Bevor Instagram, TikTok und Co. über Hypes und Trends bestimmten, war es die "Bravo", die vorgab, wer gerade angesagt war. So war sie für aufstrebende junge Bands, Sängerinnen und Sänger oft der nötige Karriereanschub - teilweise mit bitterem Beigeschmack. 70 Jahre hat das legendäre Jugendmagazin inzwischen auf dem Buckel. Die dreiteilige Doku-Serie "BRAVO - Headlines, Hypes und Herzschmerz", die am 23. Mai in der ARD-Mediathek startet, fokussiert die Entwicklung der Zeitschrift zwischen 1991 und 2015. In dieser Zeit erlebte das Heft mit bis zu 1,5 Millionen verkauften Ausgaben pro Woche den größten Boom - bis das Zeitalter der Influencer anbrach.
Die Perspektive der Promis und der Leserschaft
Die Doku-Serie widmet sich in jeder der drei Episoden einem eigenen Jahrzehnt. Begonnen wird in den 1990er Jahren: Das Jugendmagazin war ganz nah dran an den Stars - und das exklusiv. Die "Bravo" berichtete nicht nur über sie, sondern hatte auch massiven Einfluss darauf, wer erfolgreich wurde. "Was in der 'Bravo' stand, war Gesetz", erinnert sich Sängerin Jasmin "Blümchen" Wagner in der Doku. "Das war die Wahrheit. Das hat man einfach nicht infrage gestellt." Dennoch sah es hinter den Kulissen oft anders aus. Intime Fragen über das erste Mal, exklusive Homestorys und inszenierte Datinggeschichten waren Teil des Erfolgsrezepts.
Angelo Kelly berichtet von einer vertrauten Zusammenarbeit mit exklusiven Einblicken in das Leben der Kelly Family. Oliver Petszokat erinnert sich an seinen Erfolg als Oli.P mit "Flugzeuge im Bauch". Mit dabei sind außerdem Jeanette Biedermann, Senna Gammour, Eko Fresh und YouTuber Liont.
Moderatorin Ariana Baborie, Influencerin Gazelle Vollhase und Comedian Aurel Mertz blicken zurück als jugendliche "Bravo"-Fans - fernab des Rampenlichts. In der Kulisse eines klassischen Jugendzimmers der 2000er Jahre blättern sie in alten Ausgaben. Manche Passagen lesen sie laut vor und werfen einen kritischen Blick aus heutiger Sicht darauf.
Hinter den Kulissen von "Dr. Sommer"
Auch Alex Gernandt schildert die Medienwelt dieser Zeit, in der die Jugendzeitschrift ihre Hochzeit erlebte. Er war von 1999 bis 2012 stellvertretender Chefredakteur der "Bravo" und im Anschluss bis 2013 Chefredakteur. Zuvor war er als Redakteur und Reporter für die Zeitschrift tätig. Jutta Stiehler gehörte viele Jahre zum Team von "Dr. Sommer" und berichtet von den zahlreichen Jugendlichen, die sich mit ihren Problemen an die berüchtigte "Bravo"-Rubrik wandten. Sie erzählt aus der Zeit, in der "Dr. Sommer" für viele Teenager die einzige Anlaufstelle war, wo sie Fragen zur Aufklärung und Sexualität stellen konnten.
Inzwischen können sich Stars und Prominente dank Social Media selbst inszenieren und eine Reichweite schaffen. Anstatt "Dr. Sommer" zu fragen, findet man heute überall in den Tiefen des Internets mehr oder weniger hilfreichen Rat, zur Not auch von einer KI. Nichtsdestotrotz hat die "Bravo" bis heute einen Kultstatus inne, den die Doku nicht nur schildert, sondern auch an entsprechenden Stellen einordnet und dennoch Raum für die eigene Meinung lässt.
Neben der ARD-Mediathek schwelgt das Erste am 1. Juni in den Erinnerungen an die Glanzzeiten der "Bravo". Um 23:05 Uhr wird die erste Episode von "BRAVO - Headlines, Hypes und Herzschmerz" ausgestrahlt. Das komplette Nostalgie-Paket gibt es dann noch am 3. Juni, ab 22:15 Uhr im WDR.