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Jungstar Shailene Woodley: "Wenn ich keinen Spaß mehr habe, höre ich auf"

Sie ist Hollywoods neuer Jungstar, aktuell in "Die Bestimmung - Divergent" im Kino zu sehen. Eine Begegnung mit Shailene Woodley. Reizend, aber sehr kurz – sie leidet gerade an einer fiesen Erkältung.

Von Matthias Schmidt

Sie wirkt wie ein Häuflein Elend, das neue It-Girl. Shailene Woodley mag als die große Hoffnung Hollywoods gelten. Als legitime Fußstapfenfolgerin von Jennifer Lawrence und heißer Scheiß aus Kalifornien, künstlerisch wie kommerziell. Gerade eben aber schleppt sich die 22-Jährige mühsam in eine Berliner Hotelsuite. Wollmütze auf dem Kopf, dicker Schal um den Hals - eine schwere Erkältung offensichtlich. Trotzdem traut sie sich zu den Interviews für ihren Sci-Fi-Thriller "Die Bestimmung - Divergent", einem der zwei Filme, die sie dieses Jahr zum Teenie-Star machen werden. Kristen Stewart hätte in solch einem Zustand alle Termine abgesagt, flüstert die Pressebetreuerin noch anerkennend, dann geht es los. Shailene, berühmt-berüchtigt als notorische Umarmerin, verweigert selbst einen Händedruck. Sie will schließlich niemanden anstecken...

Hallo Shailene. Danke, dass Sie sich das trotzdem antun. Wie fühlt sich der ganze Hype um Ihre Person gerade an?
Oh, ganz toll. Ich genieße das total. Aber wenn man so krank ist wie ich gerade, will man nur ins Bett und schlafen.

Gibt es dagegen keine Heilkräuter? Sie sind angeblich eine große Anhängerin von Naturheilkunde und mixen sogar ihre Zahnpasta selbst.


Kräuter sind meine Allheilmittel, sie machen mein Leben besser. Aber wenn ich in einem fremden Land bin, fällt mir das schwer. Man hat mir vorhin diese Drops in die Hand gedrückt. Können Sie mir übersetzen, was da auf der Packung steht?

Nun, das sind Bonbons mit Salbei. Gut gegen Halsweh, aber wohl kaum gegen einen grippalen Infekt. Zumindest hilfreich, um noch mehr Interviews zu geben.


Ich war wirklich pausenlos auf Achse in den letzten Wochen. Gerade noch in London, davor in Las Vegas, Mexiko, New York, Toronto, Chicago. Uff!

Und vor "Divergent" haben Sie sieben Jahre lang ohne Unterbrechung einen Film nach dem anderen gedreht.


Stimmt. Nur um den Jahreswechsel hatte ich mal kurz Ruhe. Die hab ich zum Couch Surfing genutzt. Ich habe alle meine Freunde in Los Angeles besucht und ein paar Nächte auf deren Sofas verbracht. Herrlich.

Nach dem Erfolg von "Divergent", der in den USA bereits 115 Millionen Dollar eingespielt hat, werden Sie in Zukunft eher noch mehr arbeiten.


Das mag sein. Im Sommer geht's gleich weiter mit den Dreharbeiten für Teil 2. Und im Anschluss an die "Divergent"-Premieren startet schon die Promo-Tour für meinen nächsten Film. Aber ich muss trotzdem irgendwie schaffen, zwischendurch Urlaub zu machen. Sonst werde ich wieder krank.

Ihr nächster Film. Das ist die Verfilmung des weltweit erfolgreichen Jugendromans "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Die herzzerreißende Liebesgeschichte zweier Teenager, die sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten treffen (deutscher Start am 5. Juni). Und wer Woodley als taffe Amazone in enger Lederkluft und mit wehender Mähne in "Divergent" gesehen hat, wird sie kaum wiedererkennen.
Ihr Handwerk gelernt hat sie in vielen Werbeclips und in TV-Serien wie "Crossing Jordan", "Alle lieben Raymond" oder "CSI: NY". Entdeckt schon als Fünfjährige von einem Agenten und sofort unter Vertrag genommen. Ihren kreativen Durchbruch erlebte sie als Filmtochter von George Clooney in "The Descendants", jenem mit zwei Golden Globes und dem Drehbuch-Oscar ausgezeichneten Familiendrama von Alexander Payne.

