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"Ich bin ein Star": Ingrid van Bergen ist Dschungelkönigin

Dschungelcamp, Tag 16 und Finale: Deutschlands älteste Camperin im fernen Australien hat sich den TV-Titel der Dschungelkönigin erkämpft. Die meisten Anrufe stimmten für Ingrid van Bergen - vor Lorielle London und Nico Schwanz. Auch gab's prominente Schützenhilfe von Thomas Gottschalk.

Von Kathrin Buchner

Sie schnauft tief durch, zuppelt an ihrem T-Shirt, faltet die Hände und guckt in den Himmel, ganz still. Möglicherweise schickt sie gerade ein Stoßgebet nach oben. Ingrid van Bergen hat viel er- und überlebt: Krieg, Vertreibung aus der Heimat, glanzvolle Karriere, tragischer Absturz, Gefängnisaufenthalt. Im Alter von 77 Jahren begab sie sich dann freiwillig ins mediale Resozialisierungstraining für gescheiterte C-Promis in den australischen Urwald und erkämpfte den Titel der Dschungelkönigin.

Die Siegerin der 4. Staffel der prominenten RTL-Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" heißt also Ingrid van Bergen. Ihre Vorgänger sind Ross Anthony, tuntiger Sänger und Moderator, Desirée Nick, Comedian und professionelle Nöhlerin, sowie Costa Cordalis, tiefenentspannter Schlagersänger im Ruhestand - und jetzt also van Bergen, die rüstige Seniorin. Unterschiedlicher können Könige nicht sein, eine Vorliebe der Zuschauer für bestimmte Typen lässt sich daraus nicht ableiten.

Anders wäre der Fall gelagert, hätte die transsexuelle Lorielle London gewonnen, die für viele als Favorit galt und die nur knapp abgeschlagen auf dem zweiten Platz landete. Deren tuntiges Auftreten hatte nämlich durchaus Ähnlichkeiten mit der Performance des letztjährigen Dschungelkönigs Ross Anthony. Mit einem überraschenden dritten Platz schnitt Nico Schwanz ab. Das Männermodel aus Thüringen war wohl der unbekanntesten aller Teilnehmer, erarbeitete sich aber durch seine naive Herzlichkeit, der patenten Art und als Vermittler zwischen zerstrittenen Parteien die Symphatie des Publikums.

Alle drei mussten in der letzten Folge eine Dschungelprüfung absolvieren, alle drei haben sie bestanden und sämtliche Sterne errungen, die zu erringen waren. "Durchhaltewillen" lautet das Motto von Lorielles Test. Ihr Kopf steckte in einem Kasten aus Plexiglas gefüllt mit Wasser, dann wurden große Spinnen und glitschige Aale eingelassen, Luft bekam Lorielle lediglich durch den Schnorchel.

Nico durfte seiner Abenteuerlust frönen, seine Aufgabe war es, Sterne nur mit dem Mund aus Kuchen zu holen, während Millionen von Fliegen in seinen Mund und sein Gesicht flogen.

Ingrid musste Siegerwillen beweisen. Sie bekam das übliche Ekelessen aufgetischt: Heuschrecken, Maden, Skorpion-Spieße, Krokodilsaugen in Fischsuppe und als krönender Abschluss die berühmten Känguru-Hoden. Mit Anstand verspeiste sie alle Köstlichkeiten, philosophierte dazwischen noch über das Wesen des Ekels und beteuerte, wie schmackhaft doch Heuschrecken seien. Allein bei den Känguru-Hoden würgte es sie sichtlich. Und weil sie eigentlich Vegetarierin ist, entschuldigte sie sich bei jedem Tier, bevor sie es in den Mund nahm.

Känguru-Hoden für den Kampf gegen Diskriminierung

Und so wurde eine Frau Dschungelkönigin, die sich altersmäßig weit jenseits der werberelevanten Kernzielgruppe von RTL befindet. Sie wolle beweisen, was Senioren noch zu leisten vermögen, hatte Ingrid van Bergen immer wieder betont, das sei ihre Motivation für den Aufenthalt im Dschungel gewesen. Das allein kann die Zuschauer nicht beeindruckt haben. Vielleicht lag es an ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit, den mit Reibeisenstimme hingerotzten Kommentaren "mit dir spreche ich nicht, Giulia" oder ihrer Natürlichkeit - sie war die einzige Frau im Camp ohne operierte Brüste. Kurz vor dem Finale bekam sie dann auch noch unerwartete Schützenhilfe von einem echten Promi: In einem in der "Bild"-Zeitung veröffentlichen Kommentar bekannte sich Thomas Gottschalk als Ingrid-van-Bergen-Fan. Bereits dreimal habe er für die Seniorin angerufen, es sei nicht nur "ein sinnvoller Beitrag zur Resozialisierung ehemaliger Straftäter, sondern auch ein Signal gegen die Benachteiligung älterer Mitbürger in Alltag und Berufsleben."

Da soll noch einer sagen, beim Trash-Fernsehen würde die Bevölkerung verdummen. Aufrechte Haltung statt äußerem Schein, Altersweisheit statt Angebergepose - offensichtlich goutierten die Zuschauer durchaus, wenn jemand in diesem Camp tatsächlich was zu erzählen hatte. Ingrid van Bergen hat ihren Dschungelaufenthalt jedenfalls erfolgreich für eine Senioren-Antidiskriminierungskampagne genutzt. Wir sind gespannt, was RTL daraus macht. Gibt es demnächst eine Rüstige-Rentner-Show aus einem Mehrgenerationenhaus mit Ingrid van Bergen als Ansagerin? Rückenschmerzen wären dort definitiv tabu, und die Rheumamatrazen würden flugs gegen Hängematten ausgetauscht. Chapeau, Frau van Bergen!