VG-Wort Pixel

Ein Gesprächsprotokoll "Der knödelt ja wie Kermit" – Eine Familie guckt den ESC

Eine Familie schaut den ESC 2021 – Ein Gesprächsprotokoll
Der ESC 2021 war ein farbenfrohes Spektakel mit aufwendigen Kostümen. Auf Platz eins landete die italienische Band "Måneskin" (l.), der Norweger "Nix" erreichte den 18. Platz (r.).
© Peter Dejong / DPA
Eigentlich wollten stern-Autor Kester Schlenz und seine Frau nur mal kurz in den ESC reinschauen. Dann sind sie doch hängengeblieben – und später schalteten sich noch ihre Söhne dazu. Ein Protokoll.  

Er: Wir können ja mal beim ESC reingucken.

Sie: Okay. Läuft ja sonst nix.

Boah...guck mal, mit Publikum.

Alle getestet, hab ich gehört. Das ist ein wissenschaftlicher Versuch.

Echt? Nicht, dass jetzt jeder seine Spontan-Party so nennt.

Lauterbach hat schon protestiert.

Der sollte da auch mal auftreten. Als Karl Cassandra oder so.

Mit dem Song "Inzi-Dancing"

Es geht los.

Ah, Peter Urban kommentiert wieder: "The Voice"

Ohne den kann man sich das gar nicht mehr vorstellen.

Ich wusste, dass du das sagst. Wie jedes Jahr.

Hör mal: Zypern klingt echt voll wie Lady Gaga.

Geht gar nicht. Noch ein Bier?

Her damit.

Guck mal Albanien…

Na, ja…

Die aus Israel ist ja süß. Aber der Song…

Bisher haut mich das echt nicht vom Hocker...

Sind noch Salzstangen da?

Hab ich hier bei mir gebunkert.

Was ist denn das für ein Mist?

Belgien.

Voll öde.

Schau mal...die Russin...

Witzig, wie die da in diesem riesigen Babuschka-Kleid über die Bühne rollt.

Aber der Song, naja.

Wollen wir lieber netflixen?

Ein, zwei Songs noch…

Wow, Malta. Voll der Soul. Geht ab. Der erste gute Song.

Und die soll erst 18 sein?

Guck mal die Zausel da. Portugal.

Aber der Song. Blues vom Feinsten. Und das Gitarrensolo. Ich schmilz dahin.

Es wird deutlich besser. Wir bleiben dran, okay?

Jo.

Jetzt kommt Serbien.

Simone Thomalla ist Serbin?

Ja, stimmt. Die in der Mitte sieht voll aus wie die.

Der Song ist aber öde Dutzendware.

England ist dran.

Katastrophe. Der singt ja wie der Fleisch gewordene Brexit.

Möbelparkeröffnungs-Niveau!

Was ist nur aus dieser großen Popnation geworden?

Ach, schau..., die Griechin geht durch die Luft.

Das ist aber auch das einzig Beeindruckende an diesem Song.

Der Schweizer bringt's bestimmt auch nicht.

Moment...Hammer. Gänsehaut. Dolle Stimme. Hypnotischer Song.

Ja, klasse.

Bisher das Überzeugendste

Ah... jetzt Island.

Die haben Corona.

Und wieso sind die da?

Ist nur das Video von der Probe.

Abgedreht. Sehr sympathisch.

Das sagst du immer über die Isländer.

Stimmt ja auch immer.

Der Spanier fängt gut an.

Abwarten.

Kackt ab. Der Tempowechsel nervt. Überfrachtet.

Stimmt.

Oh bitte...die aus Moldawien kann ja gar nicht singen.

Zum Eierabschrecken.

Sohn 1 per WhatsApp: Guckt ihr ESC?

Sie: Ja, du auch?

Sohn 1: Klar. Albanien war sehr soulig.

Er: Hast du Lack gesoffen?

Sohn 1: Ich meinte Malta...

Sie: Die ja...

Er: Da kommt unser Jendrik.

Warum wackelt der dauernd so doof mit dem Kopf?

Netter, überdrehter Junge.

Sohn 1: Warum tanzt da eine große Hand?

Sie: Keine Ahnung.

Er: Swingt aber.

Trotzdem chancenlos.

Sohn 1: Ich melde mich wieder.

Sie: Da die Finnen…

Boah... Hardrock. Wie damals Lordi.

Sehr amtlich.

Der Finne hat's gern düster.

Hast du gehört, was Peter Urban gerade gesagt hat?

Nee...

"Da hebt sich das Dach in der Arena. Ich bin gar nicht da. Aber ich spüre es trotzdem."

