VG-Wort Pixel

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier Post von Beisenherz: Lieber Uli Hoeneß

Uli Hoeneß
Uli Hoeneß feiert seinen 70. Geburtstag
© Marijan Murat / DPA
Es gibt wenige Figuren im deutschen Fußball, die so streitbar sind wie Uli Hoeneß. Nun feiert der frühere Bayern-Manager seinen 70. Geburtstag. Micky Beisenherz gratuliert mit dieser Würdigung.

Lieber Uli Hoeneß,

wie feiern Sie wohl heute ihren Geburtstag? Hat Brazzo einen Kuchen gebacken? Wessen Karte landet ungelesen im Müll? Bringt eine Schulklasse aus dem Dorf ein Ständchen in Latzhosen vorm Haus oder schmeißen ein paar Halbstarke Farbbeutel?

Ein Drachen, der die Flammen der Kerzen ausbläst. Absurd eigentlich.

Micky Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier

Mein Name ist Micky Beisenherz. In Castrop-Rauxel bin ich Weltstar. Woanders muss ich alles selbst bezahlen. Ich bin ein multimedialer (Ein-)gemischtwarenladen. Autor (Extra3, Dschungelcamp), Moderator (ZDF, NDR, ProSieben, ntv), Podcast-Host ("Apokalypse und Filterkaffee"), Gelegenheitskarikaturist. Es gibt Dinge, die mir auffallen. Mich teilweise sogar aufregen. Und da ständig die Impulskontrolle klemmt, müssen sie wohl raus. Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz. Die Rasierklinge ist mein Dancefloor. Und soeben juckt es wieder in den Füßen.

Als Willy Brandt Kanzler war, waren Sie pfeilschneller Stürmer für den FC Bayern. Ein Schwabenbeckham in knappen Shorts. In den Achtzigern wurden Sie zum grantigen Wurstgesicht mit Christdemokratenfigur, das alles wegbiss, was sich nicht bei drei auf das Silbertreppchen trollte. So Typen wie Sie verscheuchen einen von Hinterhöfen, weil man da nicht parken darf.

Ihre allianzarenarote Birne schlägt jeden Lügendetektor. Keine Palme, auf die man sie noch nicht gebracht hätte.

Dieser Garfield aus Bayern hat elf Leben. Und in keinem hat er es ruhig gehabt. Flugzeugabsturz. Daum-Affäre. Knast. Gefühligkeit und Größenwahn.

Sie sind ein Geizhals, der für ein paar lausige Penunsen wildfremde Fans zum "Frühstück mit Uli Hoeneß" in sein Haus eingeladen hat, worauf die eigene Frau vierschrötigen Gesellen in Kutten Butterstullen servieren musste. Und dann doch wieder still schweigender Wohltäter, der mit Millionen sogar Konkurrenten rettet.

Der FC Bayern München als Robbenaufzuchtsstation

Für strauchelnde Weggefährten haben Sie den FC Bayern zur Robbenaufzuchtsstation gemacht, weil Ihr weiches Herz kein Leid erträgt. Die Tausenden toten Arbeiter in Katar rechnen Sie kühl auf zehn Jahre an, als könne man die abschreiben wie ein neues Bolzenschussgerät.

Für uns Fußballfans waren Sie früher schlimmer als Saddam Hussein! Der Dusel-Diktator von der Säbener Straße. Heute rühren Sie uns. Wie Sie sich im modernen Blattgoldfußball wie Don Quixote gegen die kristallbesetzten Windmühlen von Chelsea-Russen, City-Scheichs und Kopf-ab- Saudis wehren. Und dieser Gezeter auf der Jahreshauptversammlung, irgendwo zwischen AG und KP.

Weltkonzern und Wurstkorb. Laptop und Leberkäse. Wo wollen Sie eigentlich hin? Sie sind wie ein Killer, der bei Pilcher weint. Wahrscheinlich essen Sie Schokolade nur heimlich, damit der Hund nicht zugucken muss.

In diesem Jahr feiern auch andere ihren Siebzigsten Geburtstag. Hansi Kraus, Wolfgang Kubicki, Stefan Zauner. Ein Leben zwischen Lausbub, Münchener Freiheit und Kneipenpöbler.

Ihre Wahrheiten sind wie Würste – Hauptsache, es schmeckt

Sie sind wie eine Vinylplatte, bei der man nach den tollen Hits auch die schrecklichen Lieder hören muss. Und dann wieder auf die schönen hoffen darf. Man möchte Ihnen eine Schachtel Merci schenken. Und dann in den Hintern treten.

Was erzählen Sie bloß immer für ein Zeug! Eine Ausdrucksweise, so schlampig wie eine Faxmaschine mit verschmierter Tinte. Da, wo die anderen längst so glatt sind wie die Oberfläche eines iPad.

Ihre Wahrheiten sind wie Würste. Hauptsache, es schmeckt. Was drin ist, wollen Sie selbst gar nicht so genau wissen. Sie sind wie der gütige Opa, der uns in den Arm nimmt und heißen Kakao macht –  und dann unser Lieblingskaninchen hinterm Stall mit der Schüppe kaputt haut.

Mal Merkel, mal Mielke! Was stimmt mit Ihnen nicht! Wer zur Hölle glauben Sie eigentlich, wer Sie sind! Der Zeus vom Tegernsee?!

Ich mag  Sie. Sie sind genauso fehlerhaft wie wir. Der knallrote Januskopf. Eine Legende der Leidenschaft. Ein Tastender zwischen Tugend, Trotz und Tölpelei. Eine Trümmerfrau. Und ein Windmühlenmann. Der Terminator im Körper von Mutter Beimer.

Darf man falsch hineinfahren in eine Einbahnstraße, die nach einem selbst benannt wurde?

Herzlichst, Ihr Franz Josef Beisenherz

Mehr zum Thema

Newsticker