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"Giulia in Love" 60 Freaks für Giulia Siegel


Giulia Siegel sucht einen Mann, und zwar per Casting-Show. Nun dürfte es viele geben, die der Mitdreißigerin genau einen von den 60 Männern wünschen, die sich bei "Giulia in Love" um das Glamour-Girl beworben haben. Ein Kandidat präsentierte sogar ungefragt sein bestes Stück.
Von Björn Erichsen

"Liebe Giulia, wer soll denn nun dein Herzblatt sein? Vielleicht Mark, der 53-jährige Psychologe aus Hamburg, der mit Gehrock und Monokel umherstolziert und dich für ein arrogantes Miststück hält? Oder ist Peter der Richtige, ein stimmbrüchiger Berliner, der dir seine Antworten am liebsten auf der Wandergitarre vorträgt und ein komisches Gefühl bekommt, wenn er mal unter Menschen muss? Oder bevorzugst du doch den Maik, den durchtrainierten Sport- und Fitnesskaufmann mit Gel-Frisur, der dir unaufgefordert vor laufender Kamera seinen Penis zeigt? So Giulia, für wen wirst du dich entscheiden...?"

Es war abzusehen, dass es bei "Giulia in Love", der ganz persönlichen Kuppelshow von Giulia Siegel, um einiges deftiger zur Sache gehen würde, als anno dazumal beim ARD-Erfolgsformat "Herzblatt". Und dennoch war die Sendung am Donnerstagabend - und das dürfte den ein oder anderen erschrecken - über weite Strecken recht unterhaltsam. Natürlich ist das Geschmacksache, doch die Rote Laterne für die mit Abstand mieseste, dümmste und menschenverachtendste Show der aktuellen TV-Saison bleibt weiterhin eindeutig bei RTL und Til Schweigers "Mission Hollywood".

Von den rund 30 Millionen geschlechtsreifen Männern hierzulande haben sich exakt 856 darum beworben, der neue Partner von C-Promi Giulia Siegel zu werden. 60 von ihnen wurden für das erste Casting nach München gekarrt, wo sie einer Jury vortragen mussten, warum gerade sie als Romeo für die einsame Giulia infrage kommen. Neben der Hauptdarstellerin entschieden Busenfreundin Rebecca Maier und Hochzeitsplaner Frank Matthée über Wohl und Wehe der Kandidaten. "Die müssen erst mal an uns vorbeikommen", taten die beiden erst mal wichtig, ohne dann aber allzu viel zu melden zu haben.

Das Format ist allein auf Siegel zugeschnitten. ProSieben gab sich größte Mühe, die Musikproduzententochter irgendwie als "Powerfrau" zu inszenieren: Als erfolgreiche Geschäftsfrau und Gründerin einer DJ-Booking-Agentur, als dreifache alleinerziehende Mutter und "bildschöne Frau", für die ein Mann männlich sein muss, "mit Ecken und Kanten". Es wurde kräftig gelobhudelt in der Show - nur über ihre Teilnahme beim Dschungelcamp, wo sie ein Großteil der Zuschauer als intrigante Egomanin kennen lernte, wurde kein Wort verloren.

Als Zuschauer neigte man dazu, gleich zu Beginn verschämt wegzuschauen, als sich diese anscheinend so erfolgreiche Person von fünf Dutzend zumeist hemmungslos blondierten und tiefengebräunten Freaks mit "Giulia, Giulia"-Sprechchören empfangen ließ. Aber die Show lebt von diesem Kontrast: Auf der einen Seite das Glamour-Girl, auf der anderen diese obskure Männerhorde, die man in dieser Zusammensetzung am ehesten auf dem Parkplatz einer abgelegenen Großraumdisco erwarten würde.

Bei den Auftritten vor der Jury war so gut wie alles dabei: Vom Intensivschleimer ("Ich glaube an Schutzengel, genau wie du, Giulia.") über den Süßholzraspler ("Du bist eine wunder- wunderschöne Frau!") bis hin zum testosterontriefenden Vollblutmacho ("Ich liebe es, wenn Frauen mit den Augen ficken!"). Ein dichtender Doktorand mit Rüschenhemd und Adelstitel fand ebenso wenig die Gnade von Madame Siegel wie ein Typ, der es für eine gute Idee hielt, im Froschkostüm zum Casting zu hüpfen.

Rührende Momente jenseits des Fremdschämens

Jenseits des Fremdschämens hatte die Show aber auch einige ganz rührende Momente: Etwa wenn der enorm schlagfertige Peter aus Berlin auf seiner Gitarre reichlich schräg "Please take me, Giulia" sang und dann zitterte, weil er nicht sofort ein Plüschherz bekommen hatte, die Eintrittskarte für die nächste Runde. Auch Philipp ist ein echtes Original, ein Oberfeldwebel, 28, mit durchtrainierten Oberkörper, dessen Mutter im Bewerbungsvideo erzählt: "Wenn Philipp in den Raum kommt und lächelt, geht die Sonne auf. Aber er ist trotzdem kein Weichei."

So friedlich wie in dieser ersten Show hat man Giulia Siegel schon lange nicht mehr im Fernsehen erlebt. Keine Spur von der berechenden Zicke, als die sie sich im Dschungelcamp präsentiert hatte. Es wäre ein Leichtes gewesen, auf den ein oder anderen unbeholfenen Auftritt der Freak-Armada draufzuhauen - doch Giulia gab sich lammfromm. Hatte ihr unrühmlicher Auftritt im australischen Busch am Ende doch einen Lerneffekt zur Folge?

Rosen und Kakteen

Am Ende verteilte Giulia Rosen und Kakteen an die Kandidaten - und überraschte alle, als sie bekannt gab, dass nicht die Rosenkavaliere, sondern die mit den Stachelgewächsen in die nächste Runde kamen. Elf Männer werden einige Wochen mit ihrer Angebeteten in einer Villa am Starnberger See verbringen, bis die sich endgültig für ihr Herzblatt entschieden haben wird. Man kann ruhig mal reinschauen bei "Giulia in love" - und sei es nur, weil man dem Glamour-Girl von Herzen einen dieser Typen wünscht.


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