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Interview

Marc Rissmann: Dieser Deutsche ist der Neue bei "Game of Thrones"

Er ist der Neuzugang in "Game of Thrones". Der Deutsche Marc Rissmann spielt den Anführer der Goldenen Armee. Der stern sprach mit dem 38-jährigen Berliner über Geheimhaltung am Set, die Macht der Streamingdienste und wer bei einer deutschen Neuverfilmung die Drachenkönigin spielen sollte.

Neuzugang bei "Game of Thrones": Der Berliner Marc Rissmann greift in den Kampf um den Eisernen Thron ein

Neuzugang bei "Game of Thrones": Der Berliner Marc Rissmann greift in den Kampf um den Eisernen Thron ein

Am Montag startete auf Sky die neue und finale Staffel von "Game of Thrones". In der ersten Folge gab es keine Toten zu beklagen, stattdessen sah man sogar ein neues Gesicht: Harry Strickland, der Anführer der Goldenen Kompanie, die von Cersei angeheuert wurde. Gespielt wird der Kommandant von Marc Rissmann. Der 38-jährige Berliner ist nach Sibel Kekilli, Tom Wlashiha und Laura Pradelska der vierte Deutsche, der in Westeros mitmischt. Der stern traf Rissmann nach der Ausstrahlung der ersten Episode und sprach mit ihm über Geheimniskrämerei am Set, die Rolle der Streamingdienste und die deutsche Serienlandschaft.

Herr Rissmann, Sie scheinen den späten Auftritt zu lieben: Ihre Figur stößt erst in der letzten Staffel von "Game of Thrones" dazu, wenn der Hype um die Serie auf dem Höhepunkt ist. Ganz ehrlich: Kennen Sie das ganze Drehbuch?

Nein, ich habe nicht alle Drehbücher bekommen, sondern konnte nur die Passagen lesen, bei denen ich im weitesten Sinne involviert war. Ich bekam einen Link zugeschickt und nachdem ich mich eingeloggt hatte, löschte sich die Seite nach einer bestimmten Zeit. Das hatte so einen "Mission Impossible"-Charakter.

Es durfte bloß nichts durchsickern.

Die Geheimniskrämerei war gigantisch! Telefone waren am Set verboten und ständig läuft jemand mit einem Regenschirm herum, damit man nicht von Paparazzi aus den Bäumen fotografiert wird. Wir brauchten viel Security, um die Fotografen auf Distanz zu halten. An so einem Set sind bis zu 1000 Leute, insofern ist es eigentlich völlig verrückt, dass alles dicht hält.

Durften Sie wenigstens Ihrer Familie sagen, dass Sie in "Game of Thrones" mitspielen?

In der E-Mail stand, dass ich niemanden davon erzählen darf. Und ich fragte mich: Nicht einmal meiner Mama?

Naja, Sie können ja kaum für ein paar Monate ohne Erklärung verschwinden.

Die Dreharbeiten erstreckten sich insgesamt über ein Jahr. Ich wurde immer für einzelne Szenen eingeflogen. Das ist bei einem über die ganze Welt verteilten Cast aber völlig normal.

Ich lese Ihnen nun eine Charakterbeschreibung vor, die Ihnen vielleicht bekannt vorkommt: "Er sieht nicht wie ein Krieger aus, ist beleibt, hat grüne Augen und dünnes graues Haar, dass er seitwärts kämmt, um die kahlen Stellen zu kaschieren. Zudem beschwert er sich oft über Blasen an den Füßen aufgrund der langen Märsche…“

Ja, ich weiß um wen es geht. So wird Harry Strickland, meine Rolle in "Game of Thrones“, in den Büchern beschrieben.

Optisch sind Sie das komplette Gegenteil.

Ich habe mich auch gewundert und dachte mir: Was für eine krasse Transformation.

Warum sieht die Figur in der Serie völlig anders aus?

Es wurden schon zuvor Rollen adaptiert und Figuren zusammengefasst, insofern war das einfach eine Entscheidung der "Game of Thrones“-Macher.

Die Serie lebt von ihrer optischen Opulenz. Hatten Sie eine Lieblings-Kulisse?

Ja, die habe ich tatsächlich – aber welche es ist, kann ich leider nicht verraten.

Den Thronsaal haben Sie in der ersten Episode ja schon betreten, der ist es also schonmal nicht.

Ach, der war auch ganz schön.

Hand aufs Herz: Haben Sie nach Ende der Dreharbeiten was vom Set mitgehen lassen?

Nein!

Kit Harrington wollte unbedingt sein Schwert als Andenken behalten, durfte aber nicht. Deshalb hat er am Ende seine Handschuhe mitgenommen.

Wie lustig! Sowas habe ich mir nicht getraut. Aber Kit ist ja auch etabliert. Wenn Jon Schnee was mitgehen lässt, ist das wahrscheinlich okay.

Mir ist klar, dass Sie nicht verraten können, wie die Geschichte von Harry Strickland endet. Aber sagen wir mal so: Sie haben in Ihren vorherigen Rollen viele Erfahrungen im Sterben gesammelt. In einer Szene explodierte sogar Ihr Kopf mit einer Handgranate.

Ich hatte früher einen Clowns-Kurs besucht, in dem es auch eine Übung zum Thema Sterben gab. Ich sollte meinen eigenen Tod spielen und die Lehrerin sagte begeistert: "Marc, du bist hervorragend im Sterben!"

