HOME

Bambi 2016: Eingeschlafen - das passiert bei drei Stunden Bambi

Er ist weggenickt: Schauspieler Hans Sigl schlief bei der Verleihung der Bambis ein. Schuld war eine äußerst zähe Veranstaltung mit Witzen über Gottschalks Jackett und bedeutungsschweren Reden. Nur Jogi Löw brillierte.

Bambi 2016

Bambi-Verleihung mit Hänger: Steffen Hallaschka (l.) hört zu und Hans Sigl nickt weg.

Als die Kamera bei einer Laudatio in den Saal schwenkt, wird Steffen Hallaschka gezeigt. Der "sternTV"-Moderator hört andächtig zu. Um ihn herum Saalprominenz wie "Bauer sucht Frau"-Moderatorin Inka Bause oder Shermine Shahrivar. Doch viel spannender ist, was sich hinter Hallaschka abspielt. Dort sitzt der österreichische Schauspieler . Die Augen sind geschlossen. Langsam fällt sein Kopf nach hinten über. Sigl ist weggenickt.

Der kleine Zwischenfall im Berliner Stage Theater am Potsdamer Platz ist bezeichnend für die ganze Veranstaltung. Drei Stunden lang mäandert sich die ARD durch die Bambi-Verleihung 2016. Auch in diesem Jahr sollte die als Show inszenierte Preisverleihung einen Hauch Glamour und Hollywood versprühen. Dafür wurden nicht nur internationale Stars wie Robbie Williams oder Sting nach Berlin gekarrt, sondern auch reichlich Politikprominenz wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder Ex-Bundespräsident Horst Köhler. Genutzt hat es freilich wenig.

Gottschalks Jackett als Lacher des Abends  

Witze über Jackett ("Florian Silbereisen hat das schönere"), Barbara Schöneberger, die sich von Robbie Williams am Dekolleté nästeln lässt, oder Sting, dessen Teleprompter ausfällt, als er auf Deutsch die Laudatio für Udo Lindenberg liest - das waren die Lacher eines sehr langen Abends. Da fehlte nur Mario Barth.

Gemessen an den ARD-Unterhaltungsflaggschiffen "Verstehen Sie Spaß" oder "Die große Show der Naturwunder" wäre das alles noch zu ertragen gewesen, wenn sich diese Show nicht selbst so unglaublich wichtig nehmen würde. In jeder Ankündigung schwingt mit, wie bedeutend dieser Preis sei und wie hochkarätig die daran teilnehmenden Akteure. Verkrampft und verbissen, als ob aus einer Heizdeckenverkaufsshow ein Galaabend gemacht würde.

Wenn es in Ermangelung deutschen Starpotenzials wieder mal eine Nummer kleiner gehen muss, dann nur mit Attribut. Aus Mareile Höppner wird die "bezaubernde" Moderatorin und aus Shirin David der "erfolgreiche" Internetstar. Bei " bedeutendstem Medienpreis" (O-Ton) darf nicht gekleckert, sondern nur geklotzt werden.

Udo Lindenberg nimmt seinen Preis mit den Worten entgegen: "Ist ein fantastisches Jahr, 2016." Als wären Donald Trump, Brexit und Syrien nicht Gegenbeweis genug, folgt eine Art Trauerliste mit den Verstorbenen dieses Jahres. Ironischer wird es an diesem Abend nicht mehr. Oder doch? In einer Art Schweigesekunde bleibt die Kamera auf dem Gesicht von Uschi Glas stehen, dann folgt der für Integration. Jener Preis, der sich mit seiner Verleihung an Bushido 2011 selbst ad absurdum geführt hatte. Doch in diesem Jahr sollte er zum wichtigsten des Abends werden.

Jogi Löw rettet den Bambi

Das liegt am Preisträger. Jogi Löw bekommt ihn, weil er mit der deutschen Nationalmannschaft "gelebte Vielfalt und gelungene Integration"  vorlebe und deshalb ein Beispiel für die "offene Gesellschaft" sei, sagt Laudator Winfried Kretschmann. Löw bedankt sich mit den Worten: "Deutschland steht bei uns drauf, aber Multikulti ist drin." Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft besetzt das Wort "Multikulti" nach den Schmähungen auch aus der bürgerlichen Ecke damit wieder positiv. Eine mutige politische Botschaft, die nicht jedem schmecken wird.

So wird der Bambi am Ende einer dreistündigen Show dann doch noch, was er die ganze Zeit sein will: wichtig. Und auch Hans Sigl hat sich am Schluss wieder erholt.  "Keine Sorge, er lebt", schrieb Steffen Hallaschka auf Facebook. Als Beweis veröffentlichte er ein Foto von sich und dem erwachten Schauspieler. Was er verpasst hat? Eigentlich nichts.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo