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"Günther Jauch" zur Krim-Krise: Stochern im ukrainischen Nebel

Günther Jauch nimmt sich spontan der Krise in der Ukraine an, trägt aber wenig zu deren Erhellung bei. Dafür wirbt Gregor Gysi für Gerhard Schröder und Kofi Annan - als Vermittler.

Von Jan Zier

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer?": Günther Jauch hat die brennenden Fragen.

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer?": Günther Jauch hat die brennenden Fragen.

Sie hatten über die soziale Ungleichheit im Land reden wollen. Darüber, dass nirgendwo in Europa die Vermögen so ungerecht verteilt sind wie hierzulande. Aber die Krim-Krise ist halt grad viel wichtiger. Global gesehen. An ihr kann freilich auch ein Günther Jauch nicht vorbei. Und über Armut kann er ja nächste Woche wieder reden. "Putins Machtspiele - gibt es jetzt Krieg?" also war die ad hoc ins Programm gehobene Frage dieses Talkshow-Abends.

Es sollte ein Erklärabend werden, eine Art ARD-Brennpunkt im Talkshow-Format. Doch am Ende stand vor allem die Erkenntnis, dass die Situation "schwierig" und alles irgendwie "im Fluss" ist, wie Herr Jauch sagt. Wobei es hier im Grunde natürlich eh um zwei Konflikte geht, die gerade vermischt werden – den in der und den um die Ukraine.

Gysi wirbt für Schröder und Annan als Vermittler

Gregor Gysi, der Fraktionschef der Linken, der auch zum ursprünglichen Thema des Abends eingeladen gewesen wäre, warb dabei für Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan als "Vermittler" in der gegenwärtigen Krise. Von einer "Invasion" Russlands auf der Krim will Gysi dabei nicht sprechen, eher von einer "militärischen Zuspitzung". An deren Ende sieht er die "Spaltung" des Landes als eine zwar von keinem gewollte, aber doch einigermaßen wahrscheinliche Zukunft. Dabei ist die Ukraine aus seiner Sicht eine "Brücke" zwischen Russland auf der einen und Europa auf der anderen Seite. Gerade deswegen tauge die EU aus seiner Sicht hier nicht als Vermittler, so Gysi.

Marina Weißband wiederum, die Piratin mit dem ukrainischen Pass, die zuletzt in Kiew war, auf dem Maidan, wehrte sich gegen alle Versuche, "an der Ukraine" zu zerren, wie sie es nannte. Sie warb dafür, nun den Ukrainern zu vertrauen und zuallererst demokratische Strukturen in dem Land zu schaffen. Schließlich stehen im Mai Wahlen an. Weißband fürchtet vor allem einen "Bürgerkrieg" auf der erst seit 1954 ukrainischen Krim – und dass gerade das "aggressive" Auftreten Russlands den rechtsextremen Kräften in der Ukraine in die Hände spielen könnte. Allerdings sieht auch sie "keinen Politiker", der die große Mehrheit der Menschen in dem Land, die Ukrainer wie die Russen wie die Krimtartaren hinter sich vereinigen könnte.

Gysi: "Wissen sehr wenig über die Ukraine"

In einem waren sich an diesem Abend alle einig: Sanktionen sind keine Lösung. Keinesfalls dürfe Russland, wie es derzeit schon von manchen diskutiert wird, etwa aus der G8 ausgeschlossen werden, sagte Wolfgang Ischinger, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Washington. Ganz im Gegenteil: Ein G8-Gipfel sei gerade jetzt nötiger denn je. Das findet übrigens auch Gregor Gysi. Die Lage in der Ukraine, so Ischinger, sei für Russlands Präsident Wladimir Putin eine strategische Frage allerersten Ranges. Und doch sieht er schon jetzt Russland als Verlierer des gegenwärtigen Konflikts. Ischinger warb derweil für eine "Kontaktgruppe", in der neben Russland auch die USA, die EU und die Ukraine vertreten sein sollen. Am Ende des Abends deuten erste Anzeichen daraufhin, dass es dazu kommen könnte. Zumindest wird das aus dem sonntäglichen Telefonat der Kanzlerin Angela Merkel mit Putin so kolportiert. Die von der Ukraine angerufene Nato indes sieht Ischinger nicht in der Pflicht. Die Ukraine ist hier nicht Mitglied, also gibt es auch keine Verpflichtung, ihr Beistand zu leisten. Was das Gebot der Stunde ist? Alle, so Ischinger, sollten sich jetzt "Mäßigung" auferlegen. Ansonsten gilt, was Gysi sagt: „Wir wissen sehr wenig über die Ukraine. Das ist die Wahrheit.“

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