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Gershwin-Preis für Ex-Beatle McCartney: Ein Ständchen für die First Lady

90 Minuten lang hat British Pop am Mittwochabend die Sorgen um British Petroleum im Weißen Haus verdrängt. Anlass des Konzerts war die Verleihung des Gershwin-Preises an Paul McCartney. Der Ex-Beatle erhielt die Auszeichnung für seine Musikstücke, die einen wichtigen Beitrag "zur Überwindung kultureller, sozialer und nationaler Grenzen" geleistet hätten.

Davon träumte Paul McCartney seit langem: Einmal den Beatles-Song "Michelle" im Weißen Haus spielen. Am Mittwochabend erfüllte sich der Traum auf einem Konzert in Washington, bei dem US-Präsident Barack Obama den 67-Jährigen Briten für sein Lebenswerk als Musiker, Sänger und Komponist auszeichnete. Zahlreiche Stars interpretierten Beatleslieder für das Präsidentenpaar, das bei aller Feststimmung die Ölpest im Süden nicht vergaß.

McCartney spielte eine Reihe der berühmtesten Beatles-Songs, von denen er die meisten mit dem 1980 ermordeten John Lennon geschrieben hatte. Besonders freute ihn sein Ständchen für First Lady Michelle Obama, er spielte die Ballade "Michelle". "Das hat mich gejuckt, das mal im Weißen Haus zu spielen", sagte McCartney. "Ich hoffe, der Präsident kann mir verzeihen."

McCartney spielte noch weitere Klassiker wie "Eleanor Rigby", "Let It Be" und "Hey Jude", bevor berühmte Kollegen wie Stevie Wonder, Faith Hills, Elvis Costello und die Jonas Brothers ihm zur Seite sprangen und ihre Versionen legendärer Beatlesnummern vortrugen. Seine Songs begleitete der 67-Jährige mit seiner alten Bass-Gitarre, die er beim Auftritt der Beatles 1964 in der "Ed Sullivan Show" benutzt hatte - die Fernsehshow machte die Pilzköpfe mit einem Schlag in den USA berühmt.

McCartney zeigte sich sichtlich erfreut über den ihm verliehenen Gershwin-Preis: "Der Preis an sich ist ja schon toll, aber ihn von diesem Präsidenten zu bekommen...", sagte er mit sichtlich bewunderndem Unterton zu Obama. Dabei betonte er, dass er sich der schwierigen Zeiten bewusst sei, die Amerika wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko durchmache. "Obwohl wir alle wissen, dass Sie mit vielen schwierigen Problemen zu tun haben, sollten Sie doch wissen, dass Milliarden Menschen Sie unterstützen, und wir wissen, dass Sie es schaffen werden", sagte der Musiker.

Obama, dessen Regierung auch wegen der Unfähigkeit des Energiekonzerns British Petroleum (BP) bei der Bekämpfung der Ölpest unter enormem Druck steht, nahm sich dennoch die Zeit, McCartney für sein Lebenswerk zu loben. Sein Talent habe "Milliarden Menschen berührt". Es sei kaum vorstellbar, dass fast ein halbes Jahrhundert vergangen sei, seit "vier Jungs aus Liverpool bei uns ankamen und über Nacht alles änderten".

Der Präsident vergaß nicht, die von der Ölpest existenziell bedrohten Menschen im Golf von Mexiko zu erwähnen. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei unseren Freunden in einem anderen Teil des Landes, der auch ein reiches musikalisches Erbe hat", sagte Obama mit Blick auf New Orleans. Die Menschen am Golf "kämpfen mit etwas, das wir noch nicht kannten, das ist herzzerreißend". Aber, fügte der Staatschef hinzu, "Musik kann helfen, die schweren Zeiten zu überstehen".

Und so wurden am Mittwoch im Weißen Haus unvergängliche Beatles-Klassiker von einigen der größten Stars der USA zu Gehör gebracht. Stevie Wonder trug gemeinsam mit McCartney "Ebony and Ivory" vor, der schwarze Musiker sang außerdem eine wilde Variante von "We Can Work It Out". Elvis Costello spielte "Penny Lane", die Teenie-Gruppe Jonas Brothers versuchte sich an "Drive My Car" und Country-Star Faith Hill begab sich auf die "Long and Winding Road". "Sir Paul, Sie haben einige der schönsten Lieder geschrieben, die je ein Mensch auf der Welt gehört hat", sagte der Komiker Jerry Seinfeld, der den Abend mitorganisiert hatte.

AFP/APN