Und, konnten Sie die Übung für Ihre Rolle anwenden?

Ich weiß nicht *lacht*.

Einen Versuch war es wert. Wenn eine Figur aus der Geschichte geschrieben wird, sollte das wenigstens mit einem Knall passieren. Welchen Serientod in der "Game of Thrones“-Geschichte hätten Sie sich für Ihre Figur ausgesucht?

Joffrey wurde ziemlich hässlich vergiftet.

Mit seinen radikalen Darstellungen hat "Game of Thrones“ die Sehgewohnheiten ein Stück weit verändert. Was können deutsche Sender aus Ihrer Sicht von HBO, Netflix, Amazon und Co. lernen?

Geschichten werden seit Anbeginn der Menschheit erzählt und die wiederholen sich ständig. Aber das Milieu ist immer unterschiedlich. Gute Serien spannen Handlungsbögen über mehrere Staffeln, Sky gelang das etwa zuletzt mit "Babylon Berlin". Generell wünsche ich mir aber mehr Mut zur Originalität. Wenn du ein bestimmtes Milieu hast, sollte man das immer voll auskosten.

Man sollte eher die Geschichten vor der eigenen Haustür erzählen.

Genau. Erzähl das, was du kennst und darüber erzeugt man eine Strahlkraft - auch im Ausland. Etwas zu kopieren, ist immer der falsche Ansatz.

Was macht "Game of Thrones” anders als viele andere Serien?

"Game of Thrones" hat sich über die Jahre zu einem Weltphänomen entwickelt. Es ist stetig aus einem soliden Kern gewachsen. Ich glaube das eine Geschichte im Fantasygenre, die mit solcher Präzision und Komplexität erzählt wird, eine wahnsinnige Anziehungskraft hat. hat sehr gute Drehbücher. Außerdem war es auch nicht sofort so groß wie es jetzt ist, sondern es ist gewachsen aus einem soliden Kern. Es gibt viele gebrochene Figuren, die man vielleicht nicht unbedingt mag, die aber gerade eine Faszination auslösen. Plus ….Drachen *lacht*.

Die Serie steht für schwere Themen wie blutige Schlachten, Inzest und Intrigen. Ende des Jahres startet Apple einen eigenen Streamingdienst, der familienfreundlicher sein soll. Was denken Sie, brauchen erfolgreiche Serien Gewalt und Tabubrüche?

Ich bin kein Gewaltverherrlicher. Im Gegenteil, sinnlose Gewalt schreckt mich ab. In "Game of Thrones" sind Schlachten jedoch immer ein Mittel, um die Handlung voranzutreiben. Gute Serien können aber auch komplett ohne Brutalität auskommen. Die Qualität ist vielmehr eine Frage des Drehbuchs. Ein gutes Beispiel ist "This is Us". Die Serie ist sehr emotional erzählt und wahnsinnig gut konstruiert. "The Handmaid’s Tale" wiederum ist eine packende Dystopie mit psychologischer Gewalt.

Netflix, Amazon und Sky mischen hierzulande bereits bei den Serien mit. Ende des Jahres kommen noch Apple und Disney mit eigenen Streamingdiensten.

Es sind auf jeden Fall gute Zeiten, um Schauspieler zu sein.

Sie sind ja aber nicht nur Schauspieler, sondern auch Zuschauer. Wird Seriengucken nicht langsam anstrengend?

Es gibt einen riesigen Markt und die Geschmäcker sind extrem unterschiedlich. Aber es stimmt, man muss selektiv vorgehen: Ich verlasse mich eher auf die Empfehlungen von Freunden mit einem ähnlichen Geschmack. Dennoch finde ich die Entwicklung positiv, als Schauspieler und Zuschauer. Denn es verändern sich ja auch die Sehgewohnheiten.

Weil Sie gerade davon sprechen: Schauen Sie Serien lieber am Stück oder im Wochentakt a la "Game of Thrones"?

Ich schaue am liebsten zwei, drei Episoden am Stück. Wenn eine Serie gut ist und ich die Zeit habe auch mal acht Stunden am Stück. Dann kann man richtig in die Serie eintauchen.

Vor Ihrer Karriere als Film- und Serienschauspieler waren Sie am Theater. Würden Sie nochmal von Hollywood zurück auf die Bühne?

Ich vermisse das Gefühl schon, der Austausch mit dem Publikum ist einzigartig. Aber mit meinem Zeitplan ist die Theaterschauspielerei momentan nicht vereinbar. Wenn das richtige Stück mit dem richtigen Regisseur kommt, würde ich aber nochmal auf die Bühne zurückkehren.

"Game of Thrones" muss also in die Stadttheater.

Haha, dann aber bitte gleich als Musical.

Zum Abschluss ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, die Serie würde in Deutschland noch einmal neu gedreht werden - wer sollte die Drachenkönigin spielen?

Jürgen Vogel. Mit blonder Perücke. Und Bully als Jon Schnee! Das würde ich so gerne sehen.

Die neue Staffel von "Game of Thrones" läuft zuerst auf Sky und Sky Ticket. Jeden Montag ab drei Uhr morgens ist die neue Folge online. Ab Dienstag können die neuen Episoden unter anderem bei Amazon Prime Video, iTunes oder im Google Play Store gekauft werden.