Ausstellung "Mickey Mouse trifft Spider-Man"

Wie Spider-Man, Tarzan und Wallace & Gromit laufen lernten: Vom 15. Mai bis zum 10. August zeigt das Berliner Filmmuseum die Entwicklung des Trickfilms vom klassischen Zeichentrick bis zur 3D-Computeranimation.

Bambi, Mickey, Dumbo, Shrek und der kleine Eisbär: All diese liebenswerten Kreaturen haben sich jetzt im Berliner Filmmuseum versammelt, um den Besuchern die Geschichte des Zeichentrickfilms zu erzählen. Unter dem Titel «Mickey Mouse trifft Spider-Man» dokumentiert das Museum am Potsdamer Platz die Entwicklung des Animationsfilms in den Jahren 1914 bis 2002 vom klassischen Zeichentrick bis zur 3D-Computeranimation.

Zu sehen sind Entwürfe, Phasenzeichnungen und Storyboards von Originalarbeiten zu Oscar-nominierten oder mit einem Oscar ausgezeichneten Animationsfilmen, von denen der größte Teil aus der Walt-Disney-Schmiede stammt. An Beispielen wie dem Kinderfilm «Der kleine Eisbär» oder der «Sendung mit der Maus» wird außerdem erklärt, wie ein Zeichentrickfilm entsteht. Die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles zusammengestellte Schau ist vom 15. Mai bis 10. August geöffnet.

Erster Abend füllender Trickfilm stammt aus Deutschland

Zu sehen ist auch Walt Disneys berühmter Kurzfilm «Steamboat Willie», in dem 1928 Mickey Mouse ihren ersten Auftritt hatte. Gezeigt wird dazu auch eine original Bleistift-Zeichnung. Für seine Mickey Mouse bekam Disney 1931 seinen ersten Oscar, 21 weitere folgten. Dabei stammt der erste Abend füllende Trickfilm tatsächlich aus Deutschland, wie Ausstellungskurator Rolf Giesen am Mittwoch erklärte. Lotte Reininger schuf in den Jahren 1923 bis 1926 die «Abenteuer des Prinzen Achmed» als Scherenschnitt-Animation.

Heute lebten sowohl der in der kommenden Woche startende Actionthriller «Matrix - Reloaded» als auch der Kinderfilm «Der kleine Eisbär» von Animation, sagte Giesen. Die Ausstellung zeigt, wie der kleine Eisbär Lars laufen lernt - von der ersten Zeichnung des tapsigen Tieres bis zur fertigen Handlung. Am Beispiel von Spider-Man wird erklärt, wie echte Schauspieler per Computer animiert werden. Auch Bleistift- und Federzeichnungen für die Knetfiguren Wallace & Gromit sind ausgestellt.

Vom Einzelbild zur Computer-Animation

Früher entstanden die Filme an einem Tricktisch samt Spezialkamera mit Einzelbildschaltung und Blendautomatik. Die transparenten Folien mit den Figuren wurden gegeneinander verschoben und bewegt. Durch Einzelbildaufnahmen der gezeichneten Phasenbilder und die Wiedergabe mit 24 Bildern pro Sekunde im Kino wurden Mogli oder Schneewittchen und ihren sieben Zwergen dann Leben eingehaucht. Heute würden die fertigen Zeichnungen einfach gescannt und dann im Computer weiterverarbeitet, sagt Giesen.

Neben den Produktionsentwürfen sind in der Ausstellung zahlreiche Filmausschnitte zu sehen. Dabei tritt unter anderem auch die Dinosaurier-Dame Gertie aus dem Jahr 1914 auf. Mary Poppins fliegt über das Haus, Tarzan hangelt sich von Liane zu Liane und Spider-Man spinnt sich durch die Hochhausschluchten. Die Zeiten, in denen Animationsfilme vor allem Kinder begeisterten, sind lange vorbei.

Elke Vogel

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