenministerium in einer Reisewarnung von nicht notwendigen Reisen in das westafrikanische Land ab.

car/DPA/AFP / DPA

Wissenscommunity