Sie haben mal gesagt, sobald die Schauspielerei mehr wird als ein schönes Hobby, würden Sie sofort aussteigen. Dafür ist es jetzt wohl zu spät.


Wieso? Das ist noch immer jederzeit möglich. Falls ich irgendwann keinen Spaß mehr habe, höre ich auf. Alles im Leben sollte Freude machen und sich nicht nach Pflichterfüllung anfühlen.

Dennoch ist die Schauspielerei für Sie gerade ein sehr ernsthafter Job.


Total. Ich mache nichts anderes mehr. Und habe Spaß daran.

Gibt es dafür ein Rezept?


Bleib du selbst. Und umgib dich mit Menschen, die du wirklich liebst. Meine Make-Up-Frau ist gleichzeitig meine beste Freundin. Toll, dass ich mit ihr um die Welt reisen kann. Sie ist mein Fels in der Brandung, mein emotionales Zuhause.

Ähnlich wie Jennifer Lawrence ist Woodley keine Schönheit auf den ersten Blick. Ihr ovales Gesicht mit dem prägnanten Kinn und den Pausbäckchen macht sie jünger. Und niedlicher. Dabei gibt es unzählige Berichte über das zähe Outdoor-Mädchen Shailene, das viel wandert und alle möglichen Überlebenskniffe beherrscht.

Die Hauptrolle in "Divergent" haben Sie angeblich auch deshalb bekommen, weil Sie schon vorher hart drauf waren. Inklusive Survival-Tricks und den Umgang mit Pistolen.


Nun, sagen wir mal so: Ich interessiere mich schon eine Weile für amerikanische Ureinwohner und indigene Kulturen. Wie harmonisch sie mit dem Land und der Natur umgehen und zusammen leben. Also habe ich mir nach und nach Wissen über die Wildnis angeeignet und Survival-Fähigkeiten erlernt.

Waren Sie dafür in einem Indianer-Reservat?


Nein, leider noch nie. Aber ich habe Bücher gelesen, im Internet recherchiert, mir Dokumentationen angeschaut und mich mit Experten unterhalten. Und dann bin ich mit Gleichgesinnten in die Wildnis.

Dieselben Leute, die glauben, der Untergang unserer Zivilisation stehe kurz bevor?


Sie meinen "Prepper". In meiner Gruppe waren einige dabei. Aber so apokalyptisch denke ich nicht. Für mich ist das nur ein netter Zeitvertreib.

Was ist am schwersten?


Feuer machen?

Wirklich?


Ja, man muss Holzstöcke ganz fest aneinander reiben, dafür braucht man Muskeln. Unterschlüpfe bauen ist dagegen einfach. Oder ein Seil herstellen.

Wie macht man ein Seil?


Du suchst dir eine faserige Pflanze und flickst daraus eine Art Tau. Das lässt sich dann für alles Mögliche verwenden. Regenschutz konstruieren, kleine Tiere einfangen.

Gut vorstellbar, dass Ihr Regisseur davon beeindruckt war.


Ja, ich glaube, er war auch ein wenig geschockt, dass ein Mädchen wie ich so was kann. Nicht, dass ich wirklich so leben würde. Ich schlafe zuhause auf einer normalen Matratze, nicht auf einem Bett aus Blättern.

Und Sie können auch schießen?


Ja, für die Jagd. Du musst Feuerwaffen respektieren, weil sie sehr gefährlich sind. Aber in den USA kommt man viel leichter mit Schusswaffen in Kontakt als in Europa. Und ich bin halt mit Onkel und Tante auf die Jagd gegangen.

Ihr Manager Nils, der im Hintergrund sitzt, wird langsam unruhig. Während seine Klientin munter vor sich hin plaudert, macht er sich Sorgen um ihre Gesundheit und Ausdauer. Schließlich stehen im Laufe des Nachmittags noch drei weitere Interviews auf dem Plan. Also: Schluss machen, Jungstar schonen. Sie hat das sehr gut gemacht. Wie alles, was sie gerade anfängt. Wir fühlen uns: umarmt.