Der sitzt doch beim NDR in Hamburg…

Urban ist jetzt hypersensibel. Wie so ein Erdbebenwarnzentrum.

Aber er macht es wieder gut.

Ja doch…

Rührend, die Bulgarin. Verbeugung vorm kranken Papa.

Auch ein nettes Lied.

Billie Eilish für Arme.

Sei nicht so fies.

Sohn 1 per WhatsApp: Klingt wie Billie Eilish, oder?

Beide: Ja.

Sohn 2 per WhatsApp: Süß, wie ihr den ESC kommentiert.

Sie: Guckst du auch?

Nö. Bin in Berlin draußen vor einer Bar mit Niklas. Geht ja wieder.

Er: Guck doch auch.

Sohn 2: In der Bar läuft ein Fernseher. Aber ich sehe nur, wie da Leute in komischen Kostümen rumhüpfen und immer irgendwo Feuersäulen hochsteigen.

Er: Eine sehr gute Zusammenfassung für den ESC.

Sohn 2: Macht's gut. Wir trinken jetzt weiter.

Sie: Tschüss, mein Junge. Übertreib's nicht.

Sohn 2: Mama, ich bin 27…

Sohn 1: Das hört nie auf, Bruder...

Er: Guck mal, die gelben Jungs da aus Litauen.

Die tanzen gut.

Stylisch. Gefällt mir.

Ah...jetzt...die Ukraine. Irgendwie seltsam.

Was ist das denn?

Die hat ein grünes Fell an und ruft so komische Sachen.

Aber das hat was. Geht ab wie Helmut Schmidts Katze.

Ja, voll gut. Ehtno-Flöten-Groove.

Jetzt ist Frankreich am Zug... Die sind fast nie gut.

Fängt aber gut an.

Ja, tatsächlich. Angenehm minimalistisch: Eine Frau. Ein Scheinwerfer. Und die Stimme.

Gänsehaut!

Ich mag eigentlich keine Chansons. Aber der Song haut einen um.

Hammer. Die gewinnt.

Abwarten...

Aserbaidschan hat die Bühne übernommen...

"Mata Hari“ heißt der Song.

Die war doch Holländerin?

Egal. Der Name klingt einfach gut.

Ganz im Gengensatz zu diesem Lied.

Boah, ich hab die ganzen Salzstangen aufgefressen.

Der Norweger da jetzt, der hat Tourette...

Ah, deshalb heißt er Tix.

Gar nicht schlecht. Schöne Melodie, aber beknackte Kostüme. Weiße und schwarze Engel.

Ich gönn dem trotzdem einen guten Platz.

Okay.

Gute Güte: Der Niederländer da jetzt, der knödelt ja wie Kermit.

Tatsächlich. Das Gastgeber-Land versemmelt den Auftritt.

Jetzt kommt Italien.

Die gelten ja als Favoriten…

Italien? Echt?

Na, mal sehen.

Wow – die sehen ja aus wie aus den 70ern. Glam-Rocker.

Hammer-Gitarrenriff.

Das geht ab.

Echt gut. Mach mal lauter.

Nirwana meets Thin Lizzy! 

Rock aus Rom! Ich bin geplättet.

Die könnten gewinnen!

Absolut.

Jetzt Schweden!

Klingt schön. Guter Song.

Aber irgendwie harmlos.

Exakt. Verglichen mit den Rock-Römern eben.

Gleich ist Schluss.

San Marino noch.

Wo liegt das eigentlich?

Äh...

Peter Urban sagt, dass den Song zehn Autoren geschrieben haben.

Das ist nie gut. Viele Köche…

Tatsächlich – das ist der übliche Stampf-ESC-Brei.

Aber die Kopfbedeckung ist gut.

So, wir sind durch. Die Auszählung warten wir nicht mehr ab, oder?

Sohn 1 per WhatsApp: Wartet Ihr die Auszählung noch ab?

Sie: Papa ist müde.

Gar nicht. Seit den Italienern bin ich wieder voll dabei. Die Kostüme, die langen Haare... Das erinnert mich an meine Jugend.

Sohn 1: Du hattest doch schon früh eine Fleischmütze, Papa.

Komm du mir nach Hause...

(Am frühen Sonntagmorgen...)

Mann, war das spannend. Hätte ich nie gedacht.

Was? Dass die Italiener gewinnen?

Nee, dass ich heute so lange wachbleibe...

ESC 2021 in Rotterdam

Sehen Sie im Video: Der ESC 2021 ist Geschichte – und was für eine großartige. Dabei war auch stern-Reporter Edgars Noskovs. Schauen sie mit ihm hinter die Kulissen – von den Vorbereitungen bis zum Jubel der Sieger aus Italien.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker