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Architektur: Italiener baut Berlins Stadtschloss

Das neue Herzstück der deutschen Hauptstadt entwirft ein Italiener: Der Architekt Francesco Stella wird das neue Berliner Stadtschloss bauen - ein Beschluss, der den Initator des Riesenprojektes einfach nur "überglücklich" macht.

Ein Italiener baut das Berliner Stadtschloss der Hohenzollern mit den Barockfassaden und der Kuppel wieder auf. Die Jury aus Architekten und Politikern hat sich einstimmig für den Architekten Francesco Stella aus Vicenza entschieden und ihm das Jahrhundertprojekt in der deutschen Hauptstadt anvertraut, teilten Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Freitag in Berlin mit. Der Initiator des Schlossprojekts, Wilhelm von Boddien, zeigte sich "überglücklich". Der Entwurf erfülle alle städtebaulichen Voraussetzungen. "Klasse!", rief von Boddien.

Neumann würdigte den Siegerentwurf als "schlüssiges und tragfähiges Gesamtkonzept". Er besteche durch "eine kluge architektonische Verknüpfung von Alt und Neu, von moderner Nutzung und der Rekonstruktion des ehemaligen Schlosses". Der erste Preis werde in optimaler Weise dem Beschluss des Deutschen Bundestages gerecht, der die Wiedererrichtung der barocken Fassaden der Nord-, West- und Südseite sowie von drei Fassaden innerhalb des Schlüterhofes und eine Rekonstruktion der historischen Kuppel vorsehe.

Das Gebäude soll als Humboldt-Forum drei der vier Barockfassaden des einstigen Hohenzollern-Schlosses erhalten und von 2010 bis 2013 für 552 Millionen Euro errichtet werden. Das um 1700 von Andreas Schlüter erbaute Stadtschloss war über Jahrhunderte Residenz der Preußen-Könige. 1950 wurde die im Krieg schwer beschädigte Ruine vom SED-Regime gesprengt. An ihre Stelle trat der Palast der Republik.

Mit dem Neubau erhält die Berliner Mitte nach jahrelangen Debatten und nach dem Abriss des Palastes der Republik wieder ihr städtebauliches Herzstück zurück. Für die letzte Runde des Wettbewerbs hatten sich 30 Architekturbüros qualifiziert. Der Bundestag hatte bereits 2002 den Wiederaufbau des Schlosses mit den Originalfassaden beschlossen. Lediglich an der Ostseite ist eine freie Gestaltung möglich.

In dem Schlossgebäude mit 40 000 Quadratmetern Nutzfläche wird das "Humboldt-Forum" als ein Schaufenster für Kultur und Wissenschaft errichtet. Dort sollen die außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen sowie eine Auswahl aus den wissenschaftlichen Archiven der Humboldt-Universität und Bestände der Landesbibliothek gezeigt werden.

DPA / DPA